Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. Januar 2008
Die Spione auf der Nordschleife hatten es schon lange befürchtet: Aus Japan droht Unheil. Seit zwei Jahren ist der Sportwagen Nissan Skyline GT-R weltweit auf Entwicklungstour. Jetzt feierte er in Tokyo Premiere.

Nein, noch geht in Stuttgart und München nicht das Heulen und Zähneklappern um. Denn dass ein neuer Skyline kommen würde, war schon seit langen bekannt. Der Vorgänger, in Europa nur etwas für ausgesprochene Asienkenner, hatte sich in den 90er Jahren bei zahlreichen Rundstreckenrennen bereits einen Namen erarbeitet. Der asiatische Supersportler war auch in Europa nur als Rechtslenker zu bekommen. In England gehört er zu den Raritäten und auch in Deutschland gibt es kaum eine Handvoll – alles Eigenimporte.

Das dürfte beim neuen Nissan Skyline GT-R, der auf der 40. Tokio Motor Show seine Publikumspremiere feierte, anders werden. Zwar startet auch der Neuling am 6. Dezember erst in Japan, kommt dann aber über die USA auch in Europa auf den Markt. Das dürfte jedoch wohl erst Anfang 2009 sein, diesmal als Linkslenker und mit einem neu entwickelten und doppelt aufgeladenen V6-Triebwerk mit 480 PS. Der Nissan GT-R legte auf der Eifel-Achterbahn rund 5.000 Kilometer im Renntempo zurück. Dabei fuhren die Testpiloten konstant Rundenzeiten von knapp unter acht Minuten. 480 PS und Allradantrieb – das kennt man auch vom Porsche 911 Turbo. Ein weiterer Konkurrent, der neue BMW M3, der in Tokio erstmals als Limousine zu bewundern ist, kann gerade mal 420 PS aufbieten. Die Konkurrenz hat in Europa und den USA imposante Imagevorteile. Doch auf der Rennstrecke dürften sich an dem neuen Skyline GT-R viele die Zähne ausbeißen. Ebenso am Preis: Er kostet nicht mal 50.000 Euro.

Und er ist schnell. Sehr schnell. Und hoch technisiert. Der 3,8 Liter große Sechszylinder mit doppelter Turboaufladung leistet 353 kW/480 PS bei 6.400 U/min. Das maximale Drehmoment von 588 Nm liegt zwischen 3.200 und 5.200 Touren an. Die Schaltvorgänge geschehen Dank neuem Doppelkupplungsgetriebe in Millisekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei weit über 300 km/h - wobei der Durchschnittsverbrauch bei kaum mehr als acht Litern SuperPlus auf 100 Kilometern liegen soll. Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn war vor Monaten eigens zum den Nürburgring gekommen, um sich bei der letzten Abnahmefahrt ein eigenes Bild von dem ziemlich unspektakulär designten Kraftprotz zu machen. Vom Flughafen zur Rennstrecke chauffierte Ghosn den getarnten Prototypen eigenhängig in die Grüne Hölle - und wurde gleich mit einer Fabelzeit seiner Piloten belohnt: Die Nordschleife wurde in 7,38 Minuten durchflogen – der Nissan Skyline GT-R ist seitdem der schnellste Serienproduktionswagen auf dem Eifel-Geschlängel. "Der neue Nissan GT-R ist ein technisches Flaggschiff, das Nissans Begeisterung für das Auto ausdrückt", sagt Carlos Tavares, Executive Vice President für Unternehmens- und Produktplanung: "Er ist auf Höchstleistungen unter allen Bedingungen ausgelegt."

Selbstbewußte Worte, die man weder in München noch Stuttgart gerne hören wird. 7,38 Minuten - das heißt: Viel Arbeit für Porsche & Co.

Dabei ist es nicht allein der Motor, der die Rundenbestzeit des neuen Fabel-Nissans möglich machte. Vielmehr wurde bei der Entwicklung des Skyline GT-R besonders viel Wert auf Aerodynamik, Grip und Abtrieb gelegt. Dabei soll der GT-R nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im harten Alltagsgeschäft bei Sonne, Regen und Schnee bestehen können. Das Design ist zwar ohne besondere Highlights, aber alles andere als langweilig. Der Kunde soll nicht nur im Fahrbetrieb spüren, dass er einen echten Rennwagen bewegt. Nissan gibt nicht nur eine besondere Garantie mit Überprüfungen in den ersten drei Jahren, sondern auch regelmäßige Messungen von Motor, Fahrwerk, Getriebe und Elektronik – zum ersten Mal nach den ersten 1.000 gefahrenen Kilometern. Der Preis für den neuen Nissan Skyline GT-R beginnt bei 7.770.000 Yen, was weniger als 49.000 Euro entspricht. Spätestens jetzt sollten in München und Stuttgart doch einige Alarmsignale angehen.
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Quelle: press-inform, 2008-01-27

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