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Testbericht

Stefan Grundhoff, 31. Mai 2008
Es regnet. Auf der bauchigen Motorhaube des BMW M3 kann man den Lauf der Tropfen verfolgen. Wenn sie den Powerdome erklimmen, scheinen sie vor Ehrfurcht kurz zu verharren, bevor sie der Wind zerstäubt.

Der BMW M3 ist kein Cabriolet wie jedes andere. Mehr als bei den meisten anderen offenen Lustobjekten stellt man sich bei ihm die Frage nach seinem Sinn. Dabei geht es gar nicht mal um das Verbrauch, der problemlos die 17-Liter-Marke knackt. Oder um den brachialen Schub von 400 Nm, der einen in die engen Sportsitze presst. Die Qualitäten eines BMW mit dem Zusatz "M3" sind seit seiner Markteinführung in den späten achtziger Jahren unbestritten. Doch offen und M3 - das ist immer nur die zweitbeste Lösung. Denn auch Cabriovarianten wie der 330i oder 335i sind exzellent motorisiert und stehen kaum schlechter da als ein offener BMW M3. Auch die neue Generation des sportlichsten Dreiers kommt also wieder im Dreierpack. Ähnlich wie beim alten E36 gibt es den M3 nicht nur als Coupé und Cabriolet, sondern auch als dezente Limousine mit den gleichen beeindruckenden Fahrleistungen. Bei Sportwagen dieser Klasse zählt jedes Kilo. Und während der Viertürer mit 1.625 kg gerade mal einen halben Zentner mehr auf die Waage bringt als das extrem sportliche Coupé, hat der offene und 4,62 Meter lange M3 ein bisschen zu viel Speck auf den Rippen: Die 1.810 Kilogramm Leergewicht sieht man ihm durch die ohnehin aufgeblasenen Backen der Kotflügelverbreiterungen zwar nicht an. Doch man spürt sie – besonders im forschen Landstraßengalopp. Nicht, dass der sportliche Sonnenanbeter eine lahme Kiste wäre - aber das Mehrgewicht der aufwendigen Klappdachkonstruktion und der Verstrebungen kann der Bayer nicht lange verheimlichen.

Daran ändert auch das neue Doppelkupplungsgetriebe nichts, dass dem M3 - offen wie geschlossen - prächtig steht. Im Gegensatz zum bisherigen sequentiellen Sportgetriebe SMG schaltet die neue Doppelkupplung schneller, effektiver - und vor allem deutlich komfortabler als bisher. Der Spaßfaktor ist auf Landstraße besonders groß, wenn man im M-Sportmodus selbst die Gangwechsel in der Hand hat und über die Schaltpaddel am Lenkrad die Gänge schnacken lässt. Kleine LED-Leuchten im Drehzahlmesser zeigen, wann dies spätestens sein sollte.

Das neue automatisierte Getriebe arbeitet in seinen sieben Fahrstufen manuell oder automatisch so im Hintergrund, dass es nur so eine Wonne ist. Die Gangwechsel geschehen stimmig und ohne spürbare Zugkraftunterbrechungen. Kein Wunder: Die doppelte Kupplung hat den jeweils nächsten Gang bereits eingelegt. Zahlreiche Einstellmöglichkeiten machen das Drivelogik-Getriebe bei Bedarf besonders sportlich. Die Elektronik mit elf elektronisch gesteuerten Fahrprogrammen in strammer M-Abstimmung ermöglicht unter anderem fünf Schaltprogramme im automatisierten Modus, sechs manuelle Schaltprogramme und eine "Launch Control" für maximale Beschleunigung beim Kavalierstart. Der vier Liter große V8-Motor leistet 309 kW/420 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Nm bei 3.900 Touren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei - abgeregelten - 250 km/h. Beim Spurt von 0 auf 100 km/h nimmt die Doppelkupplung selbst engagierten Handschaltern 0,2 Sekunden ab und benötigt nur 5,3 Sekunden.

"Beim alten Modell hatten wir 40 Prozent Handschaltung und 60 Prozent SMG", berichtet Carsten Pries von der sportiven M-GmbH. "Gerade in den USA verkaufen wir nach wie vor sehr viele Handschalter. Das ist ein klares Statement der jeweiligen Fahrer: Ich beherrsche es und bin Herr der Lage." Deutsche und Europäer zeigen sich technikverliebter. So ist zu erwarten, dass zu dem 3.900 Euro teuren Doppelkupplungsgetriebe viele Kunden "ja" sagen werden. Kaum ins Gewicht fallen dürfte dabei, dass sich der Durchschnittsverbrauch der M3-Familie leicht reduziert. Von den versprochenen 12,9 Litern SuperPlus auf 100 Kilometern ist in der Realität jedoch kaum etwas zu merken. 14 bis 17 Liter verbraucht der offene BMW M3 immer. Wenn es schnell gehen soll, kratzt man problemlos an der 20-Liter-Marke.

Der Hauptmarkt für den offenen BMW M3 dürfte trotz Tempolimit in den USA liegen. In Kalifornien oder Florida zeigt man eben besonders gerne auch offen, was man hat - und dass man könnte, wenn man nur wollen dürfte. Da kommt ein Supersportler wie der offene BMW M3 gerade recht, auch wenn das schwere Cabriodach und die geringere Verwindungssteifigkeit einen Teil der viel beschworenen Sportlichkeit kosten.

Ärgerlich, dass sich das BMW-Dach nach wie vor nur im Stand bedienen läßt. Aus diesem Cabrioalter ist man anderswo schon ein paar Jahre raus. Immerhin kann sich BMW damit rühmen, eines der sportlichsten Cabriolets zu produzieren. Der Basispreis für die Limousine des BMW M3 liegt trotz allenfalls mittelprächtiger Ausstattung bei 64.750 Euro, das Coupé beginnt bei 66.650 Euro. Frischluft ist 7.300 Euro teurer: Macht 73.950 Euro für das Cabrio.

Quelle: Autoplenum, 2008-05-31

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