Testbericht

14. Mai 2007
Augsburg, 11. Mai 2007 – Anfang März 2007 ersetzte Toyota das Kompaktmodell Corolla durch die neue Baureihe Auris. Damit auch wirklich jeder in Deutschland von diesem Modell- und Namenswechsel erfährt, hat Toyota zur Markteinführung nahezu die ganze Republik mit großwandigen Auris-Plakaten tapeziert. Dank dieser mutmaßlich größten Plakatkampagne in der Geschichte Deutschlands dürften wohl auch die letzten Hinterweltler nun wissen: Der Auris ist Toyotas neuer Kompakter.

Einer der stärksten Diesel in der Golf-Klasse Was hingegen weniger bekannt sein dürfte: Mit dem 177 PS starken Top-Modell Auris 2.2 D-CAT hat Toyota ganz nebenbei einen der stärksten Diesel in der Golf-Klasse überhaupt auf die Straße geschickt. Nur knapp verfehlt dieses Kraftpaket die oberste Stufe auf dem Siegertreppchen starker Selbstzünder in diesem Segment. Allein Volvos C30 D5 bietet mit 180 PS noch etwas mehr Leistung. Doch Toyotas starker Selbstzünder beeindruckt nicht nur mit enormer Kraft. Dank einer aufwendigeren Hinterachskonstruktion ist das Top-Modell der Baureihe zudem sportlicher ausgelegt als seine schwächeren Brüder. Und obwohl es sich damit um den vorläufig dynamischsten Auris handelt, beeindruckt er außerdem mit hoher Alltagstauglichkeit. Dazu verhilft ihm unter anderem seine besonders umfangreiche Ausstattung. Und trotz der vielen Extras und der üppigen Leistung ist sein Preis bemerkenswert niedrig.

Kein Zündschloss Zur sehr guten Ausstattung des 2.2 D-CAT gehört unter anderem ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem. Ein Zündschloss gibt es also nicht. Die Funktion des Schlüssels übernimmt ein Signalgeber, den man beim Einsteigen und Starten in der Hosentasche behalten kann. Rechts vom Lenkrad befindet sich ein Start-Stopp-Knopf. Mit einem kurzen Druck des rechten Zeigefingers erweckt man den Reihenvierzylinder zum Leben. Akustisch hält sich das Aggregat dezent zurück. Lediglich bei offenem Fenster dringen die klassischen Verbrennungsgeräusche eines Diesels unangenehm laut an die Insassenohren.

Trotz Turbodruck nicht ruppig Typisch für einen Selbstzünder mit Turbolader ist auch eine leichte Anfahrschwäche. Zwar ist der Vierzylinder ab etwa 1.000 Touren fahrbar, doch akzeptabler Durchzug ist erst ab 1.500 Umdrehungen geboten. Steigen die Motordrehzahlen über die 2.000er-Marke, sorgt die Kraft des Turbos für einen sehr druckvollen Vortrieb. Obwohl die Leistungsentfaltung des D-CAT-Aggregats ihn damit zu einem typischen Vertreter der Turbodiesel-Fraktion macht, wirkt der Antrieb doch nicht so ruppig wie beispielsweise bei den TDI-Motoren von VW. Statt dessen beschleunigt der Toyota relativ gleichmäßig. Selbst jenseits der 4.000 Umdrehungen dreht der Vierzylinder noch munter hoch und wirkt dabei kaum angestrengt. Spätestens knapp jenseits der 5.000 Touren muss die nächste Gangstufe eingelegt werden. Zwischen sechs Gängen kann man im vergleichsweise lang ausgelegten Getriebe wählen. Ungewöhnlich groß ist die Spreizung zwischen dem dritten und vierten Gang. Beim Hochschalten in die vierte Stufe gehen die Drehzahlen deutlich runter. Bei 140 km/h arbeitet der Motor im sechsten Gang mit nur 2.500 Umdrehungen.

Gute Fahrleistungen, geringer Verbrauch Trotz der Getriebeauslegung kann man aus dem Stand die 100-km/h-Grenze in 8,1 Sekunden knacken. Der zügige Vortrieb endet bei 210 km/h. Angesichts der guten Fahrleistungen ist der Verbrauch moderat. Den durchschnittlichen Spritkonsum gibt Toyota mit 6,2 Litern an. Nach einer schnell gefahrenen Autobahn-Etappe ermittelte der Bordcomputer einen Verbrauch von knapp über zehn Liter. Bei sehr sinniger Fahrweise auf der Landstraße sank dieser Wert auf etwa die Hälfte. Im Schnitt haben wir laut Bordcomputer auf unserer Testfahrt 8,4 Liter verbraucht. Hinsichtlich der Umwelt steht der Auris 2.2 D-CAT recht gut da: Immerhin reinigt ein Rußpartikelfilter serienmäßig die Abgase und mit 164 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer erreicht der Wagen ein für seine Leistungsklasse moderates Niveau.

Starke Rivalen In seinem Segment hat der Auris 2.2 D-CAT nur wenige ähnlich potente Gegner. So bietet BMW den 120d ebenfalls mit 177 PS an. Der bayerische Kompakte knackt die 100 km/h nach nur 7,5 Sekunden und fährt 228 km/h schnell. Trotz deutlich besserer Fahrleistungen gibt BMW den Verbrauch mit genügsamen 4,9 Litern an. Weniger beeindruckend sind die Fahrleistungen des derzeit stärksten Diesel-Kompakten: Der Volvo C30 D5 benötigt 8,4 Sekunden für den 100-km/h-Sprint und verbraucht mit 6,9 Litern deutlich mehr. Auf nahezu gleichem Niveau wie der Auris bewegt sich der VW Golf 2.0 TDI GT. Seine 170 PS machen ihn 220 km/h schnell. Den Sprint erledigt er in 8,2 Sekunden. Der Verbrauch soll bei 5,9 Litern liegen.

Agil und sicher Der 2.2 D-CAT ist die einzige Auris-Variante mit Einzelradaufhängung an der Hinterachse. Alle anderen Motorisierungen müssen mit einer einfacheren Verbundlenkerachse auskommen. Doch ist der Power-Auris damit nicht überragend sportlicher unterwegs als seine ohnehin schon agil ausgelegten Vettern. So geht es im 2.2 D-CAT zwar flotter um Ecken, doch dank seiner insgesamt noch recht komfortablen Fahrwerksauslegung wankt der Wagen dabei auch spürbar zur Seite. In besonders schnellen Kurven stört zudem der mäßige Seitenhalt der Sitze. Weniger auffällig sind hingegen die Eingriffe des Stabilitätsprogramms VSC. Die Regeleingriffe erfolgen spät. Den Wagen kann man also mit deutlich spürbarer Untersteuerungstendenz sicher durch Kurven zirkeln. Etwas mehr Biss und eine genauere Dosierbarkeit könnten die Bremsen vertragen. Dafür fallen trotz des hohen Drehmoments von 400 Newtonmeter die Antriebseinflüsse auf die Lenkung dezent aus. Beim Beschleunigen aus Kurven stört kein wildes Zerren nach links und rechts. Jedoch verhält sich die etwas leichtgängige und synthetisch wirkende Lenkung nicht so neutral wie bei einem Hecktriebler.

Viel für wenig Seine Nase ganz weit vorn hat der Auris 2.2 D-CAT beim Preis. Für den Dreitürer werden bescheidene 24.250 Euro fällig. Zu den Höhepunkten der Serienausstattung zählen die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, das bereits erwähnte schlüssellose Zugangs- und Startsystem, ein automatisch abblendender Innenspiegel sowie die Lederbezüge für Lenkrad und Schaltknauf. Darüber hinaus sind Annehmlichkeiten wie eine Licht-an-Automatik, ein Bordcomputer, eine Zweizonenklimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, ein Regensensor, ein MP3-fähiges CD-Radio, elektrische Fensterheber und ein Tempomat an Bord. Zusätzlich zur Komfort-Ausstattung ist mit sieben Airbags und der Stabilitätskontrolle VSC auch für die Sicherheit viel geboten. Apropos sicher: Beim EuroNCAP-Crashtest hat der Auris die Höchstnote von fünf Sternen eingefahren. Wer übrigens mehr Luxus wünscht, kann mit Ledersitzen, dem Super-Navi und einem Schiebedach den Wagen nahezu voll ausstatten. Der Preis bleibt weiterhin unter 30.000 Euro. Die bereits erwähnten Rivalen aus Wolfsburg, München und Schweden kosten deutlich mehr und bieten dabei weniger Ausstattung.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Turbodieselmotor
Hubraum:2.231
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:130 kW (177 PS) bei UPM
Drehmoment:400 Nm bei 2.000 - 2.600 UPM
Preis
Neupreis: 24.250 € (Stand: Mai 2007)
Fazit
Ein Kompakter mit 177-Diesel-PS – hier möchte man eigentlich eine betont harte Sportversion erwarten. Antrittsstark und agil ist der 2.2 D-CAT fraglos. Doch handelt es sich dabei nicht um eine kompromisslose Um-den-Baum-Wickel-Variante. Bereits äußerlich fehlt dem starken Auris eine martialische Muskel-Optik. Ebenso sucht man im Innenraum vergeblich nach den typischen Sportwagen-Devotionalien. Dafür verwöhnt das neue Toyota-Modell mit einer sehr umfangreichen Komfort- und Sicherheitsausstattung. Das gesamte Paket bekommt man zudem zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Auch beim Verbrauch langt das starke Kompaktmodell nicht übertrieben zu. So ist der neue Auris auch in der Top-Version vor allem ein Auto der Vernunft, ohne dass dabei die Fahrfreude zu kurz kommt.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2007-05-14

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