Testbericht

Wolfgang Gomoll, 18. Mai 2015
Der Nissan Pulsar setzt auf Nutzwert statt auf kompromisslose Fahrdynamik. Das soll jetzt ein 190-PS-Turbo ändern.

Wenn man nach automobilen Paradoxa sucht, kommt einen ein Porsche 911 in den Sinn, mit dem man große Möbel transportieren will. Oder ein Smart Fortwo als Mannschaftsbus für die Rasselbande zum Fußballspiel. Von dieser Widersprüchlichkeit ist der Nissan Pulsar ein ganzes Stück weit entfernt. Allerdings ist ein 190-PS-Turbo-Motor nicht unbedingt das, was man in dem japanischen Raumgleiter erwartet. Aber Nissan ist immer für Überraschung gut und wer mit einem Batmobil mit Vorderradantrieb gegen Toyota, Audi und Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans antritt, der implantiert auch ein 140kW / 190 PS Aggregat in einen Pulsar.

Der Motor verleiht schon dem Nissan Juke Nismo RS Verve, nur dass es im kleinen Crossover 28 PS mehr als im Pulsar sind. Eine gewisse Abgrenzung muss schon sein. Das gilt auch für den Pulsar im Vergleich zu seinen konventionellen Geschwistern. Der stärkste Pulsar ist nur in den beiden Ausstattungslinien Tekna und Accenta erhältlich und hat solche Extras, wie schwarz eingefasste Scheinwerfer, ein verchromtes Endrohr oder 18-Zoll-Räder auf Wunsch. Die Extravaganz zieht sich durch bis in den Innenraum, da spielt der Japaner die sportliche Carbon-Karte. Doch diese Aufhübschungen sind nur schön anzusehendes Beiwerk, wenn die Hauptsache nichts bringt. Der Motor enttäuscht nicht: In 7,7 Sekunden knackt der Top-Pulsar aus dem Stand die 100-km/h-Marke und erst bei 217 km/h ist Schluss. Das ist schnell genug, um manchen Golf-Turbodiesel-Fahrer den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Und mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,7 Liter reißt der Spaß auch kein zu tiefes Loch in die Haushaltskasse. Schließlich will Papi es ja auch mal krachen lassen.

Auf der Autobahn ist der Pulsar in seinem Element. Hat der Drehzahlmesser einmal die 2.500-U/min-Hürde übersprungen, schiebt das 1.6-Liter-Aggregat kräftig an und dreht freudig bis 6.500 Umdrehungen hoch, macht aber dabei aus seiner Präsenz akustisch keinen Hehl. Für Zwischenspurts sind die Gänge zwei bis fünf geeignet, im sechsten geht dem Pulsar dann Puste aus. Die höchste Fahrstufe ist eine Art Schongang, um die Geschwindigkeit zu halten. Die Freude am aktiven Fahren mit vielen Gangwechseln wird allerdings durch die unpräzise Schaltung mit zu langen Wegen etwas getrübt.

Auch auf Landstraßen wieselt sich der 1.370 Kilogramm schwere Kompakte ziemlich flink um die Kurven, solange man den Motor bei Laune sprich bei Drehzahlen hält. Damit das Leistungsplus auch in Fahrspaß mündet, haben die Nissan-Techniker das Fahrwerk angepasst: vorne sorgen straffere Stoßdämpfer und hinten neue Einrohr-Stoßdämpfer für Traktion. Die verwindungssteifere Karosserie wirkt sich bei Kurvenfahrten positiv aus. Die Lenkung ist zwar direkter als bei den anderen Modellen, gibt aber zu wenig Rückmeldung. Auch die Wankneigung ist nicht ganz verschwunden. Die hilft dem ambitionierten Familienvater aber, damit er es nicht übertreibt. Die Sitze bremsen die Wedel-Lust durch zu wenig Seitenhalt ein.

Für einen Grundpreis von 24.190 bekommt der eilige Familienvater einiges geboten: LED-Scheinwerfer (Abblendlicht), ein CD-Radio und eine Zwei-Zonen-Klimaanlage. Nützliche Helferlein, wie eine Rundumsicht-Kamera, Tote-Winkel-Assistent und einen Spurhalte-Assistenten gibt es im Paket für 1.600 Euro extra.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Getriebe:Manuelle Sechsgang-Schaltung
Motor Bauart:Vierzylinder
Hubraum:1.618
Leistung:190 kW (190 PS) bei UPM
Drehmoment:240 Nm bei 1600-5200 UPM
Preis
Neupreis: 24.190 € (Stand: 2015-05-19)
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: press-inform, 2015-05-18

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