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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 2. September 2015
Skoda verpasst dem Octavia eine 230-PS-Testesteron-Spritze und will damit Familienväter beglücken, die auch mal Spaß-Fahren wollen. Dank dem Vorderachs-Differential, das schon im Golf-GTI mit dem Performance-Paket für Fahrdynamik sorgt, gelingt das auch. Aber ein paar Schwächen bleiben.

Sag' noch einer, Skoda-Fahrer seien langweilig. In den letzten beiden Jahren entschieden sich rund 75.000 Octavia-Käufer für die scharfe Variante des Tschechen-Golfs - das entspricht rund zehn Prozent des Octavia-Gesamtabsatzes. Scheinbar spricht die Understatement-Wolf-im-Schafspelz-Attitüde doch einige Autofahrer an. Grund genug für die VW-Tochter das schnelle Praktikabilitätsmobil noch einmal nachzuschärfen. Die Technik ist ja im VW-Konzernregal vorhanden, bei dem sich die Tschechen ausgiebig bedienen können.

Also kommt auch bei Skoda der VW-Motor mit dem internen Code EA 888 zum Einsatz. In einer aufgepumpten Ausbaustufe leistet das Aggregat im RS 230 - Nomen est Omen -169 kW / 230 PS und damit zehn PS mehr als die "normale" RS-Version. "Das ist der erste Skoda Octavia RS, der mit der Handschaltung bei 250 km/h abgeregelt werden muss", strahlt Skoda-Ingenieur Dr. Martin Hrdlicka. Das Sechsgang-DSG-Getriebe bremst den Octavia um ein km/h ein. Auch sonst können sich die Fahrdaten des Alpha-Octavia sehen lassen: von null auf 100 km/h vergehen 6,8 Sekunden, das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern liegt bereits 1.500 U/min an und der Durchschnittsverbrauch ist mit 6,4 Liter pro 100 Kilometer auch moderat.

Bei diesen Daten werden VW-Insider aufmerken und sofort an das Brüderpaar Golf GTI und Golf GTI mit Performance-Paket denken. In der Tat ist der RS 230 im Grunde nichts anderes Performance Golf GTI in einem bescheideneren Blechkleid. Deswegen kommt der potente Skoda auch in den Genuss der elektrohydraulisch angesteuerten Visco-Vorderachs-Sperre, die viele Komponenten einer Haldex-Kupplung hat, wie sie bei Allradantrieben zum Einsatz kommt. Die Vorteile dieses Differentials wirken sich positiv auf die Fahrdynamik aus. "Damit vernichten wir keine Energie, wie es bei gezielten Bremseingriffen der Fall wäre", sagt Martin Hrdlicka.

Das Vorderachs-Differential verkraftet bis zu 1.600 Newtonmeter Drehmoment und kann bei Bedarf 100 Prozent der Kraft auf das kurvenäußere Rad lenken. Ganz verzichten wollen die Tschechen aber auf das XDS+, das sonst mit Bremseingriffen für Dynamik sorgt, nicht. Das erweiterte ESP hilft dem Skoda Octavia beim Anfahren auf sehr glatten Oberflächen, wie Eis oder Schnee. Wenn es schneller zur Sache und um die Ecken geht, übernimmt dann die Quersperre. Das Zusammenspiel der beiden Agilitätssysteme funktioniert prächtig. In schnellen Kurven neutralisiert das neue Differential die Untersteuerneigung und lässt gefühlt sogar das Heck ein bisschen mitlenken. So bereitet das Carven auf der Haftungsgrenze der Pneus unkomplizierte Freude. Selbst in heiklen Ecken reagiert der Octavia extrem gutmütig und kündigt den Grenzbereich überdeutlich durch ein Scharren der Vorderräder an. Bei Fahrten auf der Nordschleife hängte das Fahrzeug mit der Differentialsperre das ohne diese Dynamikhilfe um elf Sekunden ab, was 500 Metern entspricht.

Dabei hilft dem Tschechen auch der - im Vergleich zum GTI - um fünf Zentimeter längere Radstand. Die zum Golf unterschiedlichen Maße und Gewichte sind die Gründe dafür, dass die Skoda-Ingenieure die Golf-Dynamik-Technik nicht eins-zu-eins übernehmen konnten. Im Vergleich zum Top-GTI ist die Anregelung der Sperre auch nicht ganz so spitz - der Skoda ist braver, eben friedfertiger, was nicht immer ein Nachteil sein muss. Warum es bei dem Tschechen-Sportler beim Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe keine Schaltwippen gibt, bleibt indes unverständlich. Auch die Bremse (17-Zoll-Scheiben vorne und 15-Zoll-Scheiben hinten) überzeugt im harten Einsatz nicht restlos. Der Weg bis zur Bremswirkung ist zu lang und der Druckpunkt zu indifferent, sodass sich die Verzögerung nicht exakt dosieren lässt.

Die Lenkung ist zwar präzise, könnte aber auch etwas straffer agieren. Bei den Fahrmodi gibt es keine Überraschungen: Wer auf den RS-Knopf drückt, schaltet den Octavia scharf. Allerdings wirken sich die Veränderungen der Kennlinien nicht auf die Dämpfer aus, da es das adaptive Fahrwerk erst ab dem nächsten Jahr für den Octavia gibt. Das ist aber nicht weiter schlimm, da das Sport-Stahlfahrwerk (lässt den RS 230 15 Millimeter tiefer über den Asphalt flitzen) einen guten Job macht. Damit der Skoda Octavia RS auch sich auch akustisch von seinen zahmeren Brüdern unterscheidet, haben die Techniker eigens eine eigene Abgasanlage entwickelt, die mit weniger Gegendruck und einem leicht gebremsten satten Klang bei Zwischengas für Freude sorgt.

Ansonsten hat der Skoda Octavia auch als RS 230 nichts von seiner Praktikabilität verloren. Für 33.490 Euro (Limousine / Combi: 34.150 Euro) bekommt einen großen Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 590 Liter bis 1.580 Liter), viel Platz innen und eine solide Verarbeitung. Ein bisschen legt der Octavia RS 230 auch optisch die Zurückhaltung ab: Der Kühlergrillrahmen glänzt schwarz, ebenso wie der Heck-Spoiler bei der Limousine oder sogar die Auspuff-Endschalldämpfer.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Sechsgang-Doppelkupplungsgetri
Motor Bauart:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.984
Drehmoment:350 Nm bei 1500–4600 UPM
Preis
Neupreis: 33.490 € (Stand: 2015-09-03)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2015-09-02

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