Testbericht

15. Januar 2009
Haar, 25. Februar 2009 - Spricht der Volksmund von einem Jaguar, denkt er meist an die mondänen Modelle aus den 60er- und 70er-Jahren, wie etwa den legendären E-Type oder das Zwölfzylinder-Modell XJ 12. Dass Jaguar mit dem XF inzwischen auch Autos für einen größeren Kundenkreis baut, gerät dabei oft in Vergessenheit. Dabei sind 60 Prozent der 2008 in Deutschland zugelassenen Jaguar Dieselmodelle. Beim XF beträgt der Selbstzünderanteil sogar 72 Prozent. Für uns Grund genug, den Jaguar XF 2.7 Diesel in der Premium-Luxury-Version einem Test zu unterziehen.

Triebwerk stammt aus Kooperation mit PSA Das Aggregat entstammt der Motorenkooperation von Ford und PSA und debütierte im Jaguar S-Type, dem Vorgänger des XF. Derzeit kommt er bei den Franzosen im Peugeot 607 und im Citroën C6 zum Einsatz. Das 207 PS starke Selbstzünder-Aggregat generiert seine Kraft aus 2,7 Liter Hubraum und sechs Zylindern. Nach flotten 8,2 Sekunden fallen die 100 km/h, mit etwas Mühe im oberen Geschwindigkeitsbereich schafft der Viertürer 229 km/h Spitze. Das Geräuschniveau geht für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse in Ordnung. Lediglich beim Kickdown kann der Selbstzünder seine Gene nicht verleugnen und brummelt etwas lauter vor sich hin. Laut Hersteller genehmigt sich der dieselgetriebene XF 7,5 Liter Kraftstoff. Bei unseren Testfahrten summierte sich der Durst der Raubkatze auf durchschnittliche 9,6 Liter.

Auf Dauer zu straff Einen gespaltenen Eindruck hinterlies das Fahrwerk des jungen Briten. Bei sportlicher Fahrweise wirkt sich die straffe Abstimmung positiv aus und verhilft dem XF zu recht ansehnlichen Kurvengeschwindigkeiten. In der Stadt und gerade auf langen Autobahnetappen könnte ein wenig mehr Komfort nicht schaden. Vor allem bei langsamerem Tempo wirkt der XF hölzern und poltert auch bei kleineren Unebenheiten. Die Lenkung zeigt sich äußerst leichtgängig, vermittelt dennoch ein gutes Gefühl für das Auto.

Coupéhafte Form Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, aber mit ein wenig Augen-Zudrücken erkennt man im XF ein viertüriges Coupé. Kein Wunder, basiert der Einstiegs-Jaguar doch auf der Plattform des großen Coupés XK und ähnelt diesem in der Seitenansicht nicht unwesentlich. Das der XF noch eine Seltenheit auf Deutschlands Straßen ist, merkt man an der Aufmerksamkeit, die der Viertürer von den Passanten bekommt. Keine Rotphase an der Ampel vergeht ohne die neugierigen Blicke aus den Autos nebenan.

Sitze bieten wenig Seitenhalt Im Innenraum umschmiegt das helle Leder der Sitze unseren Allerwertesten. Optisch mag das Gestühl sehr ansprechend sein, zur forschen Gangart, die Motor und Fahrwerk ermöglichen, passen sie mangels Seitenhalt jedoch nicht. Der gemächliche Jaguar-Cruiser, der nur von A nach B kommen möchte, wird allerdings Gefallen an der bequemen Bestuhlung finden. Bei der restlichen Interieur-Gestaltung wurde offensichtlich mit dem Rotstift hantiert. Viel billig wirkendes Plastik und nach Imitaten ausschauendes Holz trüben den ansonsten schlüssigen Gesamteindruck des XF. Beispielsweise lässt sich der Lautstärkeregler so leicht bedienen, als hätte er überhaupt keine Funktion. Auch die Blenden der Mittelkonsole scheinen einen fast anzuspringen mit den Worten: "Ich bin aus Plastik!"

Alles, was das Herz begehrt Wie es sich für eine Ausstattungsvariante mit dem Namen "Premium Luxury" gehört, umfasst das Paket alles, was gut und teuer ist. Dazu gehören unter anderem LED-Heckleuchten, eine Einparkhilfe hinten, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, die erwähnte Lederausstattung, eine Klimaautomatik, eine Bluetooth-Schnittstelle, ein 320-Watt-Soundsystem und ein Multimediasystem mit Sieben-Zoll-Touchscreen. Gegen Aufpreis sind ein elektrisches Schiebedach, eine Metallic-Lackierung, bis zu 20 Zoll große Leichtmetallfelgen, ein beheizbares Lenkrad, ein Navigationssystem, ein TV-Anschluss und Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht erhältlich.

Teurer als Konkurrenz Wer sich ernsthaft für den Selbstzünder-XF interessiert, der muss mindestens 49.370 Euro beiseite legen. Soll es die Topausstattung Premium sein, sind 54.380 Euro fällig. Das ist nicht gerade ein Schnäppchen, vor allem wenn man die Preise der Konkurrenz betrachtet. Audi verlangt für den 190 PS starken Audi A6 2.7 TDI 39.900 Euro, der BMW 525d mit einer Leistung von 197 PS schlägt mit 42.400 Euro zu Buche. Ein Mercedes E 280 CDI mit 190 PS kostet mindestens 44.328 Euro.
Technische Daten
Antrieb:Heck
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V6-Turbodiesel
Hubraum:2.720
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:152 kW (207 PS) bei UPM
Drehmoment:435 Nm bei 1.900 UPM
Preis
Neupreis: 54.380 € (Stand: Februar 2009)
Fazit
Jaguar bricht mit seiner Vergangenheit und stellt ein nahezu revolutionäres Fahrzeug auf die Beine, zumindest wenn man mit dem Jaguar-Maßstab zu Werke geht. Der Jaguar XF ist wahrlich ein schickes Auto und der Dieselmotor macht einen spritzigen Eindruck. Auf den ersten Blick gefällt uns der Innenraum des XF sehr gut, beim zweiten Hinschauen offenbaren sich aber einige Mängel, wie etwa die vielen Drehregler und Knöpfe aus Plastik. Wer es gerne sportlich mag, wird mit dem Fahrwerk seine helle Freude haben, auf langen Strecken wünscht man sich aber schnell eine etwas komfortablere Federung.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2009-01-15

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