Testbericht

29. September 2004
Haar, 28. September 2004 – Die Welt der Vans und Transporter von Mercedes ist eine Welt der V’s: Da gibt es den Vaneo, den Viano, den Vito, und bis vor kurzem auch noch die V-Klasse. Der Vaneo ist als Minivan der kleinste unter diesen Raumwundern. Am anderen Ende der Skala rangiert der Vito als waschechter Transporter. Der Viano ist mit stattlichen Längsmaßen zwischen 4,75 und 5,22 Meter die elegante Variante des Vito: Der Vito transportiert Güter, der Viano Personen. Wir haben den Viano in der mittellangen Bauform mit 4,99 Metern Länge und sechs Sitzen für Sie getestet. Laute, aber lebendige 150 PS Als Motorisierung wählten wir einen 2,2-Liter-Turbodiesel mit 150 PS. Er besitzt eine moderne Common-Rail-Einspritzung und sechzehn Ventile. Dennoch ist das Aggregat recht laut und klingt rau. Dafür hat der Motor mit 330 Newtonmetern Drehmoment viel Kraft und setzt den Viano schon bei niedriger Drehzahl flott in Gang. So hat man für den Stadtverkehr auch dann genug Kraft, wenn man verbrauchsschonend bereits bei 2.000 U/min hochschaltet. Bei unseren Testfahrten ermittelten wir jedoch einen Verbrauch von 10,6 Litern auf 100 Kilometern, deutlich mehr als die Herstellerangabe von 8,6 Litern. Angenehmes Dahingleiten Der Motor macht das Dahingleiten leicht: Man kann sogar bei 50 km/h in den sechsten Gang schalten, um im Verkehr mitzuschwimmen. Beschleunigen fällt dann allerdings flach. Der erwähnte sechste Gang ist Serie, denn der Vierzylinder wird mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert. Der Schalthebel ist praktisch als Joystick neben dem Lenkrad angeordnet, er hakelt aber mitunter eine Spur.

Lenkrad bewegt sich auf holpriger Fahrbahn Das Lenkrad gibt Einflüsse der Fahrbahnoberfläche ungefiltert an den Fahrer weiter. So bewegt sich auf holpriger Fahrbahn schon mal das Lenkrad ohne Zutun des Fahrers. Das Fahrwerk baut auf Einzelradaufhängung, und so poltert es weniger als die Starrachsen mancher Geländewagen und Nutzfahrzeuge. Doch wirkt es zuweilen schwammig, zum Beispiel bei ruckartigem Links-rechts-Lenken. Auch beim Um-die-Kurve-Fahren muss man sich etwas am Riemen reißen, wenn man Limousinen gewöhnt ist. Auf der Autobahn fühlt sich das Auto jedoch gut an – nicht viel anders als eine Limousine. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit, die unser Diesel bei 174 km/h erreicht, macht der große Mercedes keine Probleme. Angenehme Sitzposition Angenehm am Viano ist die hohe Sitzposition: Man sieht im Stadtverkehr weit voraus. Wie bei vielen Autos mit eingebautem Hochsitz trägt das dazu bei, dass man auch im dicksten Verkehrsgewühl ruhig Blut bewahrt – man hat einfach das Gefühl, hoch über allem zu thronen. Die Sicht nach hinten wird allerdings durch die zahlreichen Kopfstützen etwas eingeschränkt. Die Instrumente sind schlicht gestaltet. Die Vordersitze bieten recht wenig Seitenhalt. Dafür lassen sich die Kopfstützen weit herausziehen. Durchschlüpfen nach hinten Der Abstand zwischen den beiden Vordersitzen ist groß genug, dass man ohne Schwierigkeiten in den Fahrgastraum durchschlüpfen kann. Im Normalfall steigen die Passagiere aber über eine serienmäßige Schiebetür auf der rechten Fahrzeugseite zu. Eine zweite Schiebetür auf der anderen Seite kostet knapp 700 Euro Aufpreis.

Sechs Einzelsitze Der Viano ist serienmäßig mit sechs Einzelsitzen in drei Zweierreihen ausgestattet. Dreier-Sitzbänke für die zweite und dritte Reihe gibt es gegen Aufpreis – dadurch wird der Viano zum Achtsitzer. In der Serienbestuhlung sitzt man auch in der zweiten und dritten Reihe noch hervorragend. Alle sechs Sitze sind serienmäßig mit Dreipunktgurten und Kopfstützen ausgestattet. In die dritte Sitzreihe gelangt man, indem man einen Sitz der zweiten Reihe nach vorne schiebt. Das ist ein wenig umständlich – Klappen wäre einfacher. Die hinteren vier Sitze lassen sich mit ein paar Handgriffen ausbauen. Oder man legt nur die Lehne um und packt das Gepäck obendrauf. Auch so kann man in dem 1,88 Meter hohen Viano so einiges transportieren: Bei voller Bestuhlung beträgt das Kofferraumvolumen 730 Liter; einen Wert bei ausgebauten Sitzen hat Mercedes für die von uns getestete mittellange Viano-Variante nicht ermittelt. Unpraktischer Tankstutzen Etwas unpraktisch ist die Anbringung des Tankstutzens im Bereich der Fahrertür. Dadurch kann man nur bei geöffneter Tür tanken. An der Tanksäule muss man deswegen so weit vorbeifahren, dass man die Tür davor öffnen kann – kein Problem, wenn man es weiß. Ab 32.805 Euro Der Viano ist in der von uns getesteten mittellangen Bauform ab 32.805 Euro zu haben, der 2,2-Liter-Diesel ist nochmal rund 1.500 Euro teurer. Bei der Serienausstattung vermisst man nur Seitenairbags für die vorderen Sitze. (sl)
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Technische Daten
Antrieb:Hinterrad
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:2.148
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:110 kW (150 PS) bei UPM
Drehmoment:330 Nm bei 1.800-2.400 UPM
Preis
Neupreis: 32.805 € (Stand: September 2004)
Fazit
Das Kraftfahrtbundesamt bezeichnet den Viano als „Utility“ und stellt ihn damit in eine Reihe mit Fahrzeugen wie Ford Transit, Fiat Ducato oder Volkswagen T5. Mercedes bezeichnet das Auto lieber als Van – vor allem aufgrund der recht luxuriösen Ausstattungsmöglichkeiten. Vans wie Ford Galaxy, Peugeot 807 oder selbst Renault Grand Espace sind allerdings deutlich kleiner. Nur der größte Van, der Chrysler Grand Voyager, ist zehn Zentimeter länger, dafür aber acht Zentimeter niedriger. So gehört also schon der mittellange Viano zu den größten Vans. Auch bei der Sitzanzahl lässt sich der Riesen-Van nicht leicht schlagen: Den Grand Voyager gibt es mit maximal sieben Sitzen, den Viano mit bis zu acht. Der von uns getestete 2,2-Liter-Diesel ist etwas laut, dafür aber macht er den Viano recht flink. Die sechs Einzelsitze prädestinieren den Viano als Flughafenshuttle oder für Taxiunternehmen. Kinderreiche Familien, die besonders viel Platz brauchen, könnten sich aber ebenfalls für ein Fahrzeug wie den Viano entscheiden. (sl)

Quelle: auto-news, 2004-09-29

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