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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 3. Juni 2016
Mercedes gibt weiter Gas und vervollständigt seine Mittelklassen-Arsenal mit dem C-Klasse Cabrio. Obwohl die Oben-Ohne-Gleiter immer weniger gefragt sind, macht die Stoffmützentreue aus Sicht des schwäbischen Autobauers durchaus Sinn.

Zunächst mal eine gute Nachricht für alle Warmluft-Piloten: Auch in Zukunft werden die Mercedes Cabrios den Nacken-Föhn "Airscarf" haben. Nachdem der Bundesgerichtshof verfügt hatte, dass der schwäbische Autobauer die Auslieferung aller Fahrzeuge mit diesem Ausstattungsdetail zumindest in Deutschland stoppen muss, ist der Streitfall nun ad acta gelegt. "Wir haben uns mit der Gegenpartei geeinigt", sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Dr. Thomas Weber. Also können die Mercedes-Cabrio-Fans auch in Zukunft bei tiefen Temperaturen, sich den Hals mit warmer Luft umschmeicheln lassen.

Dass Mercedes so auf Cabrios setzt, ist zumindest interessant, da das Interesse an dieser Fahrzeuggattung schrumpft. Thomas Weber liefert den Grund für die Nibelungentreue der Sternen-Marke zu den Oben-Ohne-Modellen: "Ein Cabrio lädt eine Marke emotional auf." Emotionalität ist ein Begriff, den man mit einer C-Klasse bislang nicht zwingend in Verbindung gebracht hat. Genau diesen Malus soll das neue Modell jetzt beheben, ohne die Mercedes-Kernwerte zu verwässern. Dieser Lastenheft-Spagat will erst einmal gemeistert werden. Wir nähern uns dem Ansinnen von oben. Das Mercedes C400 4 Matic Cabrio ist mit seinen 245 kW / 333 PS das Top-Modell der Nicht-AMG-Varianten.

Schon beim Einsteigen wird schnell klar. Die C-Klasse ist und bleibt ein echter Mercedes. Der Gurt-Butler versieht freundlich surrend seinen Dienst und reicht den Insassen den Lebensretter, sobald man Platz genommen hat. Das Cockpit entspricht fast vollständig dem der geschlossenen Brüder und überzeugt mit seiner Verarbeitung sowie den feinen Materialien. Jeder Griff ist eine haptische Genugtuung, nur das Bedienkonzept des Comand-Systems ist immer noch nicht restlos intuitiv und der aus dem Armaturenbrett herausragende Pseudo-iPad-Info-Bildschirm, stören den guten Eindruck.

Das ist schnell vergessen. Bald gehört unsere Konzentration nur noch der Straße. Hier liefert das C-Klasse Cabrio eine souveräne Vorstellung ab. Der Dreiliter-Sechszylinder harmoniert mit seinem maximalen Drehmoment von 480 Newtonmetern prächtig mit der Neungang-Automatik: Die Fahrstufenwechsel sind flüssig, kaum spürbar und das Beschleunigen sämig. Leichtfüßig schnellt das 1.805 Kilogramm schwere Cabrio innerhalb von 5,2 Sekunden auf Landstraßen Tempo und stürmt weiter, bis die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht ist. Dann schiebt die Elektronik dem Längsdynamik-Spaß einen Riegel vor. Trotzdem merkt man: Da ginge noch mehr. Wer ein Verdeck mit einer Akustik dämmenden Schicht geordert hat, freut sich über die Stille im Fahrzeug, die beinahe an die einer Limousine heranreicht.

Doch Cabrio-Fahrer wollen, die Natur spüren. Also verschwindet die Stoffmütze innerhalb von 20 Sekunden bis zu einem Tempo von 50 km/h hinter der Rückbank. Aber selbst dann bleibt es im Innenraum wohlig warm, da die Klimaanlage den Oben-Ohne-Modus erkennt und die Temperatur entsprechend anpasst. Damit die Frisur der werten Beifahrerin auch bei strammen Fahrtwind noch sitzt, fährt auf Knopfdruck, wie bei der E-Klasse, ein Extra-Spoiler vor dem oberen Ende der Windschutzscheibe aus und minimiert die Verwirbelungen. Bei allem Nutzen ist dieses Element optisch wahrlich keine Bereicherung. Die Freude hinter dem Steuer bleibt davon unberührt, da man diesen Schutzstreifen von innen nicht sieht.

Die C-Klasse ist dank der verwindungssteifen Karosserie und der optionalen Luftfederung sehr kommod und bleibt auch in Kurven ziemlich lange gutmütig neutral, ehe ein feines Schieben über die Vorderräder das Erreichen des Grenzbereichs ankündigt. Für das Plus an Traktion und Beherrschbarkeit sorgt der Allradantrieb, der mit einer Kraftverteilung von 55 (hinten) zu 45 (vorne), schon per se das ausgewogene Fahrverhalten favorisiert. So lässt es sich mit dem 4,69 Meter langen Cabrio durchaus flotter über Landstraßen wieseln, wenngleich dem Mercedes die spitze Schärfe mit dem Extra-Schuss Sportlichkeit eines BMW 440i xDrive fehlt. Das zeigt sich auch an der Lenkung, die mehr Rückmeldung über die Asphaltbeschaffenheit geben und auch straffer sein könnte. Wer einen echten Gegner für den BMW 440i sucht, sollte zur C43-AMG-Version greifen. Mit einem Norm-Verbrauch von acht Litern pro 100 km (je nach Reifengröße) bleibt das C400 4Matic Cabrio auch an der Zapfsäule ein Gentleman.

Auch wenn Mercedes vom Cabrio für die ganze Familie schwärmt, sprechen doch die Tatsachen eine andere Sprache. Vorne kann man es sich richtig gemütlich machen. Der Fond ist für Erwachsene, was die Beinfreiheit angeht, ziemlich schmal geschnitten und eignet sich am besten für Kinder. Ist das Verdeck geschlossen, schluckt der Kofferraum ein Volumen von 360 Litern. Mit ausgefahrenem Verdeckkasten schrumpft die Ladekapazität auf 285 Liter. Wer mit dem C-Klasse-Cabrio den Sommer genießen will, wird enttäuscht. Erst am 17. September ist die Oben-Version zu haben. Beim Preis für das C400 4Matic Cabriolet haben sich die Mercedes-Verantwortlichen noch bedeckt gehalten, aber der dürfte sich am BMW 440i xDrive Cabrio orientieren, das mindestens 60.450 Euro kostet.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Neungang-Automatik
Motor Bauart:Sechszylinder-Benziner
Hubraum:2.996
Drehmoment:480 Nm bei 1600-4000 UPM
Preis
Neupreis: - € (Stand: 2016-06-03)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2016-06-03

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