Testbericht

automobil-magazin.de, 2. November 2014
Ein paar schnelle Nummern offenbaren, was in der Vergangenheit französisch war: 404, 504 und 505, drei Generationen von Peugeots Mittelklasse aus den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren, die harmonisch eine klassische Karosserie mit guten Platzverhältnissen und solider Verarbeitung verbanden. In diesem Sinne ist der 508 ein gutes Stück Frankreich, denn sein Stil ist klassisch. Der Gefallen an der still fließenden Karosserielinie stellt sich langsam und mit der Zeit ein. Dann aber bleibend. Dunkle Töne, hier "Guaranja Braun", stehen dem Kombi proper, denn die elegante Dachlinie kommt durch den kontrastierenden Schimmer der Aluleisten noch besser zur Geltung.
 
Französische Gefühle kommen auch im Interieur auf. Warum das so ist, sagt einem das erste Bauchgefühl. Und das lügt ja nicht. Schauen Sie auf Ihren Bauchansatz. Also befolgt man es und bleibt im Vagen und Subjektiven: Vielleicht liegt es am filigranen Lenkrad, vielleicht am Sitzen, vielleicht daran, dass elegante Schlichtheit vorherrscht und wenige Schalter für die Bedienung genug sind?

Setzen, starten – tun wir das, was jeder 508-Fahrer zuerst tut. Platz nehmen auf bequemen, lange nicht mehr so weich wie früher in französischen Autos gepolsterten Sitzen. Diese bieten überraschend viel Seitenhalt und zudem für Langbeiner die bequeme Option der Sitzflächenverlängerung. Die Tasten für die Schutzverriegelung der Tür und der Warnblinkanlage sitzen genau am richtigen Platz. Wie eigentlich das meiste. Der Tageskilometer-Reset direkt vor der Nase, die unterhalb des Navimonitors ausrückenden Becherhalter im bequemen Zugriff zwischen Fahrer- und Beifahrersitz und der Multicontroller – Peugeots „iDrive“ – zentral auf der Mittelkonsole. An das Bediensystem hat man sich schnell gewöhnt. Jedoch nicht an jedes von dessen Untermenüs, wie der viertelstündliche Versuch, die Kartendarstellung ohne Handbuch zu aktivieren, offenbart. Ungewöhnlich fällt auch die Tempomatbedienung aus, da die Tasten hierfür auf beiden Seiten des Lenkrads sitzen. Die an Audi erinnernden Rundinstrumente sind brillant abzulesen. Dass auch die Öltemperatur angezeigt wird, ist nur gut. Und all das schaut fein aus. Mit schwarzem Leder, Applikationen in Klavierlackoptik und dezenten Aluzierleisten – der gute Stil hat Frankreich wieder.

Und worum geht es im Kombi? Um Platz. Im Fond gibt es viel davon für die Beine. Der Ellbogen landet bequem auf der breiten und weich gepolsterten Mittelarmlehne. Wenn es heiß ist, erweisen sich die Klimaanlage mit ihrer die Erkältung vielleicht verhindernden „Soft“-Einstellung und die aus den Türverkleidungen ausrückenden seitlichen Sonnenschutzrollos als gute Sache. Nervig ist nur eines: das spacige Warngedudel. Das riesige Panoramaglasdach, dessen Sonnenschutz in vier Positionen positionierbar ist, ist wieder klasse. Allerdings nur – Los fast aller Glasdächer – aus der Fondperspektive. Der Fahrer sieht davon wenig. Aber im 508 SW gut, was dahinter passiert: Wenn ein Balg im Fond nicht angeschnallt ist, erblickt es Papa sofort auf der Warnanzeige oberhalb des Rückspiegels.

Und die Baggage? Unter der hoch öffnenden und leichten Heckklappe, die mit zwei innenliegenden Griffen links und rechts zugezogen wird, kommt ein 1,90 Meter-Mann vor einer der schönsten Kofferraumabschlussleisten der Fahrzeugklasse zum Stehen. Dinge über 2,10 Meter kommen unter, wenn die Rücksitzbank flach gelegt wird. Als beschränkendes Element erweist sich allerdings die nur etwa 77 Zentimeter hohe Ladeöffnung. Praktikabler geht es drum herum mit zwei gut zu nutzenden Seitenfächern, zwei ausklappbaren Hängehaken, einer Steckdose und vier Verzurrösen am Kofferraumboden zu, unter dem sich das Notrad befindet. Praktisch sind neben der Gepäckabdeckung, bei der ein einfacher Druck genügt, um den Sichtschutz zurückfahren zu lassen, die zwei Tasten auf der linken und rechten Kofferraumflanke, mit denen sich die Rückbanklehnen in die Ebene schicken lassen.

Vite vite, hopp hopp: Starten. Der Start-Stop-Knopf befindet sich nicht rechts, sondern links vom Volant. Wie im Porsche. Die Feststellbremse arbeitet elektrisch. Das Modus-Display der Sechsgang-Automatik ist mit seinen winzigen Ziffern deutlich zu klein ausgefallen. Dann rollt der 508 SW Blue HDi 180 an. Vorangetrieben vom „Blauen“ unter der Motorhaube.

"Blue HDi" heißt sparsam? Der Turbodiesel-Direkteinspritzer verteilt 400 Newtonmeter Drehmoment und 180 PS Leistung harmonisch auf dem Drehzahlband. Die maximale Kraft steht bei 2.000 Umdrehungen an, die maximale Leistung bei 3.750 U/min. In Kombination mit der Automatik, die sich auch mit den Schaltwippen dirigieren lässt, funktioniert Fortbewegung im frontgetriebenen Blue HDi 180 im entspannten und laufruhigen Workflow am überzeugendsten. Die Servolenkung arbeitet leichtgängig und nur ein Hauch artifiziell. Die Fahrwerksabstimmung ist bequem. Nur über schlechtem Belag offenbart sich eine leichte Stuckerneigung der Vorderachse. Geht es in Richtung Höchstgeschwindigkeit, 226 km/h, verläuft sich das Temperament. Die 9,1 Sekunden, die bis 100 km/h vergehen, sind für ein 180 PS-Motor kein Bestwert. Und der Verbrauch? 4,6 Liter Diesel/100 km sagt Peugeot. Das reicht in der Praxis ziemlich genau von Frankfurt am Main bis Rom, für 1.200 Kilometer mit einer einzigen 72 Liter-Befüllung, und macht den 508 SW Blue HDi 180 zum Langstreckentalent. (Lothar Erfert)

Testwertung
4.5 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2014-11-02

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