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Testbericht

25. November 2005
Haar, 25. November 2005 – Meist sind es Abkürzungen, mit denen stärkere Modelle von ihren Serien-Brüdern abgehoben und somit geadelt werden. Ford verleiht den Titel ST und bei Volkswagen heißen die schnellen Dinger aus Gewohnheit GTI. Nun will auch Nissan in den munteren Buchstabenreigen einsteigen und bringt den Micra 160SR. Das Kürzel im Namen steht dabei für „Street-Racer“ und somit sind die Erwartungen an die kleine Rennsemmel hoch gesteckt. Acenta Sport oder 160SR Einher mit der neuen Spitzenmotorisierung geht beim Micra das aktuelle Facelift. Außen und innen hat sich eine Menge getan und auch die Ausstattungslinien haben neue Namen bekommen. Von Visia geht es über Acenta und Acenta Sport bis zu unserem Topmodell 160SR. Das hebt sich vom schwächeren Bruder Acenta Sport rein äußerlich lediglich durch eine verchromte Auspuffblende ab. Beide Modelle haben in Wagenfarbe lackierte Seitenschweller, einen Dachspoiler und Stoßfänger mit einer trapezförmigen Kühlöffnung. Diese Ähnlichkeit macht es auch dem versierten Betrachter schwer, die Potenz vom schönen Schein zu unterscheiden. Bei näherer Betrachtung Zumindest von den Ausstattungslinien Visia und Acenta hebt sich der dezent verspoilerte Micra deutlich ab. Die Seitenschweller ziehen den Schwerpunkt optisch nach unten und die matten 16-Zoll-Alus mit ihren elf Speichen machen echt was her. In Kombination mit dem Dachspoiler lassen die Anbauteile den kleinen Stadtfloh fast sportlich wirken, auch wenn die knuffig kugelige Grundform des Micra eine ganz andere Sprache spricht: Sie will süß sein, ein wenig verspielt und feminin. Der Versuch aus diesem Auto etwas Aggressives heraus zu kitzeln, steht also von vornherein unter einem schwierigen Stern.

Die Konkurrenten: Kantig und hart Was bei Nissan aufgrund der rundlichen Ausgangsform etwas problematisch ist, gestaltet sich bei der Konkurrenz umso leichter. Kontrahenten wie der Ford Fiesta oder der C2 von Citroën bestechen bereits ohne sportliche Modifikationen durch einen eher maskulinen Auftritt. Bestückt mit dynamischem Zierrat kommen sie denn auch entschieden aggressiver daher. Im Innenraum ein Hauch von Sportlichkeit Die Kombination aus einkaufstauglichem Stadtflitzer und dem Hang zur Sportlichkeit setzt sich auch im Innenraum fort. Zwar nehmen Pilot und Copilot auf dezent konturierten Sportsitzen Platz und schauen auf weiß hinterlegte Ziffernblätter, doch andererseits hängt die Tüte mit den Einkäufen am eigens dafür vorhandenen Haken. Und auch das große Staufach unter dem Beifahrersitz für allerlei Kleinkram oder Kinderspielzeug ist überaus praktisch, verhindert aber, dass im 160SR das wahre Rennfeeling aufkommt. Dazu trägt auch der recht lange Wahlhebel der Fünfgang-Schaltung bei. Er lässt sich zwar leicht durch die Gasse führen, seine Wege sind aber etwas weit. Platz ist in der kleinsten Hütte Der 160SR kann wie alle anderen Motorisierungs- und Ausstattungsvarianten des kleinen Japaners als Drei- und Fünftürer geordert werden. In beiden Versionen sind die Platzverhältnisse in der ersten Reihe vollkommen ausreichend. Im Fond hingegen müssen die Knie sehr angewinkelt werden. Die serienmäßigen Dreipunktgurte auf allen Sitzen sorgen aber dafür, dass die Gliedmaßen im Falle eines Unfalls an ihrem Platz bleiben. Der Kofferraum ist mit 251 Litern Fassungsvermögen zwar kein Raumwunder, doch dank der nach vorn verschiebbaren und geteilt umklappbaren Rückbank steht ein Maximalvolumen von 982 Litern zur Verfügung.

Sicher Reisen im SR Punkten kann der kleine Nissan mit dem Plus an Muskelschmalz in Sachen Sicherheit: Bestückt mit insgesamt sechs Airbags für Front- und Fontpassagiere, ausgerüstet mit ABS und ESP und aktiven Kopfstützen vorn gehört er mit Sicherheit zu den sicheren Vertretern seiner Klasse. Der obligatorische Blick unter die Haube Unter der kleinen Motorhaube des 160SR steckt ein neu entwickelter 1,6-Liter-Motor, der in seinem vorigen Leben als 1,5-Liter-Aggregat die japanischen Modelle Note und Tiida angetrieben hat. Auf 110 PS erstarkt und mit zwei oben liegenden Nockenwellen versehen, soll er jetzt im neuen Bonsai-Renner für angemessene Fahrleistungen sorgen. Das Drehmoment von 153 Newtonmetern spricht allein noch nicht für sich, trifft aber auf lediglich 1,1 Tonnen Lebendgewicht, was die ganze Sache schon wieder relativiert. Kurzer Blick zur Konkurrenz Nach dem Blick unter die Haube wollen wir erneut kurz zur Konkurrenz schauen: Da wäre zunächst Ford mit seinem Fiesta ST. Aus zwei Litern Hubraum schöpft der muntere Vierzylinder stolze 150 PS und stellt ein Drehmoment von immerhin 190 Newtonmetern bereit. Und auch Citroën offeriert mit dem 122 PS starken C2 1.6 16V VTS ein ähnlich interessantes Modell.

Jetzt geht’s auf die Piste Dem Studieren der kalten Zahlen folgt nun der harte Praxistest. Nach einer kurzen Aufwärmrunde auf umliegenden Landstraßen treten wir das gummigenoppte Alu-Gaspedal aufs Blech und sind gespannt: Willig dreht der kleine Motor hoch und so scheint uns der angegebene Beschleunigungswert von knapp unter zehn Sekunden bis Tempo 100 durchaus realistisch. Und auch die Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h erreichen wir auf Anhieb. Dabei bleibt das Aggregat trotz gelegentlicher Drehzahlen jenseits der 6.500 erstaunlich gelassen und dringt nur verhalten in den Innenraum. Wer dachte, der 160SR würde aber akustisch etwas sportlich kerniger als seine Kollegen daherkommen, der wird enttäuscht. Zur vollsten Zufriedenheit hingegen verläuft der Bremstest mit dem kleinen „Street-Racer“. Trotz mehrmaliger Vollbremsungen aus Tempo 100 vermittelt das Bremspedal eine gute Rückmeldung, der Wagen hält treu die Spur und nichts rubbelt oder schwimmt. Und das, obwohl der 160SR die gleichen Bremsen wie sein schwächerer Bruder in Gestalt des Acenta Sport hat. Munteres Kurven-Wedeln Nach Beschleunigungs- und Bremsorgie scheuchen wir den Bonsai-Renner mit Wonne ums Eck. Bestückt mit 185er-Reifen und vom serienmäßigen Schleuderschutz ESP behütet, kommen wir uns sogar in sehr zügig durchfahren Landstraßen-Kurven sicher und ein wenig sportlich vor. Auch wenn das Fahrwerk von dynamischer Härte weit entfernt ist. Die Stärken des SR sind eher in der Stadt zu suchen. Kurze Sprints und knackige Kurven liegen dem Stadtfloh. Und so manchem Großen kann man in diesem Revier auch mal das Fürchten lehren, denn der Spurt endet spätestens an der nächsten Ampel.

Die Konkurrenz weiter im Blick Bezüglich der Fahrleistungen legt die Konkurrenz die Messlatte recht hoch. Ford und Citroën geben die Höchstgeschwindigkeit ihrer Rennsemmeln Fiesta ST und C2 1.6 16V VTS mit 208 beziehungsweise 202 km/h an und auch die Beschleunigungswerte sprechen Bände: In lediglich 8,4 schiebt der ST auf Tempo 100. Der VTS lässt sich zwar mit 8,9 Sekunden etwas mehr Zeit, liegt jedoch noch immer eine gute Sekunde vor dem Micra 160SR. Heiße Zwerge im Preiskampf Nissan veranschlagt für sein heißes Micra-Eisen in der dreitürigen Variante konkurrenzfähige 16.590 Euro. Zwei zusätzliche Türen schlagen mit 600-Extra-Euro, also insgesamt 17.190 Euro zu Buche. Der deutlich stärker motorisierte Fiesta ST ist da mit 18.125 Euro erheblich teurer. Nicht so der Citroën 1.6 16V VTS: Mit einem Einstiegspreis von 16.290 Euro stellt er zumindest preislich eine echte Alternative bei. (jk)
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Technische Daten
Antrieb:Front
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Handschaltung
Motor Bauart:Benzin-Reihenmotor
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:81 kW (110 PS) bei UPM
Drehmoment:153 Nm bei 4.400 UPM
Preis
Neupreis: 10.990 € (Stand: November 2005)
Fazit
Wem der neue Micra gefällt, wen seine femininen Kurven anmachen und wer auf die knuffige Art des kleinen Japaners abfährt, der wird vom 160SR begeistert sein. Äußerlich durch sportlichere Anbauteile minimal von den schwächeren Brüdern distanziert, weist er dank des 1,6-Liter-Aggregats ganz ansehnliche Fahrleistungen auf. Auf den praktischen Nutzen eines kleinen Stadtflohs muss trotzdem nicht verzichtet werden. Ausgerüstet mit bequemen Sportsitzen und durch weiße Ziffernblätter weiter von der Serie distanziert, präsentiert sich der Innenraum. Auch wenn kein rechtes Renn-Feeling aufkommen will, so wirkt das Cockpit doch stimmig. Die Verarbeitung ist ordentlich und der Schaltknauf liegt gut in der Hand. Nur die Wege des Wahlhebels sind für sportliches Fahren etwas weit. Die Fahrleistungen der japanischen Rennsemmel sind zwar nicht von schlechten Eltern, die 9,8 Sekunden auf Tempo 100 und der Topspeed von 183 km/h halten dem Vergleich mit der Konkurrenz jedoch nicht Stand. Ähnlich teure Fahrzeuge aus dem In- und Ausland weisen mit Zeiten von unter neun Sekunden beziehungsweise Höchstgeschwindigkeiten von über 200 km/h klar bessere Werte aus.

Quelle: auto-news, 2005-11-25

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