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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 22. März 2013

Wer ein Luxus-SUV in der Größe eines Mercedes GL erwirbt, ist eigentlich eher auf lange Reisen denn kurzes Rasen aus. Aber es gibt Kunden, die den Sportler im Gleiter suchen oder einfach auf dicke Hose machen wollen. Vor allem auf Drängen der Scheichs und Oligarchen bietet Mercedes nun auch eine AMG-Version des Dickschiffs an und fördert damit ganz andere Eigenschaften des gemütlichen Giganten zu Tage.   Wo man im GL 500 ganz gelassen über Highways und Autobahnen rollt und den Geländewagen als S-Klasse fürs Grobe zu schätzen lernt, ist es im GL 63 AMG mit dem Müßiggang ganz schnell vorbei. Schon beim Anlassen faucht der V8 mit seinen beiden Turbos so laut, dass der Puls wie von selbst ein paar Schläge zulegt. Intuitiv stellt man den Sitz etwas steiler: Wer einen 5,5-Liter-Motor mit 410 kW/557 PS kommandiert, der lümmelt nicht hinter dem Lenkrad, sondern nimmt buchstäblich Haltung an.
 
Das ist auch bitter nötig. Was sind schon 2,5 Tonnen, wenn 760 Nm an ihnen zerren? So leichtfüßig wie ein E 63 AMG und so wütend wie ein Bison bei der Stampede in der Prärie stürmt der Koloss deshalb in 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Wenn dieses Dickschiff im Rückspiegel auftaucht, machen sich die anderen freiwillig dünne und man hat fast immer freie Bahn. Ehe man es sich versieht, zeigt die Tachonadel bei 160, 180 und klettert mühelos auf 250 km/h. Mit Rücksicht auf die Reifen und weil man die Fuhre ja auch wieder zum Stehen bekommen muss, ziehen die Ingenieure bei 250 km/h sicherheitshalber die Reißleine. Mehr geht nicht mit dem GL. Auf dem rasenden Hochsitz fühlt sich dieses Tempo noch viel imposanter an als in jedem anderen AMG-Modell und selbst die breiteste Autobahn wird verdammt schmal, wenn der rasende Riese erst einmal auf Touren ist.
 
Breite Straßen, lange Geraden und sanfte Kurven, das ist die Welt des GL 63 AMG. Zwar bügelt er mit seinem adaptiven Fahrwerk schlechte Oberflächen wunderbar glatt, solange man im Komfortmodus bleibt und lässt den Fahrer nur in der Stufe „Sport+“ schon jeden Schatten auf dem Asphalt spüren. Doch mit engen Radien hat der Riese selbst mit dem überarbeiteten Räderwerk und dem serienmäßigen Wankausgleich seine liebe Mühe. So ganz lässt sich die Physik eben doch nicht überlisten, und irgendwann beugen sich die 2,5 Tonnen allem Fahrwerkstuning zum trotz der Fliehkraft und drängen unweigerlich nach außen.   So imposant Antritt und Auftritt des optisch eher dezent nachgeschärften GL 63 AMG sind, so eindrucksvoll ist allerdings auch sein Preis: Mit 130.305 Euro kostet er gute 35.000 Euro mehr als der auch nicht gerade billige GL 500. Doch die wenigen Kunden wird das wohl genau so wenig stören wie der Verbrauch, der nur in der Theorie bei halbwegs akzeptablen 12,3 Litern liegt. Bei artgerechter Haltung hat der sportlichste GL so einen gewaltigen Durst, dass der 100 Liter-Tank für nicht mal 400 Kilometer reicht.

Weshalb man ein Luxus-SUV mit den Beschleunigungswerten eines Sportwagens braucht, erschließt sich aus rationalen Gründen nicht unbedingt. Aber es gibt Kunden, die genau das wollen. Die meisten wohnen aber in Ländern, wo der Spritpreis noch in Cent berechnet wird.

Fazit
Weshalb man ein Luxus-SUV mit den Beschleunigungswerten eines Sportwagens braucht, erschließt sich aus rationalen Gründen nicht unbedingt. Aber es gibt Kunden, die genau das wollen. Die meisten wohnen aber in Ländern, wo der Spritpreis noch in Cent berechnet wird.

Quelle: Autoplenum, 2013-03-22

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