Testbericht

4. Februar 2016
Haar, 4. Februar 2016 - Fragt man in den weniger autoverrückten Teilen der Verwandschaft nach SsangYong, erntet man meist Kopfschütteln und völlig ahnungslose Blicke. Mit etwas Glück hat der nervige Cousin einen Nachbarn, dessen Kumpel Förster ist oder siebzehn Kinder hat und deswegen SsangYong fährt. Dann hat der nervige Cousin so ein Teil womöglich schon einmal gesehen und wird stolz fragen: "Sind das nicht diese Hässlichen?” Ich gebe zu, das ist gemein, aber der koreanische SUV-VAN-”Designikonen”-Hersteller hat sich in der Vergangenheit nicht ausschließlich mit Ruhm bekleckert. Anders ausgedrückt: SsangYongs Image hat Luft nach oben. Mit dem neuen Kompakt-SUV Tivoli könnten sich die Dinge nun allerdings zum Besseren wenden. Und das nicht nur optisch. Ganz schön viel Platz Na gut, auch der neueste Unternehmenssproß blickt dem Betrachter mit einer gewissen Portion SsangYong-Irrsinn (und etwas seltsamen LED-Theo-Waigel-Gedächtnis-Augenbrauen) entgegen. Aber die Proportionen mit den angeschwollenen Kotflügeln und den riesigen 18-Zöllern passen und besser sieht das Gros der Gegner im inflationär wachsenden Mini-SUV-Segment auch nicht aus. Noch besser wird es, sobald man sich in den Innenraum des Tivoli begibt. Von Sparzwang-Charme ist hier wirklich nichts zu sehen. Die Oberflächen wirken beinahe gediegen und beim Zusammenbau war man offenbar auch recht motiviert. Vorne sitzt man mit genügend Luft, um es auch mit weniger beliebten Beifahrern über längere Zeiträume auszuhalten. Doch spätestens wenn man sich auf die Rückbank begibt, beginnt man an der Außenlänge von 4,20 Meter zu zweifeln. Viel mehr Fond-Freiheit dürfte es in dieser Klasse nicht geben. Besonders gut: Der Kofferraum leidet mit sehr ordentlichen 423 Liter kaum darunter, auch wenn sein großzügiges Volumen eher durch Höhe als durch brauchbare Tiefe erreicht wird. Klappt man alles um, entsteht ein nicht sehr ebener Laderraum von 1.115 Liter. Zum Vergleich: Der Opel Mokka packt zwischen 356 und 1.372 Liter weg. Fahrverhalten? Völlig normal Das Fahren selbst gestaltet sich im SsangYong Tivoli so unauffällig und normal, wie es nur irgendwie geht. Lenkung, Schaltung und Pedale sind leichtgängig, gefühllos und unaufgeregt. So wie das bei kleinen Crossover-SUVs nun mal ist (zumindest solange Porsche nicht auf die Idee kommt, auch dieses Segment aufzumischen). Allerdings rumpelt die Federung etwas zu ungalant über kurze Stöße. Protektoren und Schaumstoffkissen können Sie noch zu Hause lassen, aber etwas mehr Geschmeidigkeit im Fahrwerk könnte dennoch nicht schaden. Den Allradantrieb würde man wohl nur vermissen, wenn man ihn nicht hätte und geradewegs in einen Schneesturm führe. Will sagen: Das variable System läuft ohnehin meist im Frontantriebsmodus, aber es ist schön, vier angetriebene Räder zu haben, weil der Tivoli im Alltag sehr neutral fährt, sehr vertrauenerweckend gript und Ihnen kein Diesel-Drehmomentschwall das Lenkrad aus den Händen reißt.
Traktor-Diesel Das bringt mich zum Motor, der das mit dem Antriebseinflüssen in der Lenkung wohl ohnehin nicht schaffen würde. Die 115 PS und 300 Newtonmeter des 1,6-Liter-Selbstzünders klingen nämlich aufregender als sie sind. Der Tivoli ist nicht langsam - in knapp zwölf Sekunden geht es von 0-100 km/h und wir erreichten laut Tacho immerhin 195 km/h Höchstgeschwindigkeit -, aber irgendwie zäh ist er schon. Außerdem lag er in unserem Test mit 7,1 Liter doch deutlich über dem Normverbrauch (4,7 Liter) und er rumpelt und nagelt und rattert durch die Gegend wie ein schlecht gelaunter Vorkriegs-Traktor. Ganz im Ernst, er ist wirklich laut. Wie eine große Limousine Fassen wir also nochmal zusammen: Wir wissen jetzt, dass der SsangYong Tivoli anstandslos und völlig zufriedenstellend fährt und dass der Diesel etwas laut und zäh, aber eigentlich ganz okay ist. Jetzt werden Sie sich womöglich denken: "Und warum genau soll ich ihn jetzt nochmal kaufen? In einem Segment mit 137 Alternativen?” Naja, wenn Sie nicht gerade ein Faible für Theo Waigels Brauen haben, dann schauen Sie mal auf den Preis. Der Tivoli e-XDi 160 4WD ist nämlich schon ab 19.990 Euro zu haben. Ein Diesel-SUV mit Allrad für unter 20.000 Euro - das schafft sonst nur der Dacia Duster. Der ist im Innenraum-Vergleich aber wie Aldi zu Edeka. Und wenn sie luxusmäßig so richtig einen drauf machen wollen, fällt er auch aus. Ganz im Gegensatz zum Tivoli: Das von uns getestete Topmodell "Sapphire” inklusive so gut wie allem, was die Liste hergibt, brachte es zwar auf 28.090 Euro. Es hatte aber auch eine Fülle an Ausstattungen an Bord, wie man sie sonst nur von sehr langen, sehr teuren Limousinen kennt: Sieben-Zoll-Navi-Infotainmentsystem, Rückfahrkamera, die schmucken 18-Zöller, elektrische Ledersitze mit Heizung und Belüftung, Lenkradheizung, Smartphone-Anbindung, diverse Ports für elektronische Dinge, die Ihre Kinder ruhigstellen und und und ... Keinen Deut schlechter Ganz nebenbei ist all der Schnickschnack auch noch wunderbar intuitiv und leicht zu bedienen, das Handy connected par Excellence und die ein- oder andere Ablage für all die Wichtigkeiten, die nicht mehr in den Mantel, die Handtasche oder das Wohnzimmerregal gepasst haben, gibt es auch. Zugegeben, wir waren etwas skeptisch, aber der Tivoli hat uns überrascht. Wir mochten ihn richtig. Wer mit einem sehr landwirtschaftlichen Dieselmotor leben kann, kriegt hier ein günstiges, ernstzunehmendes, qualitativ beachtliches und irre gut ausgestattetes Auto, das keinen Deut schlechter ist, als die allermeisten seiner kleinen Kompakt-SUV-Konkurrenten. Und die Verwandschaft? Die lernt das auch noch irgendwann ...
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Dieselmotor, Turbo
Hubraum:1.597
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:85 kW (115 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 1.500-2.500 UPM
Preis
Neupreis: 26.990 € (Stand: Januar 2016)
Fazit
Zugegeben, wir haben nicht zu viel erwartet, aber der SsangYong Tivoli hat im Test doch ganz schön überrascht. Der Motor ist ungehobelt und nicht der Spritzigste, außerdem federt das koreanische Mini-SUV hin und wieder recht gemein. Ansonsten fährt es allerdings absolut auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, ist innen schöner und geräumiger als diverse Gegner und trieft in der Sapphire-Ausstattung geradezu vor Luxus-Extras. Wen der laute Diesel nicht stört, der darf bedenkenlos zuschlagen + Schöner, geräumiger Innenraum; einfache Bedienung; niedriger Grundpreis; sehr gute Ausstattung - lauter, zäher Diesel; Holper-Fahrwerk
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2016-02-04

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