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Testbericht

30. März 2005
München, 30. März 2005 – Das Wort Picanto lässt eigentlich eher an herzhaften Knabberspaß oder ein Fertiggericht italienischer Art mit delikatem Geschmack denken. Vielleicht wollte Kia mit dem gleichnamigen Modell der Kleinstwagensuppe mehr Würze geben? Rein äußerlich könnte das klappen, und auch die ersten Verkaufszahlen legen nahe, dass den Käufern mundet, was die koreanische Marke da angerichtet hat. Wir haben den Kia Picanto für Sie getestet. Fünftüriger Viersitzer Der erste äußerliche Eindruck von dem knapp 3,50 Meter langen Wagen ist positiv: Das Design wirkt eher europäisch als asiatisch. Stets fünftürig, ist der Kleinstwagen ein Viersitzer. Es gibt zwei Ausstattungen: LX und EX. Einzige angebotene Motorisierung ist ein 1,1-Liter-Benziner mit 65 PS. In der Praxis macht der Picanto damit keinen übermäßig flotten Eindruck. Um Kraft zu haben, muss man recht weit hochdrehen. Auch die Daten sprechen nicht für übermäßig zügiges Beschleunigen: Der Kleine erreicht die 100-km/h-Marke erst nach 15,1 Sekunden. Danach beschleunigt er weiter bis maximal 154 km/h. Den Kraftstoffverbrauch gibt Kia mit 4,9 Litern Normalbenzin auf 100 Kilometer an – wir verbrauchten mit 7,7 Litern deutlich mehr. Positiv fällt auf, wie leise das Aggregat im Leerlauf ist.

Recht weiches Fahrwerk Das Fahrwerk ist in Kurven recht weich. Auch beim Schalten wippt das Auto durch die Zugkraftunterbrechung leicht vor und zurück. Stöße wie etwa von Kanaldeckeln oder Ähnlichem werden nicht ganz geräuschlos weggesteckt. Die Lenkung erfreut jedoch durch ihre Direktheit.

Schöne Mittelkonsole Im Innenraum wiederholt sich der positive äußere Eindruck. Das Armaturenbrett ist schön gestaltet; in der von uns gefahrenen EX-Ausstattung ist es oben schwarz, unten hellgrau. Gut gefällt auch die Mittelkonsole mit ihrem Metallic-Effekt. Ungewöhnlich für einen Kleinstwagen: Schon bei der Basisversion LX sind ein Lederlenkrad und ein Lederschaltknauf Serie. Die blauen Stoffbezüge in unserem Testwagen wirken frisch, die Sitze bieten jedoch nur sehr wenig Seitenhalt. Ablagen in Griffweite des Fahrers gibt es genug und auch die Rundumsicht ist hervorragend. Klassentypischer Sitzkomfort hinten Der Sitzkomfort auf den billigen Plätzen ist klassentypisch: Erwachsene haben im Fond für kurze Strecken genug Platz vor den Knien. Knapp ist dagegen der Kopfraum: Wenn man als 1,75 Meter großer Insasse den Kopf an die Kopfstütze anlehnt, stößt man ans Dach. Da der Picanto ein Viersitzer ist, finden sich im Fond nur zwei Kopfstützen und zwei Dreipunktgurte. Hinten gibt es zu wenig Ablagen – Fächer in den Türen fehlen vollkommen. Eine Besonderheit ist, dass sich die Rückenlehne ein wenig in der Neigung verstellen lässt. 107 bis 868 Liter Kofferraum Die Heckklappe des Picanto öffnet sich nicht weit genug nach oben: Größere Erwachsene können sich leicht den Kopf stoßen. Im Kofferraum finden 107 bis 868 Liter Gepäck Platz. Das sind normale Werte für Autos dieser Größe. Beim Umklappen der Fondbank fällt positiv auf, dass die Kopfstützen nur eingeschoben, aber nicht entnommen werden müssen. Wenn die Vordersitze für mittelgroße Erwachsene eingestellt sind, braucht man sie vor dem Umlegen der Rücksitzlehnen auch nicht nach vorne zu rücken – das ist durchaus nicht immer so bei Kleinstwagen.

Ab 8.700 Euro Der Kia Picanto ist ab 8.700 Euro zu haben. Dabei ist die Ausstattung allerdings noch lückenhaft. Auf der Positivseite stehen vier Airbags und ABS, doch ESP ist nicht einmal gegen Aufpreis zu haben. Komfortelemente wie Servolenkung und Fensterheber vorne kann man als Paket für 270 Euro ordern. Wer mehr Ausstattung haben möchte, greift auf die EX-Version zurück, die 10.560 Euro kostet. Zu den Konkurrenten wird in Zukunft der VW Fox sowie das Dreigestirn Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 107 gehören. Schon heute kaufen kann man den Fiat Panda und den Daihatsu Cuore, die wie der Picanto allesamt Viersitzer sind. Deutlich günstiger als der Picanto ist der dreitürige Cuore: Er kostet in der Einstiegsversion 1.0 Plus mit 58 PS 7.995 Euro – für den Fünftürer sind 8.325 Euro zu zahlen. Für den günstigsten Panda, den fünftürigen 1.1 8V mit 55 PS, wechseln 8.590 Euro den Besitzer. ESP noch Mangelware Alle Vergleichskandidaten haben serienmäßig ABS und zwei Airbags. ESP kostet bei Fiat Aufpreis, für Cuore und Picanto ist es nicht erhältlich. Elektrische Fensterheber sowie Zentralverriegelung sind bei Fiat und Daihatsu gegen Aufpreis beziehungsweise in höheren Ausstattungen zu haben. Der Picanto hat serienmäßig immerhin eine Zentralverriegelung ohne Fernbedienung. In puncto Beschleunigung liegt der Cuore mit 12,2 Sekunden vor dem Panda mit 15,0 Sekunden und dem Picanto mit 15,1 Sekunden. Cuore und Picanto bleiben beim Verbrauch unter fünf Litern auf hundert Kilometer, während der Panda etwa einen Liter mehr verbraucht.
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Technische Daten
Antrieb:Vorderradantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Otto-Reihenmotor, OHC
Hubraum:1.086
Anzahl Ventile:3
Anzahl Zylinder:4
Leistung:48 kW (65 PS) bei UPM
Drehmoment:97 Nm bei 2.800 UPM
Preis
Neupreis: 8.700 € (Stand: März 2005)
Fazit
Der Einstiegspreis von 8.700 Euro könnte noch etwas niedriger sein, wenn auch ein Dreitürer angeboten würde. Dies würde sich auch empfehlen, da die dreitürige Variante bei Kleinstwagen in Deutschland beliebter als die fünftürige ist. Auf ESP zumindest in der Optionsliste wartet man gerade bei asiatischen Winzlingen schon länger – wenigstens ABS und zwei Airbags sind aber inzwischen Standard. Elektrische Fensterheber und Servolenkung fehlen, sind in diesem Segment aber auch nicht selbstverständlich. Am Kia Picanto gefällt das schicke Karosseriedesign und das jugendliche Innere. Der Motor enttäuscht etwas, ist – wie auch das Fahrwerk – für ein Stadtauto jedoch ausreichend. (sl)

Quelle: auto-news, 2005-03-30

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