Testbericht

21. Januar 2009
Hamburg, 21. Januar 2009 - Das Thema Erdgas ist momentan in aller Munde: Politiker sorgen sich über die Zuverlässigkeit russischer Gaslieferungen, Autofahrer hingegen eher um die Zahlen auf der Zapfsäule. In Zeiten steigender Benzinpreise rücken alternative Antriebe in den Blickpunkt. Fiat ergänzt nun seine bestehende Palette von Gas-Fahrzeugen um den Grande Punto Natural Power. Doppelt gemoppelt Die Bezeichnung "Natural Power" verweist auf den zusätzlich möglichen Betrieb durch Erdgas, auf englisch "Compressed Natural Gas" (CNG). In der Mitte und im Heck des Grande Punto sind die Gastanks untergebracht. Beim Fiat handelt es sich um ein bivalentes Fahrzeug. Das bedeutet, dass die Größe des Benzintanks unverändert bleibt, ganz im Gegensatz zu monovalenten Fahrzeugen, bei denen das Benzinreservoir knapp ausfällt und nur als Reserve dient. In den Natural-Power-Punto passen 45 Liter Superkraftstoff und 21 Kubikmeter Erdgas. Allerdings verringert sich das Kofferraumvolumen von 275 auf 200 Liter, da der Ladeboden höher liegt, zudem ist die Rücksitzbank nur komplett umklappbar. Dennoch lässt das Platzangebot für die Insassen keine Wünsche offen. Verschwundene Pferdestärken Unter der Haube des kleinen Italieners arbeitet ein Ottomotor mit 1,4 Liter Hubraum. Im herkömmlichen Modus steht eine Leistung von 77 PS bereit, das maximale Drehmoment liegt bei 115 Newtonmeter. Im Erdgasbetrieb sinkt die Leistung auf 70 PS und 104 Newtonmeter. Hintergrund für den Kraftverlust ist die Tatsache, dass der Motor ursprünglich nicht für Erdgasbetrieb konzipiert wurde, zudem kosten die Modifikationen an der Einspritzung etwas an Leistung. Am Gewicht liegt es nicht, denn der Grande Punto Natural Power ist nur 70 Kilo schwerer als die "normale" Version.

Gas geben in der Praxis Auf einer Fahrt durch Hamburg konnten wir uns einen ersten Eindruck vom Grande Punto Natural Power verschaffen. Bereits beim ersten Ampelstart fällt eine ausgeprägte Antrittsschwäche des Fahrzeugs auf, die sich in beiden Betriebsarten zeigt. Obwohl wir nicht sportlich fuhren, ist es dennoch nötig, den ersten Gang weit auszudrehen, um halbwegs anständig vom Fleck zu kommen. Hat man Tempo 50 erreicht, kann man angenehm im vierten Gang dahingleiten. Diese Tatsache ist umso erfreulicher, denn die Schaltung ist ziemlich unpräzise. Überhaupt vermisst man auch bei Dingen wie der Kupplung oder Lenkung etwas mehr Verbindlichkeit. Hinzu kommt der brummige Tonfall des Motors. Negativ für die Sicherheit: Ein ESP ist nur gegen 500 Euro Aufpreis erhältlich. Kaum Unterschied zwischen den Modi Während das Aggregat seine maximal 77 PS geschickt verheimlicht, fällt der gefühlte Unterschied zwischen Benzin- und Gasmodus sehr gering aus. Im Normalbetrieb bewegt sich der Fiat mit Erdgas, durch eine Taste auf der Mittelkonsole kann umgestellt werden. Dieser Vorgang findet praktisch nicht wahrnehmbar statt, einzig eine Lampe in der Taste informiert den Fahrer. Wünschenswert wäre eine gut sichtbare Anzeige in den Instrumenten, mit welchem Kraftstoff gerade gefahren wird. Auf dem Papier ist der Grande Punto Natural Power im Gasmodus zwei Sekunden langsamer im Sprint auf Tempo 100, was bei reiner Stadtfahrt allerdings nicht auffällt. Indes kann sich das Bild auf der von uns nicht befahrenen Autobahn wandeln. Die Spitze liegt übrigens bei 162 respektive 156 km/h, der Tacho reicht sogar bis zu optimistischen 230.

Was bringt Erdgas? Die zentrale Frage bei Erdgasfahrzeugen ist natürlich, welche Vorteile der alternative Kraftstoff bringt. Fiat stellt heraus, dass die CO2-Emissionen von 149 auf 115 Gramm pro Kilometer sinken. Die Feinstaubemissionen reduzieren sich sogar auf null, da die im Erdgas vorhandenen Stickoxide sauberer verbrennen. Den Gasverbrauch beziffern die Italiener auf durchschnittlich 4,2 Kilogramm, ausgehend von H-Gas, welches eine höhere Energiedichte aufweist. Umgerechnet auf Liter liegt der Wert bei 6,3 und damit auf dem gleichen Niveau, das Fiat für den Benziner angibt. Entscheidungsfaktor werden somit die Kraftstoffkosten. Erdgas ist hier im Vorteil, weil es bis Ende 2018 noch steuerlich begünstigt ist. Lohnt sich der Gas-Punto? Nun ist es an der Zeit zu schauen, ab wann der Grande Punto Natural Power wirklich spart. In der Anschaffung liegt er 1.950 Euro über dem konventionellen Modell mit 77-PS-Benziner. Vergleichsgrundlage ist der aktuelle CNG-Preis von einem Euro pro Kilogramm mit dem momentanen Preis von einem Liter Super in Höhe von 1,17 Euro. Gemessen am Werksverbrauch und der Tatsache, dass ein Kilogramm CNG in der H-Gas-Variante etwa 1,5 Liter Ottokraftstoff entspricht, ergibt sich ein Vorteil für die Gas-Version. Die Befüllung mit Gas für 100 Kilometer schlägt mit 6,30 Euro zu Buche, während für Super 11,09 Euro fällig werden. Wegen des recht hohen Fahrzeugaufpreises würde sich der Natural-Power-Punto aber erst nach 40.700 Kilometer lohnen. Etwas besser wird die Bilanz, wenn die CNG-Kosten gleich bleiben, der Liter Super aber 1,40 Euro kosten würde. In diesem Fall hätte sich der Öko-Fiat bereits nach 28.100 Kilometern den Aufpreis wieder hineingefahren.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Ottomotor, bivalent
Hubraum:1.368
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:57 kW kW (77 PS PS) bei UPM
Drehmoment:115 Nm bei 3.000 UPM
Preis
Neupreis: 16.000 € (Stand: Januar 2009)
Fazit
Ist der Fiat Grande Punto Natural Power eine Alternative zum herkömmlichen Benziner? Die Antwort lautet: Jein. Auch wenn man sich mit der müden Leistungscharakteristik des Motors anfreunden kann, steht das Kostenkapitel an erster Stelle. Der Vorteil ist stets abhängig von der Preisdifferenz zwischen Erdgas und Benzin. Als sauberer Stadtflitzer ist der Grande Punto Natural Power überlegenswert, doch für kostenbewusste Vielfahrer empfiehlt sich auch der 75-PS-Diesel, der mitsamt Partikelfilter zum gleichen Aufpreis erhältlich ist.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-01-21

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