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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 3. Juni 2016
Der Nissan GT-R hat sich den Ruf des Porsche-Turbo-Killers verdient. Die umfangreich verbesserte Version der Fast-Forward-Rennmaschine bleibt der kompromisslosen Agilität treu und wird gleichzeitig massentauglicher.

Die Japaner können einfach nicht aus ihrer Haut! Klar, das Leder im Innenraum ist schicker als beim Vorgänger GT-R, aber die Playstation-Anmutung des Info-Bildschirms bleibt erhalten. Klar sind die Dioden und Diagramme pixelig und die Anzeigen monochrom, aber ein Nissan GT-R will keinen Grafik-Schönheitspreis gewinnen, sondern die Konkurrenten von der Nordschleife blasen. Mit einer Knopf-Umdrehung kann sich der Pilot über den Gesundheitszustand seines Fahrzeugs informieren - bis hin zum Getriebeöldruck. Dieses Playstation-Ambiente gehört genauso zum GT-R, wie die brachiale Biertheke auf dem Heck, die dem Fahrer bei jedem Blick in den Rückspiegel daran erinnert, dass er in einem Auto sitzt, das nur einen Zweck erfüllen soll: Spaß zu bereiten und möglichst schnell, um die Ecken zu feuern.

Das tut auch der neue GT-R mit einer Perfektion, dass es einem Porsche Turbo S oder Mercedes AMG GT S Angst und Bange werden kann. Das Agilitätspotenzial des rollenden Samurais dürfte in Weissach und Affalterbach für Stirnrunzeln sorgen. Umso mehr, als dass der GT-R mehr als Gran Turismo positioniert ist und dennoch eine grandiose Linie in den Asphalt brennt. Stellt man die variablen Dämpfer auf "Komfort", lassen sich mit dem pfeilschnellen Sushi-Bomber auch längere Strecken relativ entspannt zurücklegen. Trotz der Essenz eines Zuckers, den die Abstimmungs-Köche der 419 kW / 570 PS starken Melange beigemischt haben, bleibt der Nissan GT-R auch in dieser Version eine Fahrmaschine erster Güte. Noch schärfer wird die Nismo-Variante gewürzt sein, die zum Jahreswechsel in die Phalanx der Teutonen-Renner einbrechen soll.

Zurück zu dem Normalo-GT-R. Egal ob schnelle Mutkurve oder enges Eck, der Nissan stürzt sich auf jeden Fahrbahnverlauf und löst jede noch so schwere Aufgabe, die die Asphaltbeschaffenheit und der Lenkradeinschlag bietet, mit Bravour. Liefert der Allradantrieb im Normalfall die ganze Kraft an die Hinterachse, kann sie bei Bedarf paritätisch aufgeteilt werden. Zusammen mit dem Torque-Vectoring durch Bremseingriffe und dem Sperrdifferenzial tänzelt der GT-R leichtfüßig um die Slalomstangen. Durch die Transaxle-Bauweise liegt der GT-R gut ausbalanciert in der Hand. Bei der Aerodynamik haben die Nissan-Windkanaltüftler um jedes Gramm Abtrieb gekämpft und deswegen dem Neuen auch die Heckform des aktuellen GT-R-Nismo verpasst.

Diese Kombination macht den Japaner schnell, pfeilschnell. Es ist beeindruckend, mit welcher unerbittlichen Konsequenz sich der Nippon-Bolide auf der Ideallinie durch jede Kurve förmlich am Asphalt festkrallt. Mit etwas Gefühl im Hintern schaffen es auch Amateur-Piloten die perfekte Tiefflugschneise durch den Fahrbahn-Dschungel. Die Lenkung ist direkt, präzise und gibt eine verlässliche Rückmeldung, allerdings hat es der japanische Koch bei der Straffheit mit dem Zucker-Einsatz etwas übertrieben.

Beim Sechszylinder-Bi-Turbo-Motor, der wie bei AMG von einem Spezialisten montiert wird, kann von nachlassendem Tatendrang keine Rede sein. Zwar legt der 3,8-Liter-Dampfhammer unterhalb von 2.500 Umdrehungen eine Spur zurückhaltender los, nur um dann ab 3.000 Touren die Maulsperre auszuspucken und mit einem Druck zuzubeißen, dass man unwillkürlich den Gurt etwas straffer zieht. Das rotzige tiefe Rühren wird untermalt vom Pfeifen des Turboladers und das maximale Drehmoment von 637 Newtonmetern (ab 3.300 U/min) hilft beim Vorwärtstrieb. Ab 5.000 Umdrehungen erreichen die Tage des Donners dank der neuen Titan-Auspuffanlage eine neue Intensitätsstufe, dann brüllt das Aggregat mit einer Inbrunst, dass man sich im Innenraum nur noch mit Handzeichen unterhalten sollte.

Das Messergebnis beim Sprint auf Landstraßen-Geschwindigkeit wollen die Japaner noch nicht preisgeben, aber es dürften weniger als die 2,7 Sekunden des Vorgängers sein, da der optimierte GT-R 20 PS mehr hat. Bis 315 km/h lässt sich der rollende Samurai nicht stoppen. So viel Kraft kommt natürlich nicht von ungefähr: Der Nissan GT-R genehmigt sich 11,8 Liter pro 100 Kilometer. Bei allem Lob haben die Ingenieure ihre Perfektion nicht konsequent durchgezogen die Sport-Sitzschalen sind etwas zu kurz geraten und die Sitzposition ist etwas zu hoch, um das Gefühl des echten Verschmelzens mit der Straße aufkommen zu lassen. Trotz der handgenähten Lederhäute wirkt das Interieur durch den verbliebenen Hartplastik-Anteil etwas lieblos.

Immerhin haben es die Japaner geschafft, die Anzahl der Bedien-Knöpfe von ehemals 27 auf elf zur reduzieren. Damit kommt man auch im Menü-Dschungel bestens klar. Wen stört es schon, dass es keinen Toten-Winkel-Assistenten gibt und, dass das Bild der Rückfahrkamera nicht ganz so gestochen scharf ist, wie bei manchen Konkurrenten? Beim Nissan GT-R gibt es ohnehin nur eine Blickrichtung und die geht nach vorne. Wer mindestens 99.900 Euro übrig hat, sollte sich beim Nissan-Händler umsehen. Bestellen kann man den Porsche-Jäger sofort, ausgeliefert wird er ab August.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Sechsgang-Doppelkupplungsgetri
Motor Bauart:Sechszylinder Bi-Turbo
Hubraum:3.799
Drehmoment:637 Nm bei 3.300 bis 5.800 UPM
Preis
Neupreis: 104.650 € (Stand: 2016-06-03)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2016-06-03

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