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Testbericht

16. Dezember 2013
Rom, 16. Dezember 2013 - Die Familienplanung war abgeschlossen, mit nur einem Kind sollte die Sippe schon komplett sein: Als der aktuelle Civic Anfang 2012 auf den Markt kam, wollte Honda sich mit der fünftürigen Schrägheck-Limousine begnügen, eine Kombivariante war nie geplant. Doch in Deutschland und einigen anderen Märkten wie Österreich oder Skandinavien sind die Transportvarianten eben doch ein wichtiges Zubrot, wie man offenbar erst jetzt gemerkt hat. Am 1. Februar 2014 wird deshalb der Civic Tourer nachgeschoben. Wir haben den automobilen Lastesel bereits getestet. Eigenwilliges Design 2014 will Honda in Deutschland vom Fünftürer 5.000 Stück verkaufen. Dazu sollen 3.000 Exemplare vom Kombi kommen. Zusammen sind das 8.000 Autos, nicht viel in der beliebten Kompaktklasse. Das kommt wohl auch daher, dass der Civic recht eigenwillig gestaltet ist, und das gilt für Schrägheck- wie Kombiversion. Bis zur B-Säule sind die beiden Karosserievarianten identisch, und auch der Radstand ist derselbe. Hinten aber wurde ein größerer Rucksack aufgeschnallt. So kommt der Kombi auf eine Länge von 4,54 Meter. In den Kofferraum passen bei dem Neuling gleich 624 Liter. Damit hängt der Honda die gesamte kompakte Kombi-Konkurrenz ab: Der beste Wettbewerber, der Golf Variant, macht nach 605 Liter die Klappe zu. Auch beim Maximalvolumen schneidet unser Lastentier mit 1.668 Liter gut ab - der Golf Variant schafft nur 1.620 Liter. Praktischer Kofferraum Dass der Laderaumboden beim Umklappen der Sitze topfeben wird, ist bei einem Kombi selbstverständlich. Dazu kommt jedoch bei unserem Honda, dass der Laderaum überragend gut nutzbar ist. Die Ladekante liegt mit 57 Zentimeter tiefer als bei der Konkurrenz - beim VW Golf Variant liegt dieses Maß gleich bei 64 Zentimeter. Und in den Kofferraum passen nicht weniger als vier Koffer plus zwei Flugzeugtrolleys. Letztere werden in einem Zusatzabteil unter der normalen Ladefläche verstaut. Dabei kann man die Koffer entweder unter einem Einlegeboden verschwinden lassen, oder - wenn man befürchtet, sie zu vergessen - die Koffer auf den nach unten geklappten Boden legen. Die Laderaumabdeckung lässt sich mit einem Fingertipp öffnen, dann rollt sie sich ein. Wird das Rollo nicht benötigt, kann man die leichtgewichtige Strebe, an der es hängt, leicht ausbauen und in einem extra Fach im Ladeboden verstauen. Die bei vielen Kombis sehr schwere Strebe ist hier zudem erfreulich leicht.
Honda-Spezialität: Magic Seats Hinzu kommen noch die Magic Seats, eine Honda-Spezialität, die bisher noch kein Hersteller nachgeahmt hat, obwohl sie wirklich praktisch ist: Die Rücksitze kann man nicht nur umlegen, sondern die Sitzflächen lassen sich auch wie im Kino nach oben klappen. So passen besonders hohe Gegenstände wie Mountainbikes oder Topfpflanzen stehend hinter die Vordersitze. Wenn der Platz nicht gebraucht wird, sollte man die Sitzflächen aber wieder nach unten klappen, um die Sicht durch das Heckfenster nicht zu verbauen. Die ist ansonsten ganz ordentlich, da einem beim Kombi anders als beim normalen Fünftürer kein Spoiler die Sicht nimmt. Cockpit: Arg zerklüftet und teilweise unpraktisch Im Fond sitzt man sehr gut - sowohl vor den Knien wie über dem Kopf bleiben bei mittelgroßen Erwachsenen die entscheidenden Zentimeter frei. Vorne lässt der Seitenhalt in den Sitzen etwas zu wünschen übrig. Das Cockpit ist identisch mit dem des Civic. Es ist genauso verschroben gestaltet wie das Äußere. Praktisch ist allerdings der Digitaltacho weit oben, wo der Fahrer hingucken kann, ohne seinen Blick zu weit von der Straße abzuwenden. Weniger angenehm ist, dass der Schalthebel so weit vorn angebracht ist, dass sich der suchende Finger um ihn herummogeln muss, um eine der Tasten in der Mittelkonsole zu treffen. Auch sind die Schalter für die diversen Elektronik-Assistenten zu weit unten angebracht: dort, wo man nicht hinsehen kann, ohne sich den Hals zu verrenken. Neue Assistenten und adaptive Dämpfer Links unten gibt es eine Menge Schalter, denn Elektronik ist für den Civic Tourer in Massen erhältlich - eine Neuheit bei Honda. So gibt es nun die volle Palette an Assistenten, vom Totwinkel- und Spurverlassenswarner, über Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung und City-Notbremssystem bis hin zum Abstandstempomaten. Angeboten wird sogar ein radarbasiertes System, das beim rückwärtigen Herausstoßen aus Quer-Parklücken vor kreuzendem Verkehr warnt - allerdings nur, wenn Letzterer nicht schneller als etwa 40 km/h ist. Eine weitere Neuheit sind die adaptiven Dämpfer (ADS, Adaptive Damping System). Dabei verzichtet Honda als einziger Hersteller auf eine Regelung an der Vorderachse. Das spart Regelaufwand, Sensoren und Elektronik und damit Kosten. Und da sich das auf der Vorderachse lastende Gewicht kaum verändert, ist eine variable Dämpfung hier nach Ansicht der Honda-Ingenieure weniger wichtig. Anders ist das an der Hinterachse: Ein mit rund 500 Kilo maximal beladener Civic Tourer verhält sich anders als ein leerer. Die Elektronik des ADS stellt sich automatisch darauf ein, macht die Dämpfer bei starker Beladung härter und verhindert damit ein unangenehmes Nachschwingen. Außerdem kann der Fahrer die Dämpfer über eine Taste im Cockpit beeinflussen. Der Unterschied zwischen den Modi Dynamic, Normal und Comfort ist deutlich zu spüren. Wir bevorzugten auf unseren holprigen Teststrecken den Comfort-Modus, wechselten aber bei kurvigen Passagen bisweilen zu Dynamic.
Zwei Motoren Angetrieben wird der Civic Tourer entweder von einem 1,8-Liter-Saugbenziner mit 142 PS oder vom neuen 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS. Weitere Motoren sind nicht ausgeschlossen, und hinter vorgehaltener Hand verweisen die Ingenieure darauf, dass kürzlich diverse Turbobenziner vorgestellt wurden. Ab Marktstart im Februar 2014 bleibt es aber erstmal bei den zwei Motoren, wobei der Selbstzünder 1.300 Euro günstiger ist. Der Turbodiesel liefert mit 300 Newtonmeter standesgemäßes Drehmoment und bietet damit mehr als genug Schwung für den Stadtverkehr. Zum Sportgerät wird der Kombi mit dem Aggregat aber nicht, und an Steigungen kommt man sich damit gelegentlich auch untermotorisiert vor. Doch mit einer Standard-Sprintzeit von 10,1 Sekunden hält der Civic mit, und auch die Maximalgeschwindigkeit von 195 km/h ist urlaubstauglich. Akustisch ist dem 1,6-Liter-Aggregat jederzeit sein Verbrennungsprinzip anzumerken, er läuft rau und ist auch nicht gerade leise. Die serienmäßige Sechsgang-Schaltung arbeitet problemlos. Durch die standardmäßige Start-Stopp-Automatik liegt der Normverbrauch des Civic Tourer 1.6 i-DTEC bei nur 3,8 Liter je 100 Kilometer, ein guter Wert. Unser Bordcomputer zeigte nach den absolvierten Ausfahrten wie üblich mehr an, nämlich Werte um die fünf Liter. Ab 21.550 Euro - nackt Die Preise für den Civic Tourer beginnen bei 21.550 Euro. Die Basisausstattung S umfasst allerdings weder elektrisch einstellbare Außenspiegel noch Klima- oder Audioanlage, ja sogar der Scheibenwischer an der Heckscheibe fehlt - sorry, das geht gar nicht. Die Minimalempfehlung ist daher die Version Comfort. Dann werden 23.900 Euro für die Dieselversion fällig. Außer den erwähnten Grundelementen sind hier auch ein Tempomat und der verstellbare Ladeboden Serie, wichtige Extras wie Parkpiepser oder Laderaum-Trennnetz können einzeln dazugeordert werden. Wer auf die adaptiven Dämpfer Wert legt, muss mindestens die Version Sport für 25.550 Euro kaufen und die Dämpfer für 850 Euro Aufpreis dazuordern. Ab Sport können auch die wichtigsten Elektronik-Helfer im Paket für erschwingliche 950 Euro bestellt werden. Der VW Golf Variant mit 110-PS-Diesel liegt mit einem Basispreis von 23.400 Euro - allerdings noch ohne CD-Radio - etwa auf dem Niveau des Civic Tourer Comfort. Daran sieht man: Ein Schnäppchen ist der Honda nicht. Wer so etwas sucht, ist mit einem Renault Mégane Grandtour dCi 110 für 21.790 Euro besser bedient, zumal hier Klimaanlage, CD-Radio und elektrisch einstellbare Spiegel schon an Bord sind.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbodiesel
Hubraum:1.597
Anzahl Zylinder:4
Leistung:88 kW (120 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 2.000 UPM
Preis
Neupreis: 23.900 € (Stand: Dezember 2013)
Fazit
Der Hauptvorteil des Honda Civic Tourer ist das optimal nutzbare Gepäckabteil. Die Magic Seats sind ein bei der Konkurrenz nicht verfügbares Plus und der Sitzkomfort hinten ist ebenfalls gut. Gute Transporteigenschaften also - einem Kombi kann man wohl kein schöneres Kompliment machen. Der gefahrene 120-PS-Diesel ist ein akzeptables Aggregat mit geringem Verbrauch. Allenfalls auf Bergstrecken fühlt man sich damit manchmal untermotorisiert. Das Fahrwerk geht - zumindest mit der optionalen ADS-Technik - ebenfalls in Ordnung. Wer mit der eigenwilligen Optik innen und außen leben kann, darf zuschlagen. Ein Preishit ist der Honda allerdings nicht. + sehr gut nutzbarer Kofferraum, Magic Seats, sparsamer Diesel, viel Technik verfügbar - eigenwillige Optik innen und außen, fragwürdige Cockpit-Ergonomie, eher hoher Preis
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2013-12-16

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