Testbericht

automobil-magazin.de, 19. Oktober 2015

Der neue Seat Ibiza fährt sich wie ein Ibiza, trotzdem steckt mit moderner Bedienung, neuem Infotainment und frischen Motoren mehr Leon drin.

So auf den ersten Blick hat sich ja viel geändert. Viel? Ne, nicht nach dem ersten Eindruck. Die Verfeinerungen am Ibiza Fünftürer, am dreitürigen Ibiza SC und dem Kombi Ibiza ST umfassen neue Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, frische Räderdesigns im 16- und 17-Zoll-Format und zwei Lacke. „Moonstone Silber“ und „Chilli Rot“ heißen die Neuanstriche. Revolution sieht anders aus, auch weil Evolution das ist, was beim Facelift viel mehr zählt. Und der Marktimpuls für die zweite Lebenshälfte.

Konnektiv begabt
Der Impuls hat beim neuen Ibiza auch etwas mit Verbindung zu tun. Der Spanier ist mit dem Facelift zum konnketiven Typ geworden – nicht nur als Sondermodell Connect, mit dem sich bis zu 2.700 Euro einsparen lässt. Jedes gängige Smartphone lässt sich jetzt mit „Android Auto“, „Apple CarPlay“ oder „Mirror Link“ andocken. Mit dem iPhone geht das ganz flott. Die auf dem Touchscreen erscheinenden großen Icons lassen die Bedienung sogleich vertraut erscheinen. Per Touchscreen oder per Sprachsteuerung wird alles gesteuert, was gerade gesucht wird: neuste Nachrichten, besseres Wetter oder die letzte Mail. Die Musik dazu kommt via DAB (Digitalradio), USB oder Bluetooth vom Smartphone auf die sechs Lautsprecher samt 10 Liter-Bassbox im Kofferraum.

Individueller geht´s auch
Das ist Trend. Optisch stärker dosiert nun auch im Ibiza. Die neuen „Color Packs“ reichen vom Bronzeton „Velvet“ bis zum zarten Purpur. Die Ränder der Luftdüsen und Teile des neuen Lenkrads und des Schalthebels sind in Wagenfarbe gehalten. Kontrastierend lackierte Außenspiegelgehäuse, zweifarbige Leichtmetallräder und Sitzbezüge in bi-color setzen deutliche Akzente. Was man von der Mode hält? Wie immer und überall: Geschmacksache.

Verbesserte Sicherheit
Eines der wichtigsten Stücke Sicherheit im Auto ist ein gutes Fahrwerk. Der Seat Ibiza bietet das schon fast aus Tradition. Mit unbeschwertem Handling, leichter Lenkung und friedfertigem Frontantrieb. Die elektrische Servolenkung erhielt ein Feintuning. Der Fahrkomfort, der tendenziell alltagstauglich-straff ausfällt, legt ein Hauch zu, da die Federn, Dämpfer und Stabilisatoren neu abgestimmt wurden. Wer hinzubezahlt, fährt den Ibiza FR, wie zuvor schon den Leon, mit dem 310 Euro teuren „Drive Select“-System, das mit zwei Kennlinien arbeitet. Einer komfortableren und einer strafferen. Neue Systeme (Müdigkeitserkennung, Multikollisionsbremse), Bi-Xenon-Scheinwerfer samt Kurvenlicht (500 - 550 Euro) und die Rückfahrkamera (270 Euro) verbessern zudem das Sicherheitspaket des Ibiza.

Benziner oder Diesel?
Klare Antwort: Der Benzineranteil lag bisher im Ibiza bei 90 %. Daran ändert sich wohl zu Zeit – VW und die Diesel – nichts. Also ein Benziner? Schon der 1,2 Liter-Vierzylinder macht dem Ibiza ordentlich Beine, da der Kompakte als 1.2 TSI gerade mal 1.089 kg wiegt. Weitere Optionen: drei 1.0 Liter-Dreizylinder als Sauger mit 75 PS und als Turbo mit 95 oder 110 PS. Der alte 1.4 TSI präsentiert sich auf 150 PS erstarkt und Anfang 2016 kommt dann der stärkste Ibiza auf den Markt: Der neue Ibiza Cupra mit dem 192 PS starken 1.8 TSI, der das Fahrzeug in 6,75 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und 235 km/h geht. Am sparsamsten geht es aber mit den Dieselmotoren voran. Der Dreizylinder im Ibiza 1.4 TDI Ecomotive verbraucht auf dem Papier lediglich 3,4 l/100 km und die Diesel mit 90 oder 105 Pferden unter der Haube im Schnitt 3,8 Liter. Die Kraft wird im 1.2 TSI mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe einsortiert. Das klappt im Testwagen einwandfrei und flott. Das Sechsgang-Schaltgetriebe kommt bei den stärkeren Motorisierungen zum Einsatz und das DSG (Doppelkupplungsgetriebe) in Union mit dem 110 PS-Benziner oder dem 90 PS-Diesel im Ibiza.

Der Leon im Ibiza
Das neue Multifunktionslenkrad stammt vom Leon, das hippe Menü-Karussell im Touchscreen auch, manche Taste ebenso … Gute Anleihen, denn seit der neue Leon im Jahr 2011 auf den Markt kam, ging es mit Seat immer weiter aufwärts. Mit jährlich 30.000 Neuzulassungen rechnet man beim überarbeiteten Ibiza. Der kostet ausstattungsbereinigt zwar weniger, beim Einstieg aber etwas mehr: 12.690 Euro der 1.0 MPI und 14.690 Euro der schon gefahrene Ibiza 1.2 TSI. Die Rechnung für Kostenbewusste geht auch in Zukunft auf. Auch weil sich der Ibiza nach dem Facelift am erfolgreichen Bruder Leon anlehnt. (Lothar Erfert)


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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2015-10-19

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