Testbericht

2. Mai 2007
München, 2. Mai 2007 – Über 600.000 Kleinwagen wurden im Jahr 2006 in Deutschland neu zugelassen. Damit war das so genannte B-Segment die zweitbeliebteste Klasse nach den Kompaktwagen, die es auf rund 860.000 Stück brachten. Die beliebtesten Kleinwagen sind der VW Polo, der Opel Corsa und der Ford Fiesta. Einen davon, den Corsa, haben wir in diesem Vergleichstest zwei Konkurrenten gegenübergestellt. Denn die vierte Generation des Corsa kam im Oktober 2006 in neuer Form auf den Markt. Ebenfalls noch recht neu ist der Toyota Yaris, der im Januar 2006 auf die Kundschaft losgelassen wurde. Der Dritte im Bunde der Testwagen ist der Hyundai Getz. Alle drei fuhren wir mit einem Diesel um die 90 PS in der fünftürigen Version. MOTOR / GETRIEBE Die drei Dieselmotoren unterscheiden sich in der Papierform kaum. Der Getz hat mit seinem 1,5-Liter-Diesel den größten Hubraum und mit 215 Newtonmetern auch das höchste Maximaldrehmoment. Beim Hyundai arbeiten mit 88 PS zwei Pferde weniger unter der Haube als bei den beiden Konkurrenten. Der Yaris wird von einem 1,4-Liter angetrieben, der als einziges Aggregat nur zwei Ventile pro Zylinder besitzt. Den kleinsten Hubraum besitzt der Corsa, der 90 PS aus 1,3 Litern herausholt. Während die beiden Asiaten eine Fünfgang-Schaltung besitzen, hat der Diesel-Corsa eine Schaltstufe mehr. Viel Dieselspaß mit dem Getz In der Fahrpraxis bietet der Getz am meisten Dieselspaß. Der Motor bietet schon bei niedrigen Drehzahlen viel Power und wird nicht zu laut. Über etwa ebenso viel Kraft verfügt der Opel, doch nervt hier das deutliche Turboloch. Wer nach Gehör und Gefühl fährt, hat Probleme beim Anfahren und schaltet zu früh hoch. Man kann sich relativ schnell daran gewöhnen, mehr Gas zu geben und später hochzuschalten. Aber Kleinwagen werden ja auch oft von wechselnden und weniger geübten Fahrern gesteuert. Ebenfalls unerfreulich ist das raue und laute Motorgeräusch des Corsa.

Yaris: Weniger flott Der Yaris schließlich zeigt eine minimale Anfahrschwäche, bietet aber einen guten Vortrieb. Bei Autobahntempo wird es im Yaris aber am schnellsten laut. Ein Blick ins Datenblatt zeigt, dass das subjektive Fahrgefühl nicht mit den Werten übereinstimmt: Nach den Sprintdaten müsste der Yaris der Flotteste im Test sein – er ist runde zwei Sekunden schneller als die Konkurrenz. Dass er dennoch nicht so flink wirkt wie die anderen Testkandidaten, liegt am Drehmoment. Da hinkt der Yaris nämlich hinterher. Sechs Gänge beim Corsa, sonst fünf Wie erwähnt, besitzt der Corsa als Einziger eine Sechsgang-Schaltung, während die anderen Stadtflitzer mit fünf Gängen auskommen müssen. Die Schaltung des Getz ist etwas länger ausgelegt als bei den Konkurrenten: Bei 65 km/h im fünften Gang brummt der Motor unzufrieden, und man schaltet besser sofort zurück. Bei den anderen beiden Kleinwagen ist diese Sprit sparende Gangart zum Dahingleiten in der Stadt möglich. Schalten lassen sich alle drei Getriebe ordentlich. Freilich handelt es sich nicht um so knackige Schaltboxen, wie sie Sportwagen besitzen. Die langen Schaltwege erleichtern es aber Anfängern, den richtigen Gang zu treffen. Verbrauch um die 4,5 Liter Der Spritverbrauch – sicher einer der Hauptgründe für einen Diesel-Kleinwagen – liegt erwartungsgemäß niedrig. Die Herstellerangaben liegen alle um die 4,5 Liter. Das entspricht einer CO2-Emission von nur rund 120 Gramm pro Kilometer. Bei unseren Testfahrten lag der Verbrauch jedoch bei allen Autos rund zwei Liter höher. Dabei genehmigte sich der Getz mit 7,5 Litern pro 100 Kilometer am meisten, doch lag dies an langen Autobahnetappen.­ Ohne diese hätte der Verbrauch bei 6,2 Litern gelegen – genau wie bei den Konkurrenten. Ebenfalls wichtig in puncto Umweltfreundlichkeit ist bei Dieselfahrzeugen der Partikelfilter. Es gibt ihn jedoch ausschließlich für den Opel Corsa; beim Getz und beim Yaris ist er auch gegen Aufpreis nicht erhältlich.

Rentabel ab 15.000 bis 20.000 Kilometer Ein Verbrauch von 4,5 Litern Diesel klingt nach hohem Sparpotenzial. Ein vergleichbarer Benziner braucht schließlich rund 6,5 Liter. Doch Diesel sind natürlich in der Anschaffung sowie bei Steuer und Versicherung teurer. Diesel-Kleinwagen rentieren sich also erst ab einer bestimmten Fahrleistung. Heißt das, sie kommen für Wenigfahrer gar nicht in Frage? Die ADAC-Autokostenberechnung (www.adac-autokosten.de) erlaubt eine Abschätzung. Beim Getz ist der Diesel verglichen mit dem 1,4-Liter-Benziner schon bei 15.000 Kilometern pro Jahr rentabel. Beim Corsa ist der 1,4-Liter-Benziner bis 20.000 Kilometer überlegen. Genauso viel muss man beim Yaris fahren, bis er günstiger als der 1,3-Liter-Benziner wird. FAHRWERK / LENKUNG Ein Kleinwagen ist kein Rallyefahrzeug. Wer sich für einen dieser Stadtflitzer entscheidet, will günstig von A nach B kommen und legt weniger Wert auf eine sportlich straffe Straßenlage. Dennoch sollte ein gelegentlicher Wochenendausflug ins Grüne auch mit einem Kleinwagen drin sein, ohne Leib und Leben zu riskieren. Beim Hyundai Getz fällt auch wegen des kräftigen Motors auf, dass man beim vehementen Spurt vor- und zurückschaukelt: Bei jedem Schaltvorgang geht das Auto vorn in die Knie. Über Unebenheiten geht das Auto aber hinweg, ohne die Insassen allzu sehr zu schütteln – der Getz ist also komfortabel ausgelegt. Das Corsa-Fahrwerk gibt Unebenheiten viel stärker weiter; die Wankneigung in der Kurve hält sich in Grenzen. Wankanfälliger Yaris Am wenigsten befriedigt das Fahrwerk des Yaris: Bei holpriger Fahrbahn wird man hier ordentlich durchgerüttelt. Aber was noch mehr stört, ist die starke Seitenneigung in Kurven. Gut, man muss ja nicht wie ein Rennfahrer in die Biegung fahren. Aber wer ist auf der Autobahn noch nie über einen plötzlich im Rückspiegel auftauchenden Porsche mit Lichthupe erschrocken? Wer dann das Lenkrad nach rechts reißt, kann bei einem schlechten Fahrwerk leicht ins Schleudern kommen.

ESP bei allen erhältlich Apropos Schleudern: Beim Yaris ist das Fahrstabilitätsprogramm ESP ab der Ausstattung Luna Serie, während man beim Corsa runde 360 Euro Aufpreis zahlt. Beim Getz kostet es gleich 600 Euro. Dennoch ist das ein Fortschritt, denn bis vor kurzem gab es für viele asiatische Kleinwagen noch gar kein Anti-Schleuder-System. Empfehlenswert ist es auch für vorsichtige Fahrer. Denn bei widrigen Straßenverhältnissen kann auch der defensive Fahrer mal ins Schleudern kommen. Bei der Lenkung fällt auf, dass das Steuer des Getz nach der Kurve vehement wieder in die Ausgangslage zurückstrebt. Loslassen ist hier keine gute Idee. Beim Corsa wirkt die Lenkung ein wenig schwammig. Am besten gefällt uns die Steuerung beim Yaris. INNENRAUM / PLATZ Im Inneren punktet der Getz mit seinem farbenfrohen Design: Bei den Ausstattungen GL und GLS gibt es im Interieur je nach Außenlackierung rote oder blaue Farbakzente. Das Cockpit des Corsa sieht ebenfalls gut aus. Hier dominieren dezentes Schwarz und Silber. Dazu gibt es rötlich leuchtende Instrumentenskalen. Bei unserem Opel wirkt alles sehr solide, man glaubt sich fast in einem Kompaktfahrzeug à la Opel Astra oder VW Golf. Der Yaris-Innenraum ist ebenfalls in Schwarz und Silber gehalten. Er ähnelt damit mehr dem Corsa als dem jugendlichen Getz. Bei dem Japaner befinden sich – wie beim alten Modell – die Instrumente in der Mitte des Armaturenbretts. Außerdem ist der Tacho digital gehalten. Ablesbar ist die modernistische Anzeige genauso gut wie die analogen Instrumente der Konkurrenz. Unpraktisch: Sitzgurte in der Decke Die Beinauflagefläche der Vordersitze beim Yaris ist zu kurz. Ansonsten sitzt man in den drei Kleinwagen ganz ordentlich. Das Platzangebot hinten ist im Getz klassentypisch, das heißt: Für mittelgroße Erwachsene ist der Raum gerade ausreichend. Fächer für Kleinkram gibt es im Getz-Fond keine. Außerdem ist der mittlere Sitzgurt im Dach angebracht, was das Anlegen etwas komplizierter macht. In diesem Punkt ist der Corsa praxisnäher. Der Sitzkomfort ist ähnlich wie beim Getz; zusätzlich gibt es aber auch Staufächer. Beim Yaris ist die Kopffreiheit hinten eingeschränkt. Wie beim Getz ist hier der dritte Gurt im Dach angebracht.

Rund 300 bis 1.100 Liter Kofferraum Was die Transportkapazität angeht, darf man an Kleinwagen nicht allzu hohe Ansprüche stellen. Alle drei Testlinge bleiben unter 300 Liter Kofferraumvolumen. Den wöchentlichen Einkauf kann man damit ohne Probleme erledigen. Und selbst wenn man für die Party der Kinder einkauft, reicht es. Man muss dann nur die Rücksitze umlegen. Danach hat man bei den getesteten Kleinwagen rund 1.000 Liter Volumen zur Verfügung. Der Getz bietet prinzipbedingt am wenigsten. Denn hier wird „gewickelt“: Man klappt die Lehnen auf die Sitzfläche und kippt dann die ganzen Möbel nach oben. Das kostet Platz, da die hochgewickelten Sitze Raum wegnehmen.

Ebene Ladefläche beim Corsa Konventionell umgeklappt wird beim Corsa und beim Yaris. Das Ergebnis ist erfreulich: eine optimal nutzbare Ladefläche – selten bei Kleinwagen. Beim Yaris ist sie komplett eben, beim Corsa nur leicht gewinkelt. Allerdings schafft das der Opel nur dank eines Einlegebodens, der ab der Ausstattung Edition Serie ist. Da diese Version beim 90-PS-Diesel die Grundversion ist, ist das praktische Extra hier immer an Bord. Die Zuladung beträgt bei allen drei Kleinwagen um die 400 Kilo. Voll mit Passagieren beladen, kommt man dieser Grenze schon recht nahe. Für den Pflastersteintransport eignen sich unsere Kleinwagen also nur sehr bedingt. AUSSTATTUNG / PREIS Was den Preis angeht, so sind Diesel natürlich immer teurer als gleichstarke Benziner. Bei unseren drei Kleinen sind die Basisversionen mit Otto­motor bereits ab etwa 11.000 Euro zu haben. Dagegen kosten die 90-PS-Selbstzünder schon über 14.000 Euro, und im Fall des Opel Corsa sogar deutlich mehr. Günstiger Getz Das günstigste Angebot im Testfeld ist der Hyundai Getz, den es ausschließlich in der Topausstattung GLS gibt: 14.490 Euro verlangt Hyundai für ihn. Mit 14.824 Euro noch ein wenig mehr berechnet Toyota. Dafür bekommt man die Ausstattung Luna. Alternativ werden noch die Varianten Sol und Executive angeboten. Am teuersten ist der Corsa, den es erst für knappe 16.000 Euro gibt. Außer als Edition stehen beim 90-PS-Diesel noch die Ausstattungsvarianten Sport und Cosmo zur Wahl.

Gesamtkostenbilanz In einem günstigeren Licht erscheinen die Diesel, wenn man sich statt der Anschaffungskosten die Gesamtkosten ansieht. Hier ist der Hyundai Getz nicht wie beim Kaufpreis der Günstigste des Testtrios, sondern sogar der Teuerste. Bei 15.000 Kilometern pro Jahr und fünf Jahren Haltedauer belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 5.050 Euro pro Jahr, während der Corsa mit 4.950 Euro und der Yaris mit 4.550 etwas günstiger sind. Die hohen Gesamtkosten des Getz kommen vor allem durch die höheren Ausgaben für Steuer und Versicherung zustande (Quelle: www.adac-autokosten.de). Ähnliche Serienausstattung Die Serienausstattung der jeweiligen Diesel-Basisversion ist bei den drei getesteten Modellen recht ähnlich. Jedes Auto hat aber noch ein kleines Extra an Bord: Beim Getz sind es die Nebelscheinwerfer, beim Yaris das ESP und beim Corsa die Klimaanlage. In puncto Sicherheit bieten ansonsten alle drei Ähnliches: vier Airbags und ABS. Dennoch schnitten die Kleinen im Euro­NCAP-Crashtest unterschiedlich ab. Der Hyundai Getz bekam nur vier Sterne, während der Corsa und der Yaris die Bestwertung von fünf Sternen erreichten. Aber zurück zur Ausstattung: Beim Getz wird man eventuell noch das 1.180 Euro teure Paket mit Klimaanlage und Fernbedienung für die Zentralverriegelung dazubestellen. Wer Rot und Schwarz nicht mag, zahlt außerdem für den Metallic- oder Mineraleffekt-Lack. Beim Opel gibt es nur Weiß ohne Aufpreis; darüber hinaus werden zehn weitere Farben angeboten. Als Extras bieten sich hier das ESP und der Partikelfilter an, was zusammen knapp 900 Euro kostet. Beim Yaris könnte man noch die Klimaanlage für 1.128 Euro sowie eine Metallic-Lackierung dazuordern.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Reihen-Turbodiesel, Common Rail, VGT
Hubraum:1.493
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:65 kW (88 PS) bei UPM
Drehmoment:215 Nm bei 1.900 bis 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 14.490 €
Fazit
Unsere Dieselwiesel sind ideal für Leute, die mindestens 15.000 Kilometer im Jahr fahren und auf sportliche Fahreigenschaften pfeifen. Ansonsten bieten sie unterschiedliche Stärken: Der Getz ist unser Sieger in Sachen Motor; ein Malus ist allerdings, dass es keinen Partikelfilter gibt. Der Corsa ist Favorit beim Innenraum – wegen des guten Umklapp­systems und weil er viel Fondraum bietet. Und bei Ausstattung und Preis liegt der Yaris knapp vorne, weil er die niedrigsten Gesamtkosten bietet. Jeder Kandidat siegt in einer Kategorie; deshalb ist unser Ergebnis ein Unentschieden.

Quelle: auto-news, 2007-05-02

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