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Testbericht

10. Januar 2011
Haar, 10. Januar 2011 - Sébastien aus Paris fährt einen gebrauchten Peugeot 107. Unser Bekannter fährt das Auto nicht des Prestiges wegen, sondern um von A nach B zu kommen. Solange das Ding fährt, man die Einkäufe damit transportieren kann, ist alles gut. Ein paar Beulen hier und da vertiefen nur die emotionale Beziehung zu dem Gefährt. Mit dieser Einstellung ist Sébastien ein typischer Franzose. Nun hat aber Peugeot nicht nur günstige Kleinstwagen zu verkaufen, sondern seit kurzem auch ein waschechtes Coupé, den RCZ. Und solch ein Fahrzeug fährt man nicht, um anzukommen, sondern auch wegen des Fahrspaßes. Wir haben das Auto in der Version mit Zweiliter-Diesel getestet und dabei erspürt, ob es klappt mit dem Sportfeeling. Schickes Coupé Was in den letzten Jahren den Stall von Peugeot verließ, sah nicht immer aus wie ein Designer-Vollblut. So stieß der weit aufgerissene Rachen des 407 auf berechtigte Kritik. Doch etwa in den letzten zwölf Monaten deutet sich eine Kehrtwende an: Man geht ab vom überstrapazierten Haifischmaul und findet wieder elegantere Lösungen, wie zum Beispiel die Studie SR1. Auch der RCZ ist gelungen - so sportlich wie dieses Coupé sah ein Serien-Peugeot schon lange nicht mehr aus. Die oft bemerkte Ähnlichkeit zum Audi TT ist von der Grundform her deutlich. Doch mit der interessanten Doppelwölbung der Heckscheibe hatten die Peugeot-Designer auch eine sehr eigenständige Idee, denn wo sonst gibt es das?

Viel Leder und Tinnef Auch der Innenraum ist schick geworden. Die bei unserem Wagen installierten, optionalen Ledersitze sind fein verarbeitet, und auch das Armaturenbrett ist mit Leder überzogen. Für unseren Geschmack sind ein wenig zu viele Skalen und Knöpfe und anderer Tinnef im Cockpit. Auch sind Elemente wie die Sitzheizung oder die Lenksäulenverstellung nicht auf Anhieb zu finden. Wir können noch ein wenig weiter an Kleinkram herumnörgeln: Die Integralkopfstützen sind für uns ein paar Zentimeter zu kurz - und wir gehören nicht zu den ganz Großen. Auch schauen wir bei unterster Sitzposition schon auf das obere Drittel der Frontscheibe. Beim Hinaussehen muss man denn auch ab und zu den Kopf etwas neigen, um die Ampel zu sehen. Schlimm ist all das allerdings nicht. Positiv fällt der gute Seitenhalt der Sitze auf. Außerdem ist die Aussicht nach hinten durch die riesige Glas-Heckscheibe hervorragend - paradoxerweise besser als nach vorne, und besser als bei jedem Coupé, das wir kennen. Ein echter Zweisitzer Hinten können im RCZ allerdings höchstens ganz kleine Kinder sitzen. Das liegt nicht nur am minimalen Beinraum, sondern auch an der Glasscheibe, die den Hinterkopf von Erwachsenen unweigerlich nach unten zwingt. Der RCZ ist also kein Viersitzer, nicht mal ein 2+2-Sitzer, sondern ein Zweisitzer. Sehr gut nutzbar ist jedoch der Kofferraum: Er ist regelmäßig geformt, genügend tief für einen Mineralwasserkasten, und wie beim Audi TT kann man die Rücksitzlehnen umklappen, um etwa Skier unterzubringen. Das Volumen vergrößert sich durch das Umklappen von 321 auf 639 Liter - das wäre fast eine Verdopplung. Allerdings bezieht sich der Maximalwert auf eine Beladung bis zum Dach.

Straffes Fahrwerk ... Aber nun haben wir das schöne Coupé doch glatt wie einen Van behandelt, sehr viel zum Innenraum und noch gar nichts zum Fahrgefühl gesagt. Emotional würden wir den RCZ irgendwo zwischen einem VW Scirocco und einem Porsche Cayman einordnen. Das straffe Fahrwerk hält das Auto in scharfen Kurven schön parallel zum Asphalt, doch auf mehrstündigen Autobahnetappen kann die harte Federung schon mal unkomfortabel wirken. Ganz so kompromisslos wie in einem Cayman ist sie aber nicht. Apropos Autobahn: Auch bei hohem Tempo bleibt das Auto leise und dank dem bei 85 km/h automatisch ausfahrenden Heckspoiler auch spurstabil. Bei niedrigerem Tempo kann man das Aerodynamikbauteil per Knopfdruck ausfahren. Wer das tut, muss ihn aber auch manuell wieder deaktivieren. Beim Abstellen der Zündung fährt er nämlich nicht eigenverantwortlich ein - hier könnte Peugeot noch nachbessern. ... und schöner Diesel Dass unter der Fronthaube unserer Variante ein "unsportlicher" Diesel arbeitet, ist schon lang kein Argument mehr gegen ein Coupé. Der RCZ HDi kommt mit 163 PS auch nicht gerade schwach daher. Der Zweiliter-Diesel unterstützt freilich keine hochtourige Fahrweise, sondern eher das Cruisen und das Herausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller: Schon bei 1.500 U/min geht es voran, auch wenn das maximale Drehmoment von 340 Newtonmeter erst bei 2.000 Touren anliegt. Die Schaltpunktanzeige fällt vor allem durch ihre Liberalität auf: Sie meldet sich nur bei krassen Missgriffen. Ob man bei einem Stadttempo von 55 km/h im dritten, vierten oder fünften Gang fährt, ist ihr letztlich egal. Erst wenn man in den Zweiten heruntergeht, leuchtet ein Hinweis auf. Der sechste und höchste Gang der Schaltung ist für diesen Zweck ohnehin zu lang.

Verbrauchsmäßig nicht schlecht Alle Versionen des RCZ sind Fronttriebler, und da drehen die Vorderräder bei glatter Fahrbahn schon mal durch. Gravierende Traktionsprobleme konnten wir aber nicht ausmachen, und so haben wir den Allradantrieb nicht vermisst - auch wenn man so im Winter nicht ganz so schnell vom Ampelstopp wieder hochbeschleunigt wie ein Audi TT mit Zweiliter-Diesel und serienmäßigem quattro-Antrieb. Wer glaubt, dass der frontgetriebene Peugeot weniger verbraucht als der allradgetriebene Audi, täuscht sich allerdings: Der RCZ 2.0 HDi benötigt mit 5,3 Liter auf 100 Kilometer genau gleich viel. Mit diesem Verbrauch ist unser Testkandidat weder Sparwunder noch Schluckspecht - er positioniert sich im besseren Mittelfeld. Das sparsamste Diesel-Coupé über 150 PS ist derzeit der BMW 120d mit 4,7 Liter. Ein Mégane Coupé mit 160-PS-Diesel schluckt nach Herstellerangaben schon 5,9 Liter. In der Praxis benötigten wir mit unserem Testwagen durchschnittlich 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Rund 6.000 Euro günstiger als Audi TT 2.0 TDI Der RCZ HDi FAP 163 kostet 29.450 Euro - unterschiedliche Ausstattungen gibt es nicht. Im Vergleich zum Audi TT 2.0 TDI quattro spart man damit über 6.000 Euro. Andere Konkurrenten liegen schon etwas weiter ab vom Schuss, da sie näher an ganz normalen Serienlimousinen sind: Preislich gleichauf mit dem RCZ liegt das BMW 120d Coupé für 29.750 Euro. Noch günstiger sind der VW Scirocco 2.0 TDI für 27.125 Euro und das Renault Mégane Coupé dCi 160 GT für 26.550 Euro. Im Vergleich ist das Peugeot-Coupé ein gutes Angebot. Dabei ist die Serienausstattung des RCZ schon recht vollständig. Dazu gehören vier Airbags, ESP, 18-Zoll-Alufelgen, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn, eine Zentralverriegelung, ein CD-Radio, eine Klimaautomatik und sogar ein Tempomat sowie Parkpiepser hinten. Erwägenswerte Extras sind neben der Metallic-Lackierung für 500 Euro noch Parkpiepser vorne (im Paket mit anderen Komfortfeatures 500 Euro) und Xenonlicht für 950 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbodiesel
Hubraum:1.997
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:120 kW (163 PS) bei UPM
Drehmoment:340 Nm bei 2.000 - 3.000 UPM
Preis
Neupreis: 29.450 € (Stand: Januar 2011)
Fazit
Der RCZ ist der schickste Peugeot auf dem Markt, und auch auf der Straße kann er sich optisch gegen die meisten Autos durchsetzen. Das Fahrgefühl reicht natürlich nicht an das Feeling in einem Porsche Cayman heran, doch man setzt sich wirklich gern in den sportlich-strammen Franzosen. Mit dem Zweiliter-Diesel geht er schwungvoll zu Werke und ist auch nicht allzu schluckfreudig, zumindest aber erheblich sparsamer als ein Benziner. Auch die Alltagstauglichkeit lässt sich mit gut bewerten, solange man nicht glaubt, einen Viersitzer vor sich zu haben. Pluspunkte sind die hervorragende Sicht nach hinten und der gut nutzbare Kofferraum. Preislich liegt der Peugeot trotz guter Ausstattung deutlich unter dem Audi TT 2.0 TDI quattro. Dessen Allradantrieb haben wir nicht vermisst. Kurzum: Der RCZ hat uns gefallen.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2011-01-10

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