Testbericht

Sebastian Viehmann, 14. September 2009
Wer kann am schnellsten eine Fönfrisur durcheinander wirbeln? Der Reventón Roadster braucht 3,4 Sekunden. Weniger als 20 Vollgas-Freunde weltweit kommen in den Genuss des offenen Lamborghinis, der alles bietet – nur keine Kompromisse.

Der Reventón ist der brachiale Bruder des Murcielago LP640 - und die Sünde schlechthin, unglaubliche 1,2 Millionen Euro teuer und trotzdem längst ausverkauft. Denn es gibt nur 20 Exemplare. Und ähnlich werden es die Italiener auch bei der Roadster-Version halten, die man auf der IAA in Frankfurt bestaunen kann. "Weniger als 20 Stück" werde man bauen, heißt es bei Lamborghini.

Beim geschlossenen Reventón ließen sich die Lambo-Designer von Kampfjets inspirieren. Sie besuchten einen italienischen Luftwaffenstützpunkt und holten sich Ideen vom Tornado und der F 22 Raptor. Auch die offene Variante stiehlt jedem Kampfflieger die Schau, selbst wenn sie nicht ganz Überschallgeschwindigkeit erreicht: 3,4 Sekunden von 0 auf 100 und ein Spitzentempo von 330 Km/h sollten den Umstieg vom Himmel auf die Straße einigermaßen reibungslos gestalten. Scharfe Kanten, gewaltige Lufteinlässe, breite Schweller und gezackte Felgen – der neue Über-Lambo lässt seine Betrachter einen Mix aus Furcht und Respekt empfinden. "Der Reventón ist das extremste Auto in der Geschichte der Marke", sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Pilot und Copilot hocken in tiefen Schalensitzen nah am Asphalt und werden durch einen Mitteltunnel voneinander getrennt. Hinter den beiden Sitzen warten, in Schächte versenkt, zwei ausfahrbare Sicherheitsbügel. Sie schießen bei einem drohenden Überschlag innerhalb eines Wimpernschlags nach oben. Eine horizontale Strebe hinter den Sitzen trägt die dritte Bremsleuchte. Die Motorhaube liegt nahezu horizontal, insgesamt vier Fenster gewähren einen Blick auf den V12 im Maschinenraum.

Gleich hinter den Pilotensitzen des 4,7 Meter langen, mehr als zwei Meter breiten, aber nur 1,13 Meter hohen Flitzers macht sich der 6,5 Liter große Zwölfzylindermotor breit, der 670 Pferdestärken auf den Asphalt bringt. Das Gewicht des Supersportwagens liegt zu 58 Prozent auf der Hinterachse. Damit der Motor seine 660 Newtonmeter kontrolliert auf die Straße bringen kann, werden alle vier Räder angetrieben. Eine Trockensumpfschmierung versorgt das bullige Triebwerk auch bei extremer Querbeschleunigung mit der nötigen Ölmenge. Für die Kraftübertragung ist ein automatisiertes Sechsganggetriebe zuständig.

Schon das Reventón-Coupé ist so konstruiert, dass der Roadster nur wenige zusätzliche Versteifungen benötigt. Mit knapp 1,7 Tonnen ist er 25 Kilo schwerer als sein geschlossener Bruder. Die Karosserie besteht aus Kohlefaser-Elementen, in den Türen und in Teilen der Fahrgastzelle wurden Stahlbleche verarbeitet. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die mattgraue Lackierung des Roadsters kaum von der des Coupés, doch Lamborghini betont, man habe einen völlig neuen und exklusiven Farbton kreiert. Die Räder des Italo-Boliden haben fünf Y-förmige Speichen, die nicht nur messerscharf aussehen, sondern auch eine Funktion erfüllen – sie verbessern durch einen Turbineneffekt die Kühlung der Keramik-Bremsscheiben.

Das Kampfjet-Ambiente setzt sich im Innenraum des Roadsters fort. Statt herkömmlicher Instrumente ziehen große Bildschirme mit Flüssigkristallanzeigen den Blick des Fahrers auf sich. Außerdem gibt es ein "G-Force-Meter", das die fahrdynamischen Kräfte anzeigt, die beim Bremsen, Beschleunigen oder Kurvenfahren auf die Insassen einwirken. Im ganzen Interieur warten zahlreiche Kohlefaser-, Aluminium- und Leder-Applikationen.

Auch an das Posen auf den Boulevards dieser Welt haben die Italiener gedacht: Auf Knopfdruck lässt sich der Vorderwagen des Roadsters um 40 Millimeter anheben. Das verhindert peinliche Aufsetzer auf Holperschwellen oder in der heimischen Garageneinfahrt. Lamborghini macht allerdings klar, dass der offene Reventón kein Frauenauto ist: "Er will von starken Händen geführt werden, und er belohnt entschlossenes Zupacken durch präzise Reaktion und eine sensible, fein differenzierte Rückmeldung von der Straße", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die wenigen glücklichen Käufer können sich ab Oktober auf die Auslieferung ihres Roadsters freuen - freilich erst, nachdem sie 1,1 Millionen Euro (ohne Steuern) locker gemacht haben. Über den Spritverbrauch müssen sich die Kunden darum wohl keine Sorgen machen. Wenn einem die 21,3 Liter im Drittelmix (32,3 Liter innerorts) zu viel werden, kauft man sich halt eine eigene Tankstelle.

Das Reventón Coupé wurde 2007 auf der IAA in Frankfurt präsentiert und war sofort ausverkauft. In diesem Jahr dürfte sich das Spiel wiederholen.
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Quelle: press-inform, 2009-09-14

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