Testbericht

Stefan Grundhoff, 6. Dezember 2015
Lamborghini ist bekannt für polarisierendes Design, grandiose Fahrleistungen und seinen Allradantrieb. Dem neuen Huracán LP 580-2 haben die Norditaliener die Vorderläufe abgeklemmt. Auf der Rennstrecke begeistert der Querkopf nicht nur durch seine Driftkünste.

Ganz neu ist die Idee mit dem urwüchsigen Hinterradantrieb nicht. Bereits beim Vorgängermodell Gallardo gab es unter den zahllosen Sondermodellen eine Variante Valentino Balboni, benannt nach dem ehemaligen Chef-Testfahrer, der den Lamborghini-Modellen mehr als 40 Jahre seinen Stempel aufdrückte. Der Gallardo LP 550-2 übertrug seine leicht reduzierte Motorleistung von 550 PS ebenfalls nur auf die dünn ummantelten Hinterläufe und punktete so zumindest auf der Rennstrecke mit grandioser Fahrdynamik im Grenzbereich. Diese Karte spielt auch der Nachfolger Lamborghini Huracán LP 580-2 gekonnt aus. Nur über die Hinterachse angetrieben hat er mit 580 trampelnden Pferden hinter der Fahrgastzelle 30 PS weniger als die Huracan-Normalversion des LP 610-4, der sich im Grenzbereich durch seinen Allradantrieb lässiger bewegen lässt.

Den Begriff Einsteigermodell wollen die Lamborghini-Verantwortlichen beim Neuankömmling bewusst vermeiden. Doch wenn eine Basisvariante 426 kW / 580 PS und 540 Nm hinter der Fahrgastzelle brüllen lässt und lockere 320 km/h läuft, dann lässt man sich auch derartige Begrifflichkeiten gefallen. Der neue Lamborghini Huracán LP 580-2 ist dabei weit mehr als ein Einsteigermodell in die Marke mit dem Stier. Die gewohnt scharf geschnittene Flunder ist ein kompromissloser Spaßmacher reinsten Wassers. Was er seinem Piloten an Fahrspaß bietet, ist in den letzten Jahren zur Rarität verkommen. Ein hoch drehender Saugmotor mit zehn Zylindern, 5,2 Litern Hubraum und Heckantrieb ist bei den meisten Herstellern nicht mehr en Vogue. Selbst Drehzahlkathedralen wie Porsche und Ferrari mussten im vorauseilenden Gehorsam der internationalen Genehmigungsbehörden mittlerweile auf den allgegenwärtigen Turbozug aufspringen. Fehlte nur noch, dass Lamborghini sein ab März 2016 erhältliches Männerspielzeug mit einer urwüchsigen Handschaltung anbieten würde. Doch dafür sind die Stückzahlen dann ebenso zu klein, wie eine etwaige Antriebswahlmöglichkeit zwischen V10-Sauger und V8-Turbo innerhalb der Huracán-Familie.

Die 30 PS Minderleistung im Vergleich zum Topmodell Lamborghini Huracán LP 610-4 lassen sich selbst auf einer Rennstrecke wie dem kurvenreichen Losail Racetrack 30 Kilometer vor den Toren in Dohas nicht herausfahren und auch die 33 Kilogramm Mindergewicht fallen wohl nur bei der abendlichen Weight-Watchers-Messung auf. Optisch sind die Unterschiede mit marginal veränderten Schürzen vorne und hinten ebenfalls winzig, während sich die gewohnt eng geschnittenen Innenräume erwartungsgemäß im stilechten Lamborghini-Paarlauf üben. Was dem spektakulären Renner aus Santa Agata jedoch mit warmen Reifen bereits nach zwei Kurven anzumerken ist, bleiben die fehlenden Antriebswellen an der Vorderachse. Denn der LP 580-2 überträgt seine opulente Motorleistung gewohnt lautstark aus seinen vier Endtöpfen brüllend nur über die Hinterachse auf den Asphalt. Ein stärkerer Tritt aufs Gas und das Hinterteil taucht fluchs im Rückspiegel auf, um vom Piloten behände eingefangen zu werden. "Der Lamborghini LP 580-2 bietet ein spektakuläres Handling und ermöglicht kontrolliertes Übersteuern", erklärt Lamborghini-Chefentwickler Maurizio Reggiani, "seine Gewichtsverteilung liegt bei 40:60. Das ist Fahrspaß pur, weil der Wagen richtig driften kann."

Das kann er - und wie. Egal in welchem Fahrprogramm der Lamborghini Huracán LP 580-2 unterwegs ist, hat der Fahrer kein Problem, das Heck durch einen Lastwechsel am Kurvenscheitelpunkt gefühlvoll auskeilen zu lassen. Perfekter denn je: die präzise Lenkung, die ohne Allrad-Antriebskräfte noch etwas mehr als ohnehin überzeugen kann. Wechselt man über den Taster an der mittleren Speiche des Lenkrads vom Strada- auf die schärferen Fahrmodi, werden die Ausritte wilder, der Fahrspaß zumindest in geübter Fahrerhand nur noch größer. Im Hintergrund brüllt der Zehnzylinder - wilder und ungestümer denn je.

Die Fahrleistungen des knapp 1,5 Tonnen schweren Hecktrieblers sind dabei so spektakulär, wie man sie von einem Lamborghini mit stampfenden Hinterläufen erwarten darf. 0 auf Tempo 100 schafft der Norditaliener in 3,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 320 km/h ebenfalls knapp hinter der des Allradlers, der 325 km/h schafft. Noch wichtiger: die Bremse verzögert den Spaßmacher aus Tempo 100 in 31 Metern in den Stand. Beim Normverbrauch von 11,9 Litern Super auf 100 Kilometern macht sich das ebenso emotionale wie durstige Saugertriebwerk bemerkbar. Konkurrenten wie der Porsche 911 Turbo oder ein McLaren 570S verbrauchen nicht zuletzt Dank Turbopower zumindest auf dem Papier ein bis zwei Liter weniger. Ebenso wie die Konkurrenz setzt Lamborghini bei seinem LP 580-2 auf ein blitzschnell schaltendes Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Schaltstufen, das besonders unter Last und mit entsprechenden Drehzahlen überzeugen kann. Weniger gelungen: die statischen Schaltpedalen an der Lenksäule, die variabel drehend am Lenkrad besser aufgehoben wären.

Letztlich macht jedoch selbst in dieser Klasse nicht zuletzt der Preis die Musik. Der Hecktriebler startet bei 178.500 Euro (150.000 Euro zzgl. länderspezifischer Mehrwertsteuer). Das sind 23.000 Euro weniger als der Allradler Lamborghini Huracan LP 610-4, der seinen potenziellen Kunden mindestens 201.705 Euro kostet. "Der Großteil dieses Segments liegt bei einem Nettopreis zwischen 110.000 und 150.000 Euro und 60 Prozent ist allein mit Hinterradantrieb unterwegs", sagt Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann, "und hier haben wir mit dem Lamborghini Huracán LP 580-2 nun ein perfektes Angebot." Das werden gerade Sportwagenpuristen wohl zu schätzen wissen.
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Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplung
Motor Bauart:V10-Saugmotor
Hubraum:5200
Drehmoment:540 Nm bei 6.500 UPM
Preis
Neupreis: 178.500 € (Stand: 2015-12-07)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2015-12-06

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