Testbericht

8. Oktober 2007
Siena (Italien), 28. September 2007 – Über 30 verschiedene Kleinwagentypen verzeichnet die Liste des Kraftfahrtbundesamtes. Dieser Wust von Winzlingen ist jedoch nicht uniform, sondern es lassen sich durchaus unterschiedlich akzentuierte Autos finden. Da gibt es solche, wo der Akzent auf dem Design liegt oder auf dem sportlichen Fahrspaß, solche mit besonders großem Innenraum und solche, bei denen man die Rücksitze als Erwachsene von vornherein vergessen kann. Wir haben den neuen Mazda 2 getestet, um herauszufinden, in welche dieser Schubladen wir das Auto stecken können. Weg von der langweiligen Van-Optik Während der alte Mazda 2 baugleich mit dem Fusion von der Konzernmutter Ford war, basiert der neue auf der gleichen Plattform, auf der auch die kommende Fiesta-Generation beruhen wird. Während der alte 2 vanartig und auch ein wenig langweilig aussah, tut sich der Neuling durch ein frisches und unverwechselbares Design hervor. Besonders auffallend: ein Knick in der Seitenlinie auf Höhe der A-Säule. Dort setzt die Fensterlinie tief an, um sich dann deutlich nach oben fortzusetzen – ein dynamischer Zug. Auch die frischen Farben sprechen eine deutliche Sprache: weg von biederen Van-Optik, hin zu einem jüngeren Image. Vom Marktstart am 20. Oktober 2007 an verfügbar ist die fünftürige Variante; der Dreitürer kommt erst 2008 hinzu.

Kofferraum erst mit Einlegeboden nutzbar Im Inneren merkt man aber recht deutlich, dass diese Wende auch ihre Nachteile hat: Das Interieur glänzt nicht durch besonders großzügige Platzverhältnisse oder durch hohe Variabilität. Der Kofferraum fasst 250 bis 787 Liter. Während der niedrigere Wert für die fensterhohe Beladung in der fünfsitzigen Konfiguration in Ordnung geht, ist der Wert für die dachhohe Beladung bei umgeklappten Rücksitzen klein. Zum Vergleich: Der Klassenprimus Polo lädt 270 bis 1.030 Liter ein. Was noch mehr zählt: Der Kofferraum ist nicht besonders praktisch. Eine hohe Ladeschwelle erschwert das Ausladen von gewichtigem Transportgut. Und beim Umlegen der Fondsitze – nur die Lehnen lassen sich klappen – bleibt eine hohe, unpraktische Schwelle mitten im Laderaum. Dieses Manko ausgleichen kann der kleine Mazda 2 durch einen optional verfügbaren Einlegeboden, der beide Hindernisse egalisiert. Dieses praktische Utensil sollte man unbedingt bestellen. Zerklüftetes Armaturenbrett Im Fond finden drei erwachsene Passagiere Platz. Knie- und Kopffreiheit sind klassentypisch, aber nicht mehr. Außerdem fehlen Ablagen für die Fondpassagiere. Der Sitzkomfort auf den Vordersitzen ist akzeptabel. Der Seitenhalt ist am Rücken gut, an den Oberschenkeln aber zu gering. Außerdem sind – wie bei vielen asiatischen Kleinwagen – die Auflageflächen für die Oberschenkel zu kurz. Das Armaturenbrett macht mit seinen zahlreichen Ablagen, Vorsprüngen und Vertiefungen einen recht zerklüfteten Eindruck. Hierzu trägt auch das an sich recht praktische Handschuhfach bei: Es kombiniert ein geschlossenes Fach mit einer offenen Ablage, in der sich auch ein Straßenatlas wohl fühlt. Ebenfalls gut: die großen Außenspiegel, die variabel einstellbare Sitzposition und die ungestörte Rundumsicht für den Fahrer. Lobenswert ist auch der hoch und griffgünstig angebrachte Schalthebel des in allen Versionen serienmäßigen Fünfgang-Getriebes. Die Schaltung hakelt zuweilen etwas und erfordert etwas Nachdruck beim Gangwechsel.

Drei Benziner Unter der Haube steckt beim Mazda 2 einer von drei Benzinmotoren: zwei 1,3-Liter-Vierzylinder mit 75 oder 86 PS sowie ein 1,5-Liter mit 103 PS. Ein 68-PS-Diesel aus der Kooperation zwischen dem Ford-Konzern und PSA Peugeot Citroën soll noch hinzukommen. Während beim Vorgänger Benziner von Ford an Bord waren, handelt es sich bei den nun eingesetzten Ottomotoren um Mazda-Eigenentwicklungen, die in Japan schon längere Zeit im Einsatz sind. Der von uns gefahrene 86-PS-Motor macht keinen allzu spritzigen Eindruck. Dass das Beschleunigungsgefühl eher mau ist, liegt wohl am geringen Drehmoment. 122 Newtonmeter sind zwar okay für einen 1,3-Liter-Benziner dieser Leistungsklasse. Dennoch hatten wir mehr Dynamik erhofft – auch weil Mazda das niedrige Gewicht des Autos und die ausgefuchste Leichtbautechnik hervorhebt. Aber gehört der Mazda 2 wirklich ins Fliegengewicht? Nicht wirklich. Er wiegt 1.030 Kilo. Der 80-PS-Polo ist mit 1.013 Kilo sogar noch ein wenig leichter. Ordentliches Fahrwerk Das Gewicht lastet auf einem Fahrwerk, das sich keine gravierenden Blößen gibt. Bei Unebenheiten stuckert der Mazda 2 zwar deutlich, doch dafür ist die Seitenneigung in Kurven gering. In einer Klasse, wo aus Preisgründen nun mal Kompromisse auch bei der Radaufhängung nötig sind, ist daran nichts auszusetzen – die meisten Kleinwagen werden ohnehin vorwiegend in der Stadt bewegt.

Sehr gut in puncto Verbrauch Besonders praktisch, variabel oder leicht ist der Mazda 2 nicht. Doch tut er sich in einer anderen Disziplin hervor: dem Spritverbrauch. Die 86-PS-Version verbraucht nach EU-Norm nur 5,4 Liter auf 100 Kilometer. Das ist ein sehr respektabler Wert. Der Polo mit 80 PS braucht mit 6,3 Liter deutlich mehr. Die meisten Konkurrenten liegen um die sechs Liter. Sogar der Citroën C3 mit Start-Stopp-System und 88 PS braucht mit 5,7 Liter Sprit mehr als der Mazda 2. Noch ein klein wenig sparsamer ist in dieser Klasse eigentlich nur der Mini One, der mit 95 PS und ausgefeilter Spritspartechnik 5,3 Liter benötigt. Wie viel der Mazda 2 in der Praxis verbraucht, konnten wir auf unserer Testfahrt nicht ermitteln. Da das Drehmoment nicht allzu üppig ist, dürfte der Motor oft höher gedreht werden, als es dem Verbrauch zuträglich ist – dann wäre auch das große Plus des Mazda 2 dahin. Preis: Die Gretchenfrage Die Gretchenfrage bei Kleinwagen ist – wegen der in diesem Segment sehr preissensiblen Käufer – diejenige nach den Anschaffungskosten. Wie sieht es hier beim Mazda 2 aus? Die Einstiegsversion mit 75 PS in der Ausstattung Impuls ist für 11.950 Euro zu haben. Ein günstiger Preis, wenn man mit dem 70 PS starken, fünftürigen Polo vergleicht, der ab 13.380 Euro zu haben ist. Dabei ist der Mazda 2 durchaus nicht mager ausgestattet: ESP und sechs Airbags, elektrisch einstellbare Außenspiegel sowie eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung gehören zum Standard. Doch konkurrenzlos niedrig ist der Preis nicht: Ein Mitsubishi Colt mit der gleichen Leistung und Türenzahl ist schon für 10.990 Euro zu haben. Ähnliches gilt für das gefahrene 86-PS-Modell. Es ist in den Versionen Independence und Impression zu haben. Der Basispreis hier liegt bei 14.200 Euro. Damit ist das Auto fast so teuer wie die fünftürige Version des Polo mit 80 PS – der ist allerdings als Trendline-Variante deutlich spartanischer ausgestattet. Auch hier ist ein vergleichbar motorisierter Colt deutlich günstiger.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Otto-Reihenmotor, DOHC, variable Ventilsteuerung
Hubraum:1.349
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:63 kW (86 PS) bei UPM
Drehmoment:122 Nm bei 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 11.950 € (Stand: September 2007)
Fazit
Vom großen Feld der Kleinwagen kann sich der Mazda 2 durchaus abgrenzen. Er sticht vor allem in zwei Punkten positiv heraus: Design und Benzinverbrauch. Auch das Fahrwerk ist für einen Kleinwagen recht ordentlich. In anderen Disziplinen schneidet der Neue nicht ganz so gut ab. So wirkt der 86-PS-Benziner alles andere als spritzig. Deshalb ist zu vermuten, dass man damit in der Praxis doch deutlich mehr verbraucht als der Hersteller angibt, weil man den Motor höher ausdreht. Auch sonst gibt es ein paar Minuspunkte: Das zerklüftete Cockpit ist nicht besonders schön, das Innenraumangebot nur Durchschnitt und der Kofferraum nur mit dem Einlegeboden richtig nutzbar. Der Preis geht in Ordnung, und an der Ausstattung gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln – vor allem auch, weil ESP Serie ist.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2007-10-08

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