Testbericht

26. Dezember 2012
Nizza, 27. Dezember 2012 - Wie findet ein Automobilhersteller in Zeiten des Motor-Magerwahns eigentlich heraus, wie die eigene Maschine im Vergleich zu den Modellen der Konkurrenz auf der Waage dasteht? Er kauft die Fahrzeuge der Mitbewerber, baut Motor und Getriebe aus, wiegt die Einzelteile, zählt zusammen und erhält das Resultat. Das Team um Masami Oshima, Projektleiter der Motorenentwicklung von Honda R&D hat den Vergleich gewagt und kommt zu dem Ergebnis: Der neue Honda 1.6 i-DTEC Dieselmotor ist der leichteste seiner Klasse.

Europa einig Diesel-Land
Die Liebe zum Selbstzünder ist in Europa weiterhin ungebrochen. Während die Amerikaner schon beim Buchstabieren des Wortes "Diesel" Probleme bekommen, liegt auf dem alten Kontinent der Diesel-Anteil im C-Segment bei inzwischen 58 Prozent. Honda schwimmt also auf dem Strom der Zeit, wenn sie mit dem 1.6 i-DTEC einen leichten Dieselmotor auf den Markt bringen, der dank geringerem Gewicht und jeder Menge Feintuning sparsam und emissionsarm daherkommt. Auch die Platzierung unter der Haube des kompakten Civic ist schlüssig.

Aufwind
Früher bekamen Automobilisten leuchtende Augen, wenn von Honda-Motoren die Rede war, in den vergangenen Jahren verblasste der Glanz. Eine neue Motoren- und Getriebegeneration soll nun den Antrieb der Japaner wieder ins rechte Licht rücken. Während andere Hersteller ihr Öko-Gewissen mit Blau- und Grün-Referenzen (VW BlueMotion, Skoda Greenline) oder dem Zusatz "Eco" (Opel Ecoflex) demonstrieren, geht es bei Honda eine Spur pathetischer zu. Abgeleitet vom Firmenmotto "The Power of Dreams", etikettieren die Japaner ihre Ökooffensive schwärmerisch "Earth Dreams Technology". Fast wähnt man sich auf einer sommerlichen Blumenwiese, die Bäume rascheln sanft im Wind, Vögel zwitschern, ein Schmetterling landet sanft auf einem Gänseblümchen ... aber zurück in die Realität des mitteleuropäischen Dezembers. Ein Selbstzünder ist von sommerlicher Stille samt Blumenduft noch weit entfernt, da weder lautlos noch emissionsfrei.

Setcard

Das Datenblatt liest sich auf den ersten Blick nicht schlecht: Der kleine Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum leistet 120 PS und ist mit einem ebenfalls neu entwickelten 6-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt, das den Motor mit einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmeter unterstützt. Erklärtes Ziel der Ingenieure war es, die mechanische Reibung des 1.6 i-DTEC zu senken, um die Kraftstoffeffizienz zu verbessern, die Emissionen zu verringern und die Fahrfreude durch ein wesentlich direkteres Ansprechverhalten des Motors zu erhöhen. Die Mission war erfolgreich. 40 Prozent weniger Reibung im Vergleich zum 2.2 i-DTEC kann der 1.6 i-DTEC vorweisen, außerdem einen von 4,2 auf 3,6 Liter gesunkenen Normverbrauch und einen von 110 auf 94 g/km geminderten CO2-Ausstoß. Mit dafür verantwortlich sind neben den Maßnahmen am Motor auch kleine Veränderungen am Außendesign. So zieren den 1.6er-Civic größere Front- und Heckspoiler, der Unterboden ist verkleidet. Außerdem ist der 1.6er ebenso wie jetzt schon der 2.2er mit einer automatischen Luftklappensteuerung am Kühlergrill ausgestattet.

On the road
Nach dem Drehen des Zündschlüssels bleibt es überraschend ruhig. Selbst mit gespitzten Ohren ist kaum Dieselgebrumm vernehmbar. Beim Tritt aufs Gaspedal kommt der Civic flott in die Gänge und zeigt beim Spurt auf der Autobahn ordentlich Durchzugskraft. Aus dem Stand benötigt er 10,2 Sekunden, um auf hundert km/h zu kommen, Spitzengeschwindigkeit sind 206 km/h. Die Lenkung wurde überarbeitet und verlangt recht wenig Kurbelei vom Fahrer, der derweil die Ruhe im Innenraum genießt. Verantwortlich dafür ist die Active Noise Cancelation. Mikrofone erfassen niedrig frequente Geräusche in der Fahrerkabine und die ANC-Steuereinheit wirkt über die Lautsprecher unmerklich entgegen.

Spieglein, Spieglein an der Wand
Schönheit liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters, dem Civic lässt sich zumindest eine gute Portion Eigenwilligkeit attestieren. Die Schnauze ist flach und weit nach vorne gezogen, die Fensterlinie setzt sich optisch im Civic-typischen Leuchtband auf der Heckscheibe fort. Im spacigen Cockpit fühlt man sich Captain Kirk ganz nah, wobei Material und Bildschirmgrafik eher solide denn futuristisch anmuten.
 
Zauberhaftes Platzkonzept
So richtig überzeugt immer wieder aufs Neue die Raum(aus)nutzung der Japaner. Der träumerischen Honda-Markenlosung gerecht werdend, heißen die Zaubersitze "Magic Seats". Und gezaubert werden kann damit tatsächlich: Ein Griff und die Rückbanklehne des Civic liegt komplett flach. Auf der 1,60 x 1,35 Meter großen Ladefläche finden drei Koffer in Übergröße Platz, drei Golfbags, oder aber drei Mountainbikes mit abmontiertem Vorderrad. Drei Fahrräder. In einem Kompaktfahrzeug! Je nach Ladung hat der Fahrer die Wahl zwischen einer ebenen Ladefläche und einer Vertiefung, in der man zum Beispiel Getränkekisten unterbringen kann, ohne dass sie verrutschen. Ein weiterer Zaubertrick: Die Rückbank lässt sich hochklappen wie die Bestuhlung im Kino. In den endlosen Weiten zwischen Vordersitz und Klappsessel findet selbst ein Kühlschrank Platz. Voller Kofferraum, drei Passagiere und ein Mini-Eisschrank? Kein Problem, die Sitzfläche kann im Verhältnis 60:40 zusammengefaltet werden.

Marktstart
Den Civic mit neuem Motor gibt es ab April 2013, leichte aerodynamische Veränderungen an allen Civic-Motorvarianten halten im Mai und Juni Einzug. Wie viel man für den Japaner mit 1.6 i-DTEC auf den Tisch legen muss, verrät Honda noch nicht, wir vermuten einen Preis von ungefähr 20.500 Euro.

Ausblick
Auf der North American International Auto Show in Detroit (14.-27. Januar 2013) stellt Honda das kompakte Crossover "Honda Urban Concept" vor, das auch auf deutschen Straßen rollen soll. Ein Einsatz des 1.6-i-DTEC-Motors ist darin gut vorstellbar. Ebenfalls möglich scheint ein 1,6-Liter-Accord. Schon sicher ist dagegen, dass das SUV CR-V den neuen Motor ab September 2013 unter die Haube bekommt. Außerdem in Planung: Ein eigenes Doppelkupplungsgetriebe soll in ein bis zwei Jahren serienreif sein und zunächst im Sportwagen NSX Verwendung finden. Und was ist mit dem Honda Civic Type R? Der kommt wohl 2015 mit einem aufgeladenen Benzinmotor und soll, so ist hinter vorgehaltener Hand aus Herstellerkreisen zu vernehmen, das schnellste Auto auf der Nordschleife werden. Das spricht für einen Motor mit über 300 PS.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Common-Rail-Diesel mit Turboaufladung
Hubraum:1.597
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:88 kW (120 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 2.000 UPM
Fazit
Der Honda Civic 1.6 i-DTEC macht Spaß. 120 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment sind absolut ausreichend, der Auftritt des Vierzylinders ist kräftig und überzeugend, sein Gebrumm lässt eher an einen Benziner denn einen Selbstzünder denken. Ein Motor, der in weiteren Modellen gut eingesetzt werden kann und wird und zudem Potenzial nach unten und oben für weitere PS-Varianten bietet. Möglicherweise opfert er eines Tages für einen Klein- oder Kleinstwagen gar einen Zylinder - alles im Zeichen der japanischen Diesel-Diät.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2012-12-26

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