Testbericht

4. September 2009
Timmendorfer Strand, 4. September 2009 - Die deutsche Ostseeküste ist ein beliebtes Ferienziel - und das aufgrund der landschaftlichen Schönheit völlig zurecht. Allerdings geht es dort insgesamt eher gediegen und gemütlich zu: Die Urlauber-Orte bestehen mehrheitlich aus Tempo-30-Zonen, auf den kurvigen Landstraßen ist häufig nur 70 erlaubt und viele Autobahn-Abschnitte sind auf 120 km/h beschränkt. Was für Feriengäste mit Zeit und Muße sehr erholsam ist, lässt den Motorjournalisten etwas ungeduldig werden: Denn wir haben 260 PS unter der Haube und wollen die endlich einmal ausreizen - im neuen Mazda 3 MPS. Kein Hau-Drauf-Auto für Halbstarke Bis es soweit ist, müssen wir uns noch etwas gedulden. Dabei zeigt sich, dass der Kompakt-Sportler aus Japan kein aufdringlicher Gefährte ist. Er lässt sich entlang der Küstenstraße sehr behutsam, gesittet und ruhig bewegen. Damit zeigt sich schon, dass der neue MPS (Mazda Performance Series) kein Hau-Drauf-Auto für Halbstarke sein will. Josef A. Schmid, der neue Geschäftsführer von Mazda Deutschland, berichtet uns folglich, das neue Topmodell soll ein "Gleichgewicht aus Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit" bieten. Hält, was er verspricht Endlich ist die Straße frei - wir können richtig Gas geben. Und wir werden nicht enttäuscht: Das Triebwerk hält, was die Leistungsdaten versprechen. Der bereits aus dem Vorgänger bekannte Benzindirekteinspritzer mit 2,3 Liter Hubraum und Turboaufladung bringt es auf 260 PS und 380 Newtonmeter. Im Vergleich zur Ende 2006 an den Start gegangenen ersten Generation des MPS bringt der Nachfolger die Leistung deutlich kontrollierter über die Vorderräder auf den Asphalt. Eine Drehmomentkontrolle verhindert jetzt ein allzu schnelles Durchdrehen der Antriebsräder - in den niedrigen Gängen wird dazu das Drehmoment elektronisch begrenzt. Ab 3.000 Umdrehungen steht dann das volle Drehmoment zur Verfügung. Darunter könnte der MPS vielleicht noch einen Tick kraftvoller zu Werke gehen. Nichtsdestotrotz geht's in 6,1 Sekunden von null auf Tempo 100. Und wie der MPS beweist, muss mittlerweile sogar schon ein Kompaktwagen bei 250 km/h elektronisch abgeregelt werden.

Hakelige Schaltung Das serienmäßige sechsstufige Handschaltgetriebe arbeitet nicht ganz rund. Es ist etwas hakelig, was unter anderem dazu führt, dass wir zweimal in den vierten statt in den sechsten Gang schalten. Der Mazda 3 MPS verzichtet auch bei hohem Tempo auf allzu martialischen Sound - wobei ein etwas grimmigerer Klang aus den beiden Endrohren dem Japaner durchaus gut zu Gesichte stünde. 9,6 Liter Super Plus gibt der Hersteller als Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer an. Doch bei realistischer Sicht der Dinge dürften wohl zwischen zehn und elf Liter benötigt werden. Sportlich und komfortabel Das serienmäßige Sportfahrwerk des MPS legt die Karosserie um zehn Millimeter tiefer und ist noch etwas straffer ausgelegt als die Fahrzeug-Abstimmung im herkömmlichen 3. So bleibt ein angenehmer Restkomfort erhalten. Die engen Kurven Ostholsteins lassen sich zügig nehmen. Die direktere Lenkung passt zum Gesamt-Setup des Autos, das auch bei Höchstgeschwindigkeit solide auf der Straße liegt. Großer Heckflügel Rein äußerlich setzt der zusammen mit dem CX-7 momentan stärkste Mazda auf noch etwas mehr Dynamik als der schon sportlich designte Serien-3er. Auffällige Merkmale des MPS sind ein Lufteinlass in der Motorhaube und ein großer Heckflügel an der Dachkante. Der aerodynamisch optimierte Frontstoßfänger, ausgestellte vordere Kotflügel sowie Seitenschweller ergänzen den Auftritt. Die 18-Zoll-Leichtmetallräder orientieren sich an den Felgen des Wankel-Sportwagens RX-8 und sind mit speziell von Dunlop entwickelten 225er-Reifen bezogen. Im Innenraum sorgen Sportsitze mit lederbezogenen Seitenwangen, Alupedale und rote Ziernähte für ein sportliches Ambiente. Hier hätten wir uns jedoch noch ein wenig mehr Exklusivität gewünscht - beispielsweise Zierleisten aus Aluminium statt aus Kunststoff oder ein individuell gestaltetes Sportlenkrad.

Für 27.400 Euro fast alles dabei Wenn wir einen Blick in die Aufpreisliste werfen, fällt vor allem eines auf: deren Kürze. So gibt es als Extras lediglich ein Navigationssystem für 720 Euro und ein 2.400 Euro teures "Plus-Paket", das unter anderem ein Bose-Soundsystem, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Xenon-Scheinwerfer beinhaltet. Alles andere gehört beim Mazda 3 MPS für 27.400 Euro bereits zur Serienausstattung. Damit unterbietet der MPS preislich seine Konkurrenten: Der fünftürige VW Golf GTI ist ab 27.595 Euro zu haben, bietet mit 210 PS aber ebenso weniger Leistung als der 240 PS starke Seat León Cupra für 27.990 Euro. Für den Focus RS mit 305 PS verlangt Ford ab 34.900 Euro. In Kürze erhält der Mazda 3 MPS noch zwei neue, nahezu gleichstarke Mitbewerber: Der VW Golf R und der Seat León Cupra R feiern auf der IAA 2009 ihre Weltremiere - unter ihrer Haube arbeiten jeweils Benzindirekteinspritzer mit 265 PS.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Ottomotor mit Direkteinspritzung und Turbolader
Hubraum:2.261
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:191 kW (260 PS) bei UPM
Drehmoment:380 Nm bei 3.000 UPM
Preis
Neupreis: 27.400 € (Stand: September 2009)
Fazit
Wie schon der herkömmliche Mazda 3 weiß auch die MPS-Variante zu überzeugen. Der kompakte Fünftürer ist kein reiner Sportler, sondern bewahrt sich noch eine ausreichende Spur Alltagstauglichkeit. Nichtsdestotrotz erlaubt der 260-PS-Turbomotor dynamische Fahrleistungen. Abzüge gibt es für die etwas hakelige Schaltung und das Interieur, dem eine Brise mehr Exklusivität gut getan hätte. Größter Pluspunkt für den Mazda 3 MPS dürfte jedoch sein Preis sein: Mehr Leistung bei niedrigeren Anschaffungskosten gegenüber Golf GTI und Seat León Cupra sollte in der heutigen Zeit ein besonders schlagkräftiges Kaufargument liefern.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-09-04

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