Testbericht

23. Januar 2009
Palma de Mallorca, 23. Januar 2009 - Windböen der Stärke sieben peitschen durch den knorrigen Olivenhain auf Mallorca, Wolken fegen im Tiefflug über unsere Köpfe hinweg und die vom Sturm aufgepeitschte See bricht sich an den Stränden der Baleareninsel. Wir sind bei der Vorab-Präsentation des neuen Mazda 3. Dieser wird, so die feste Überzeugung der Mazda-Verantwortlichen, die Herzen der Kunden mit derselben Intensität erobern, mit der sich das Sturmtief über des Deutschen liebste Urlaubsinsel her macht. Fernab von El Arenal und Ballermann 6 haben wir den Mazda 3 1.6 MZ-CD in der Schrägheckversion getestet.

Zeichen der Zeit erkannt Seit der Einführung der ersten Generation des Mazda 3 im Jahre 2003 hat sich in der Automobilwelt designtechnisch einiges getan. Die Zeichen der Zeit haben auch die Designer aus dem Land der aufgehenden Sonne erkannt und so wirkt der Nachfolger des bestverkauften Mazda-Modells nun deutlich erwachsener und gereifter. Während das aktuelle Modell zwei getrennte Lufteinlässe besitzt, springt beim neuen 3 der tief hinabgezogene und weit aufgerissene Kühlergrill ins Auge. Flankiert wird die Front von zwei weiteren Lufteinlässen, die die Nebelscheinwerfer beheimaten. Die Änderungen am Heck sind weniger augenfällig als am Vorderteil. Neuerdings laufen die Rücklichter etwas spitzer zu, in den höheren Ausstattungsstufen kommen LED-Leuchten zum Einsatz. Außerdem ist der Knopf zum Öffnen des Kofferraumdeckels in die Mitte gewandert.

Fahrerorientiertes Cockpit Der Innenraum wurde im kommenden 3 deutlich mehr auf den Fahrer ausgerichtet. So ist etwa der Schalthebel sechs Zentimeter höher und 2,8 Zentimeter näher am Fahrer als noch bei der ersten Generation. Das Armaturenbrett ist dem Fahrer zugewandt und wurde so gestaltet, dass eine Augenbewegung reicht, um die wichtigsten Elemente einsehen zu können. So müssen die Augen nicht länger als unbedingt notwendig vom Verkehr abgewendet werden. Tachoinstrumente und Infodisplays werden von einem bis zum Beifahrer laufenden Bogen überspannt. Auch das Lenkrad bekommt einen neuen Look mit mehr Knöpfen und Funktionen. Schick ist das jedoch nicht und die Kipphebel für Lautstärke und Auswahltasten wirken wenig wertig. Das Platzangebot auf der Rückbank und im Kofferraum ist in dieser Klasse konkurrenzfähig. Das Gepäckabteil fasst 340 Liter. Klappt man die zweite Sitzreihe um, passen 1.360 Liter hinein. VW packt in den Golf zwischen 350 und 1.305 Liter.

Agiles und sportliches Handling Häufiger Kritikpunkt beim aktuellen Modell ist die hölzerne und trockene Federung. Diesbezüglich haben die Ingenieure ihre Hausaufgaben erledigt. Beispielsweise wurden zugunsten einer geringeren Wankneigung die Abstände der Stabilisatoren-Befestigungen um 20 Millimeter vergrößert. So ist das Fahrwerk angenehm straff und dennoch nicht unkomfortabel. Durch die Verwendung neuer hochfester Stähle und die Reduzierung des Materials an den weniger beanspruchten Stellen erreicht Mazda eine Gewichtsersparnis von rund 15 Kilogramm. In Verbindung mit der leichtgängigen und direkten Elektrohydraulik-Servolenkung führt das zu einem agilen und spritzigen Fahrverhalten. Steuerbefehle werden ohne Umschweife an die Vorderräder weitergegeben, dennoch bleibt der Kompaktwagen nach Fahrfehlern lange neutral und bricht erst spät aus. Auch die knackige Fünfgang-Schaltung gibt sich äußerst sportlich und gefällt durch ihre kurzen Wege.

Sparsamer Verbrauch beim kleinen Diesel Der Einstiegsdiesel unter der Haube unseres Testwagens leistet mit seinen 1,6 Liter Hubraum 109 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 240 Newtonmeter. Die Beschleunigung von null auf 100 beträgt 11,0 Sekunden, das ist in dieser Klasse absolut vertretbar. Subjektiv wird aber das Gefühl vermittelt, flotter unterwegs zu sein. Der Klassenprimus VW Golf 2.0 TDI mit 110 PS erledigt dieselbe Aufgabe in 10,7 Sekunden. Das Geräuschniveau im Inneren unseres 185 km/h schnellen Mazda 3 liegt im Bereich des Wolfsburgers. Beim Hinaufbeschleunigen aus dem Stand wird es im Cockpit allerdings kurzzeitig etwas lauter, dabei kann das Aggregat seine Diesel-Gene nicht verbergen. Den kombinierten Verbrauch gibt Mazda mit 4,5 Liter an. Auch hier konkurrieren die Japaner mit dem Bestseller aus Niedersachsen, der genauso durstig ist.

Preise: Noch keine Angaben Zu den Preisen macht Mazda noch keine konkreten Angaben, es ist aber davon auszugehen, dass der Einstiegspreis auf Niveau des jetzigen Modells liegt. Der beträgt für die 1,4-Liter-Benziner-Version 15.800 Euro, mit 1,6-Liter-Selbstzünder zahlt man mindestens 19.800 Euro. Zum Vergleich: Der fünftürige VW Golf 2.0 TDI steht für 21.570 Euro bei den Händlern. Beim Marktstart im Frühsommer gibt es neben dem getesteten Triebwerk zwei weitere Diesel-Varianten mit 2,2 Liter Hubraum und 150 beziehungsweise 185 PS. Des Weiteren stehen ein 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS und eine 2,0-Liter-Version mit 187 PS zur Verfügung. Mitte des Jahres soll das Zweiliter-Aggregat durch eine Neuentwicklung mit Start-Stopp-Automatik ersetzt werden. Und für den Herbst 2009 künden die Japaner die 260 PS starke Sportvariante Mazda 3 MPS an. Die wird sich dann wohl eher wie Windstärke zwölf anfühlen.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihenmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung
Hubraum:1.560
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:80 kW (109 PS) bei UPM
Drehmoment:240 Nm bei 1.750 UPM
Fazit
Mazda bringt mit dem neuen 3 ein mehr als konkurrenzfähiges Fahrzeug zum VW Golf auf den Markt. Vor allem das Fahrwerk konnte im Vergleich zum Vorgänger aus dem eigenen Hause Boden gut machen. Es bietet eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit mit Tendenz zu Letzterem. Lenkung und Schaltung sind angenehm direkt und passen ausgezeichnet zum Feder-Setup. Der Einstiegsdiesel zieht bei Bedarf absolut ausreichend von dannen und entwickelt nur bei Vollgas ein etwas lauteres Geräuschniveau. Das Cockpit wurde fahrerorientiert designt und gleichzeitig aufgehübscht. Somit kann der Mazda 3 dem Klassenprimus aus Wolfsburg zumindest technisch und optisch das Wasser reichen. Ob der zu erwartende geringe preisliche Vorteil dem Japaner genügt, um die Kunden für sich zu begeistern, wird sich zeigen.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-01-23

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