Testbericht

automobil-magazin.de, 21. Januar 2010


Den kreisrunden Saal im fünften Stock des Projekthauses, mitten im Herz des Forschungs- und Innovations-Zentrums (FIZ) von BMW in München, betritt nicht jedermann. An dem von der Welt streng abgeschirmten Ort entscheiden Vorstände über zukünftige Autos, deren Formen genau hier im 1:1-Modell kreiert wurden.
Am 15. Dezember 2006 war es soweit: Nach einer ersten Phase der Skizzen, einer zweiten, in der aus den “Clays” (Modellen aus Industrieplastilin) „aus zwei dann drei Dimensionen wurden“, kam der Tag der Entscheidung – „Ein Tag, den kein Designer je in seinem Leben vergisst“, so Designchef Adrian van Hooydonk. Gewählt wurde ein Karosserie- und ein Innenraumentwurf für das 5er-Modell 2010. Nicht vergessen werden diesen Tag Jacek Fröhlich (Exterieur) und Oliver Heilmer (Interieur), die den internen Wettbewerb der Designer für sich entscheiden konnten. Dann waren noch zwei Jahre zu arbeiten.
BMW nimmt uns zwei Jahre zurück in die Vergangenheit. Am Clay-Modell von 2006 befinden sich noch die Korrekturpunkte. In einem Raum „wo wir Autos bauen“ (Anders Warming, Leiter Exterieur-Design) steht das Clay-Modell des Interieurs und die „Power Bench“: Eine von 23 Hochleistungs-PCs angesteuerte Projektionswand, die auf 5,60 x 2,70 m den neuen 5er 1:1-drehbar und im Superdetail mit 12 Millionen Polygonen darstellt. Hier (und “outdoor” an Lackpanelen) wurden auch die Farben bestimmt. Aus 18 bis 20 Farbtönen blieben schließlich 12, die 2010 in Serie gehen.
Die Vorserie steht vor uns. Die aktive Motorhaube ist markant konturiert und leicht erhaben (wegen dem Fussgängerschutz). Den „konzentrierten Blick“ (van Hooydonk) pflegt auch der neue 5er, bei flacher, leicht nach vorne geneigter Niere. Die Silhouette zitiert, eingedampft, den 7er in Proportion und Linienführung. Der runde Karosserieabgang zelebriert mit „einem Tick dynamischeren“ L-förmigen Leuchten [als beim Topmodell]“ und drei LED-gespeisten Lichtbänken nächtlichen Wiedererkennungswert. Summa summarum macht das 4,90 Meter vom Bug bis zum Heck und 8 cm mehr Radstand (2,97 m), der dank der um 4 cm verkürzten Überhänge der Gewichtsverteilung und damit der Dynamik zugute kommen, jedoch kaum dem hinteren Fußraum: nur 1,3 cm mehr.
Die erste Sitzprobe im Fond bestätigt die Zahlen: Das Sitzhimmelreich befindet sich davor, denn hinten herrscht ein eher durchschnittliches Platzangebot. 5er-Fahren mit himmlischem Rückraum ist jedoch anderweitig machbar: im noch taufrischen 5er Gran Turismo.
Die Klasse des wichtigsten BMW-Modells (van Hooydonk: „Der 5er ist der Inbegriff eines BMW“) erschließt sich im Cockpit: vier Rundinstrumente, Dreispeichenlenkrad, asymetrischer Armaturenträger (das Cockpit ist um ca. 7 Grad zum Fahrer geneigt), gekonnte Verarbeitung und Materialien … Das schaut gut aus.
Obwohl sich das linke Knie eines langbeinigen Fahrers an der wegen des Heckantriebs breiten Mittelkonsole anlehnt, ist es auch so, dass die Armaturenbretter nun wieder schmaler zu werden scheinen, was dem Raumgefühl positiv zugute kommt.
Das, was 5er-Fahren attraktiver und sicherer macht, eilt der Markteinführung schon voran: Die Preise für innovative Extras. Die Parksensoren inklusive Einparkautomatik verlangen nach 1.360, Surround-View (inkl. PDC und Rückfahrkamera) nach 1.930, der Tempomat mit Auffahrwarnung und Anbremsfunktion nach 1.550 und das Innovationspaket mit Head-Up-Display, Kurvenlicht und Verkehrszeichenerkennung nach reichlich 2.950 Euro.
Je nach Motorisierung kommen Leichtmetallräder im 17- und 18-Zollformat (550i) mit großzügiger Gummierung (225/55 R17 bis 245/45 R18) und Bremsscheiben mit einem Durchmesser von bis zu 374 mm zum Einsatz. Erstmals erhält der Fünfer eine Doppelquerlenker-Vorderachse. Die Wankstabilisierung (Dynamic Drive), die „Dynamische Dämpfer Control“ (mit den Fahrzeugabstimmungen „NORMAL“, „SPORT“ und „SPORT+“) oder die Aktiv- und Hinterachslenkung treiben den Grundpreis der bisher zu über 90 % als Geschäftswagen zugelassenen 5er Limousine in die Höhe, nicht jedoch die zu jeder Version gehörende neue elektromechanische Servolenkung EPS, das Multifunktionslenkrad und die elektromechanische Parkbremse.
Zum Marktstart werden drei Benziner, zwei Sechs- und ein Achtzylinder mit einer Leistung von 204 bis 407 PS erhältlich sein. Außerdem zwei Reihensechszylinder-Diesel mit 204 und 245 PS. Der 550i TwinTurbo ist serienmäßig mit dem neuen, erstmals im 760i präsentierten Achtgang-Automatikgetriebe ausgestattet (optional auch für die anderen Varianten). Der serienmäßig mit Auto-Start-Stop-System ausgestattete 520d mit 184 PS starkem Vierzylinder-Diesel steht erst einige Monate später im Handel. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 5 l/100km liegen (Prüfstandswert), der CO2-Ausstoß bei 132 g/km.
Die Produktion der BMW 5er Limousine, die wie der 7er im BMW Werk Dingolfing gefertigt wird, ist angelaufen. Die ersten Vorserienfahrzeuge sind nun ungetarnt unterwegs. Erster Probesitztermin: auf dem Genfer Autosalon vom 4. bis zum 14. März. Erstes Probefahrt-Date: am 20. März. Einstiegspreis: knapp 40.000 Euro. (le)

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Quelle: automobilmagazin, 2010-01-21

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