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Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Juni 2009
Im XC60 kann man sich behaglich zurücklehnen und souverän über die Autobahn gleiten. Doch das viele Blech um einen herum birgt auch Nachteile und den Preis für den kraftvollen V6 zahlt man an der Tankstelle.

Schwedenstahl ist ein Prädikat für Autos aus dem hohen Norden - und der XC60 trägt es zu Recht. Nicht nur durch sein umfangreiches Sicherheitspaket, sondern allein schon durch seine wuchtigen Aufbauten kommt sofort dieses "Wie in Abrahams Schoß"-Gefühl auf. Die Kehrseite der Medaille: Die Sicht nach draußen ist in dem Schweden-Panzer einfach grauslig – Radfahrer werden durch die breite B-Säule und das aufsteigende Heck verschluckt, nach vorn kann man das Ende des Wagens nur erahnen, nach hinten ist der Blick ebenfalls arg verbaut.

Punkte sammelt der Schwede dafür beim Ambiente. Der Innenraum glänzt mit hochwertiger Verarbeitung und elegant geschwungenen Linien. Der Bildschirm des Navigationssystems ist endlich im Armaturenbrett integriert und nicht wie im XC90 als unpraktischer Klappschirm oben auf das Armaturenbrett verbannt. Das Navi selbst hat Volvo mittlerweile überarbeitet und ihm einen etwas moderneren Look verpasst. Und mit etwas Eingewöhnung lässt es sich bequem per Fernbedienungstasten am Lenkrad einstellen. Doch die Funktionsvielfalt bleibt im Vergleich zu Audi oder BMW bescheiden und viele Einstellungen sind umständlich – so muss man sich zum Beispiel zur Änderung des Maßstabs erst durchs Menü klicken.

Die zum Fahrer geneigte Mittelkonsole ist in matter Chromoptik schon ziemlich schick. Freunde moderner Architektur sollten sich allerdings die Holzausstattung gönnen. Damit wirkt vor allem die Mittelkonsole wie ein Designer-Möbelstück. Die meisten Schalter sind auf eben dieser Konsole konzentriert und für die wichtigsten sollte man sich schon einmal den V-Griff angewöhnen – mehr dazu später. Platz hat der Schwede reichlich anzubieten. Hat man die hohe Ladekante überwunden, lassen sich 495 Liter Gepäck verladen, bei umgelegten Rücksitzen bis zu 1455 Liter.

Der Volvo lässt sich mit zahlreichen Assistenzsystemen bestücken. Serienmäßig ist unter anderem das "City Safety"-System an Bord – es soll bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h eine automatische Notbremsung einleiten, wenn der Fahrer keine Anstalten macht zu bremsen. Dadurch soll der typische Auffahrunfall im Stadtverkehr verhindert oder zumindest die Aufprallschwere gemindert werden. Ob das funktioniert, lässt sich in der Praxis nicht endgültig beurteilen – schließlich müsste man dazu theoretisch zahlreiche Crashs im echten Verkehr provozieren. Im Paket für 2050 Euro sind drei weitere Systeme an Bord, die das Reisen erleichtern sollen: Ein Warnsystem für Autos im toten Winkel, ein aktiver Tempomat (regelt automatisch den Abstand zum Vordermann) und der "Driver Alert". Er trällert, wenn man ohne zu Blinken die Fahrspur verlässt.

Der Abstandswarner, der (mit Leuchtdioden an der Windschutzscheibe kurz vor dem Armaturenbrett) den Fahrer zur Distanz mahnt, konnte uns während der Testphase nicht restlos überzeugen. Im dichten Stadtverkehr, wo der korrekte Sicherheitsabstand ohnehin illusorisch ist, nervt das ständige Geblinke eher, als dass es hilft. Der Abstandstempomat sorgt auf der Autobahn für einen Komfortgewinn - doch wie viele solche Systeme arbeitet er manchmal unlogisch: In sanften Kurven reagiert er nicht selten auf Autos in der Nebenspur und bremst den Wagen unvermittelt ab. Wenn man das Blinken und Trällern von Abstandswarner und Spurwechselassistent leid ist, hilft übrigens der V-Griff, mit dem man die beiden Systeme an der Mittelkonsole deaktivieren kann.

Auch ohne Hightech-Hilfen ist der Volvo ein höchst angenehmes Reisefahrzeug. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel, bringt den XC60 aber auch in schnellen Kurven nicht so zum Schaukeln wie den größeren XC90. Der permanente Allradantrieb sorgt für weiteren Sicherheitsgewinn. Die Geräuschdämmung ist ausgezeichnet. Wer ordentlich Bumms unter der Haube haben will, findet ihn im T6 mit 210 kW/285 PS (ab 44.400 Euro, zum Vergleich: BMW X3 xDrive30i/272 PS: ab 44.900 Euro; Audi Q5 3.2 FSI quattro/270 PS: ab 46.900 Euro; Mercedes GLK 350 4matic/272 PS: ab 46.053 Euro). Der Volvo-Sechszylinder entwickelt ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern und schiebt den Schwedenpanzer in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im Verbund mit der weich schaltenden Automatik und der niedrigen Geräuschkulisse gibt sich der Motor trotz seines Potenzials angenehm zurückhaltend.

Leider erkauft man sich das souveräne Vorwärtskommen mit einem hohen Verbrauch. Den offiziellen Durchschnittsverbrauch von 11,7 Litern erreichte unser Testwagen auch nicht annähernd, mit Ach und Krach konnte man ihn auf 13,2 Liter bringen. Innerorts muss man mit 18 Litern und mehr rechnen. Verbrauchsbewussten Fahrern sei daher bei Volvos neuem SUV ein Dieselmotor ans Herz gelegt. Der sparsamste ist der 2.4 D DRIVe mit 175 PS, für den Volvo einen Durchschnittsverbrauch von 6 Litern verspricht.

Quelle: Autoplenum, 2009-06-24

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