Testbericht

19. April 2012
München, 20. April 2012 - Eine Spezialversion folgt der anderen: Erst hat Audi den leicht offroad affinen A6 allroad quattro vorgestellt, jetzt folgt der sportliche S6 mit 420 PS. Im Gegensatz zum allroad-Modell gibt es den S6 auch als Limousine und die identische Motorisierung kommt auch im ebenfalls neuen S7 Sportback zum Einsatz - aber im Kombiland Deutschland muss bei uns der S6 Avant zum Test antreten. Optisch dezent versportlicht Von außen unterscheidet sich die Sportversion nur vorsichtig von seinen A6-Modellgeschwistern: Der silbergraue Grill ist mit Doppelstreben versehen, ganz unten gibt es einen breiten zusätzlichen Lufteinlass. Die Außenspiegelkappen ziehen in Alu-Optik durch den Wind und der breite Heckdiffusor bekommt die gleiche Farbe wie der Frontgrill. Die beiden Doppelendrohre rechts und links wurden ganz leicht in eine ovale Form gedrückt. Top Sitze, vier Mikrofone im DachBeim Innenraum bleibt sich Audi treu: Die Verarbeitung ist perfekt. Nur das 1.380 Euro teure Head-up-Display sitzt wie ein Nachrüstteil auf dem Armaturenbrett, weil sich Audi erst spät dazu entschlossen hat, überhaupt Head-up-Displays anzubieten. Trotzdem ist jeder Hersteller zu loben, der dieses extrem komfortable Ausstattungsmerkmal im Angebot hat. Die sportlichen Sitze sind schick, bieten guten Halt und machen auch auf langen Strecken Spaß. Im Dachhimmel sitzen serienmäßig vier kleine Mikrofone, die nichts mit einer Freisprecheinrichtung zu tun haben. Wozu die gut sind, werden Sie noch hören. Eine Ausstattungs-Neuheit führt Audi mit dem S6/S7 ein: eine Smartphone-App für ein Webradio. Wenn das Smartphone dann mit dem Fahrzeug verbunden wird, haben die Insassen Zugriff auf über 5.000 Internet-Radiosender. Der Kofferraum des S6 Avant fasst mit 565 bis 1.680 Liter jede Menge Gepäck - beim Mercedes E-Klasse T-Modell stehen aber 130 bis 270 Liter mehr zur Verfügung. Gut: Die Schienen für das Gepäck-Fixierset sind Serie. Schlecht: Das Fixierset selbst kostet 155 Euro Aufpreis.
Super Lenkung, verstellbares Fahrwerk Die elektromechanische Lenkung des S6 Avant arbeitet mit einer geschwindigkeitsabhängigen Servounterstützung. Aber auch bei niedrigen Geschwindigkeiten bietet die Lenkung immer einen brauchbaren Widerstand - unangenehme Parkplatz-Einkurbel-Laschheit gibt es hier nicht. Serienmäßig kümmert sich beim S6 Avant ein sportlich abgestimmtes Luftfahrwerk um den Untergrund. Dieses legt den Wagen grundsätzlich um zwei Zentimeter tiefer als die A6-Modelle. In der Fahrwerkseinstellung "auto" geht es ab 120 km/h dann noch einmal um zwei Zentimeter runter, bei "Comfort" bleibt das Ausgangsniveau erhalten. Die Einstellungen muss der Fahrer über ein Menü vornehmen oder er legt diese Funktion auf die frei belegbare Programmtaste am Lenkrad. Einen komfortablen Direktwahl-Schalter, wie ihn BMW beispielsweise mit dem so genannten Fahrerlebnisschalter bietet, suchen wir im S6 Avant vergebens. Knackig, stabil, immer Traktion Der S6 Avant wiegt 1.950 Kilogramm und ist damit fünf Kilogramm schwerer als der S7. Das Gewicht spürt der Fahrer nicht: Die Luftfederung sorgt für eine äußerst stabile Kurvenlage, Wanken findet nur in einem vernachlässigbaren Bereich statt. Unebenheiten werden knackig abgehakt, wobei der Komfort noch passt - der S7 ist jedoch etwas sanfter abgestimmt. Da der S6 Avant mit dem Allradantrieb quattro ausgeliefert wird, gibt es an der Traktion nichts zu tippen: Immer ist jedes Rad mit dem richtigen Grip unterwegs, zumal bei Bedarf über radselektive Bremseingriffe die Räder mit der besten Traktion auch die meisten Momente bekommen. Der variable Allradantrieb startet mit einer Kraftverteilung von 40 zu 60 Prozent zwischen vorne und hinten, vorne können maximal 70 und hinten höchstens 80 Prozent der Kraft anliegen. Achtzylinder-Akzeptanz Downsizing, also den Ersatz von Hubraum durch Aufladung, geht schon seit einer Weile in der Fahrzeugwelt um, und macht auch vor dem S6 Avant nicht Halt. Konnte sich der Vorgänger noch auf einen 5,2-Liter-V10-Saugmotor mit 435 PS verlassen, ist der neue S6 mit einem 4,0-Liter-V8-Doppelturbo-Motor mit 420 PS unterwegs. Und dank dynamischen Downsizings in Form einer Zylinderabschaltung macht der S6 zeitweise einen auf Vierzylinder-Wagen. Dies spart Kraftstoff, muss aber einer eher verbrauchsunsensiblen Kundschaft erstmal vermittelt werden. Und dafür hat sich Audi richtig gestreckt: Die Umschaltung vom Acht- in den Vierzylinder-Betrieb soll unmerklich ablaufen. Da ein Vierzylinder rauer und unrunder läuft als ein Motor mit acht Zylindern, greifen die Ingenieure an zwei Punkten an: Bekämpfung des Körperschalls und Bekämpfung des Luftschalls.
Schwingungen auslöschen Dem Körperschall wird im S6 Avant mit aktiven Motorlagern zu Leibe gerückt. Gegenschwingungen halten das Triebwerk ruhig - dafür gehen im Schnitt 0,02 Liter Sprit pro Kilometer drauf, was die zylinderabschaltungsbedingte Kraftstoffeinsparung von zehn Prozent kaum schmälert. Für den Luftschall sind die vier bereits erwähnten Dachhimmel-Mikrofone da: Sie nehmen den Schall auf, der dann analysiert wird. Ein Active Noise Control (ANC) genanntes System erzeugt dann über die Fahrzeuglautsprecher einen Gegenschall, der die Schwingungen auslöscht. Die ANC ist immer aktiv, auch wenn das Radio ausgeschaltet ist und verbraucht weniger Sprit als das Abspielen von Musik. Im Test knurrt der V8 bekömmlich und zudem recht leise. Der Umschaltvorgang in den Vierzylinder-Betrieb ist nicht zu spüren - die Ingenieure haben ihn perfekt in ein soziotechnisches System integriert, also an alle anderen Komponenten angepasst, wie beispielsweise die Schaltung. Per Multifunktionsanzeige zwischen den Rundinstrumenten wird die Umschaltung angezeigt - aber nicht auf allen Märkten. Die Amis werden nicht einmal optisch mit dem Vierzylinder-Betrieb behelligt, obwohl dort Vierzylindermotorisierungen inzwischen zu den Meistverkauften gehören. Fahrwerte verbessert Der neue S6 Avant hat 15 PS weniger als sein Vorgänger. Aber mit 550 Newtonmeter generiert er zehn Newtonmeter Drehmoment mehr als der alte S6-Kombi und ist zudem 95 Kilogramm leichter. Damit ist der S6 athletischer unterwegs als je zuvor: In 4,7 Sekunden geht es von null auf 100 km/h - der Vorgänger ließ in dieser Disziplin noch 5,3 Sekunden verstreichen. Bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Spontan hängt der V8 am Gas und bei 200 km/h haben die Insassen das Gefühl, der Wagen wäre wesentlich langsamer. Da Audi die Downsizing-Maßnahmen auch noch mit einem Start-Stopp-System gekoppelt hat, geht der Normverbrauch im Vergleich zum Vorgänger enorm runter: von 12,6 auf 9,7 Liter pro 100 Kilometer. Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe Das Start-Stopp-fähige Doppelkupplungsgetriebe des S6 Avant hat sieben Gänge. Die Stufen der S tronic genannten Schaltung fließen seidenweich und ohne Zugkraftunterbrechung dahin. Über die serienmäßigen Schaltpaddles sind manuelle Eingriffe drin. Die Umschaltung in den Vierzylinder-Betrieb ist ab dem dritten Gang bei einem Drehmoment zwischen 160 bis 250 Newtonmeter und Drehzahlen zwischen 960 und 3.500 U/min möglich - und der Vierzylinderbetrieb scheint für das Getriebe keinen Unterschied zu machen. Die Schaltung passt perfekt zur kontrolliert kräftigen Natur des neuen S6 Avant.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb (permanent)
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Otto-V-Motor mit Turboaufladung
Hubraum:3.993
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:309 kW (420 PS) bei UPM
Drehmoment:550 Nm bei 1.500 - 5.200 UPM
Preis
Neupreis: 75.250 € (Stand: April 2012)
Fazit
Der neue S6 Avant ist ein kräftig komfortabler Sportler - er ist ganz bestimmt nicht brachial. Diese Option behält sich Audi anscheinend für die noch athletischeren RS6-Modelle vor.Das im Vergleich zum Vorgänger durch intensives Downsizing zur Sparsamkeit gezwungene Aggregat sorgt für dynamischen Fahrspaß, vom Umschaltvorgang in den energieeffizienten Vierzylinder-Modus bekommen die Insassen nichts mit.Und noch eine gute Nachricht: Während der Vorgänger noch für zirka 88.000 Euro unter die Leute gebracht wurde, geht der neue S6 Avant mit guter Grundausstattung bei 75.250 Euro los.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-news, 2012-04-19

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