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Testbericht

automobil-magazin.de, 12. Juli 2012
Bigger is better? Der Jeep Grand Cherokee wurde dem „Grand“ des Typenschilds nie ganz gerecht: groß außen, zu eng drinnen. Dem neuen Grand Cherokee verschaffen zehn Zentimeter mehr Beinfreiheit auf der Rücksitzbank und 17 % mehr Kofferraumvolumen nun wahre Größe. Auch fahrwerksseitig tut es gut, mit der Mercedes M-Klasse – Beziehungen gehen (Daimler), Beziehungen wachsen (Fiat) – die Plattform zu teilen. Auch weil der große Jeep damit, mit hinteren Einzelradaufhängungen, die wahlweise mit Stahl- oder Luftfederung kombiniert werden können, der Starrachse adé sagt.

Die bulligen Proportionen (4 cm länger, 2,6 cm breiter, 5,3 cm tiefer) mit üppigem Chromgrill, hoher Gürtellinie, kompakten Fensterflächen und ausgeprägt tiefem Dachansatz machen Eindruck. Im Interieur setzt sich der Fortschritt im Positiv fort. Der Innenraum erscheint hochwertiger. Auch der Tritt nach links unten, dort sitzt die mechanische Feststellbremse, fühlt sich nicht nur ein wenig nach Daimler an.
Im Jeep-Stil weiß der Fahrer immer, wo es lang geht und wie heiß es gerade zugeht: Er hat die Außentemperatur und den Kompass gut im Blick. Genauso die komplette Instrumentierung.

Während des Flachlegens der Rückbank (1/3-2/3 klappbar) kippen die Kopfstützen mechanisch selbsttätig – ohne umständliche Demontage – nach unten. Das Kofferabteil, das über die große Heckklappe oder flott über die Glasscheibe beladen werden kann, schluckt minimal 782 und maximal 1.554 Liter. Wie schon im Vormodell findet sich auch hier in der Kofferraumwand die Taschenlampe und eine 12-Volt-Steckdose (zusätzlich zu den zwei anderen im Innenraum).

Der große SUV trumpft als „Overland“– von der Ausstattung die volle Packung – mit robust anmutendem Leder, straffer Polsterung, echtem Holz und Alu auf. Ganz neu sind luxuriöse Extras wie die belüftbaren Sitze, der radargestützte, dreistufig in der Wohlfühldistanz einregelbare Abstandstempomat (Sensor unterhalb des Frontstoßfängers), die Toter-Winkel-Überwachung und das beheizbare Lenkrad – im Winter so gut wie heiße Suppe, nur viel schneller heiß.
Hinter einem weiteren Extra, dem Unterfahr- und Schwellerschutz, steckt dagegen bärbeißige Aufrichtigkeit – Stichwort: „offroad“. Der Verteilergetriebeschalter des Quadra-Trac II ist mit diversen Gelände- und Straßenfahrprogrammen (Automatik, Sport, Sand, Schlamm, Schnee und Felsen) geländeschlau wie Land Rovers „Terrain Response“. Die automatische Einstellung auf den Fahrgrund gehört genauso zum Grundtrimm wie „Aero“, die ab 100 km/h erfolgende Fahrzeugabsenkung um 13 mm. Seltener kommen “Gelände 1” (+ 33 mm), “Gelände 2” (+ 65 mm) oder “Park” (- 38 mm) zum Zuge.

Der „4WD LOW“-Schalter auf der Mittelkonsole offenbart, dass der Jeep auch im Land der chronisch gesperrten Waldwege kein SUV im Schonwaschgang sein will. Das Herz pocht im 2,3-Tonnen-Trumm auch heftiger, wenn in „Sport“ die ESP-Leuchte „off“ signalisiert. Wieder im Takt, wenn man bemerkt: Das ist ein Fahrwerk ohne Schweißausbruch und keine Frage der Nerven (Gegenbeispiel: Jeep Wrangler). So geht er durch die Slalomstangen wie kein Cherokee je zuvor. Bei Nässe mit flackernder ESP-Leuchte, aber geradlinig und mit dem vehementen Vortrieb des Allradantriebs. Die Servolenkung ist nicht nur etwas für lange amerikanische Highways. Das Gefühl auf der Bremse gut.

Und der Antrieb? Die Tankklappe von innen zu verriegeln, macht Sinn bei einer Tankrechnung von 150 Euro (Tankvolumen: 93 Liter). Als Benzinmotoren kommen ein komplett neu entwickelter 3,6-Liter-Sechszylinder mit 286 PS und der 5,7-Liter-Hemi-V8 mit 352 PS zum Einsatz. Die kosten. Nicht sofort, aber dann. Der beste Freund des Verbrauchers bleibt hierzulande daher der 3,0-Liter-V6-Common-Rail-Diesel. Leider nicht mehr der kultivierte Sechszylinder-Selbstzünder von Daimler (218 PS), sondern ein rauerer von VM Motori aus Italien. Gelassen kanalisiert von der Fünfgangautomatik steht der mit 241 PS bei 4.000 Umdrehungen besser im Futter. Und die 550 Nm sind ein Pfund, mit dem sich schon bei 1.800/min wuchern lässt. Und das Futter? Der Verbrauch zollt der Masse Tribut (im Test: 10,9 l/100 km). Und die Masse des Grand hat nun wahre Größe. Allein an der Laufkultur des Dieselmotors könnte man noch ein wenig feilen.


(Lothar Erfert)
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2012-07-12

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