Testbericht

18. Mai 2008

Der Kia Cee´d 2.0 CRDi lockt mit alten deutschen Tugenden: Solide, sparsam und ehrlich im Preis. Ist er eine echte Alternative zum Golf?

Ehrlich im Preis? Das, worauf man in Wolfsburg seit über dreißig Jahren nicht gekommen ist, wirft heute ein ziemlich gutes Licht auf das, was sich „Made in Korea” für die Zukunft zutraut: 5 Jahre Garantie, aufs ganze Fahrzeug, bis 150.000 km Fahrleistung. Oder sogar 7 Jahre auf den Antriebsstrang. Wer so etwas bietet, muss überzeugt sein vom eigenen Produkt. Oder andersherum formuliert, wer nur 2 Jahre gibt, aber mehr dafür verlangt, was fürchtet er?

Golf-Konkurrenz
Was er fürchten sollte? Die Konkurrenz. Der Cee´d hat mit Peter Schreyer nicht nur einen deutschen Designerpapa, sondern er bietet das, was man früher an Ford und Opel so schätzte: gutes Raumangebot, guter Alltagsnutzen, guter Preis – und nicht die umhäkelte Klorolle hinten auf der Hutablage. Der Modellname „Cee´d” klingt zwar so, als hätten sich 125 Marktforscher für dreieinhalb Wochen auf einer Herrentoilette eingeschlossen, aber beklagen kann man sich im Kia Cee´d eigentlich nur über sehr weniges: Das Fahrwerk knüppelt etwas, die Vorderachse stuckert zu sehr, und partiell geschieht das alles doch ein wenig zu trocken – das kann der Golf noch besser. Das Orange der Instrumentenbeleuchtung hat Schmiss und kann gefallen. Muss aber nicht. Knackig schnellt der Knauf des Sechsganggetriebes auch nicht gerade durch die Schaltgassen, eher knochig. Die C-Säule baut zu breit (trotz Bullauge) und die Heckscheibe zu hoch und zu schmal. Das erklärt zwar die Einparkhilfe (nur im TX oder im „Sitz & Sichtpaket inklusive; 1.200 Euro), aber eben nicht, dass da im Rückraum gerade ein netter Poller steht. Das Leid der Moderne offenbart sich auch hier in einer unübersichtlichen Karosserie.

Der 2,0 Liter-Commonrail-Diesel mit VGT-Lader und serienmäßigem Partikelfilter verrichtet sein Selbstzündermandat mit hohem Harmoniefaktor: kraftvoll, durchzugsstark, leiser als ein TDI-Knorrer aus Wolfsburg und darüber hinaus ausgesprochen geschmeidig. Während rascher Überholmanöver zieht der lässige Motor selbst im 6. Gang bei niedriger Drehzahl gehörig die Butter vom Tisch (305 Nm zwischen 1.800 und 2.500/min).

Der sechste Gang tut zudem beruhigende Wunder: bei Tempo 140 nur 2.500 Touren, bei 180 km/h Niederpuls 3.000. Auch so ein neues Kia- Gefühl: Dinge wie ESP, Seiten- und Kopfairbags, weit ausfahrbare Kopfstützen, die fünf Sterne für den Insassenschutz im Euro NCAP Crashtest (Maximalzahl) oder die vier für die Kindersicherheit gehören ebenso zum Serientrimm wie haptisch propere Regler, qualitativ höherwertigerer Kunststoff (Radio-Klima-Konsole) und der volle Satz an Multimediaanschlüssen (USB-Anschluss, AUX-Buchsen, 12V-Steckdose).

Fazit
Harmonischer Antrieb, gesteigerter Eindruck. gehobene Ausstattung für 21.940 Euro. Da fragt man sich schon, für was man den Aufpreis von knapp 4.500 Euro für den VW Golf (Trendline TDI, 140 PS, 6-Gang, Partikelfilter) eigentlich zahlt.

Fotos © 2008 Redaktionsbüro Kebschull

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