Testbericht

7. August 2007
Haar, 7. August 2007 – Wer beim Anstehen an der Tankstellenkasse schon mal gesehen hat, wie jemand für einmal Volltanken nur einen Zehn-Euro-Schein abgibt, hat wahrscheinlich einen Erdgas-Fahrer vor sich gehabt. Bei solchen Preisen kommt auch der konservativ eingestellte Autofahrer ins Grübeln. Wieso zahlt man selber mit dem 50-Euro-Schein und der Typ vor einem kommt so billig weg? Eines ist klar: Erdgas ist ein konkurrenzlos günstiger Kraftstoff. Wir haben den Fiat Panda in der Erdgasversion getestet, um zu sehen, wie sich so ein Fahrzeug in der Praxis macht. In 19 Sekunden auf Tempo 100 Der Fiat Panda Panda Natural Power – so der etwas sperrige, offizielle Name – wird von einem 1,2-Liter-Motor angetrieben, der sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin betrieben werden kann. Im Benzinbetrieb leistet der 1.2 8V Natural Power gerade mal 60 PS, im Gasbetrieb sind es sogar nur 52 PS. Große Sprünge sind damit nicht drin. Nun gut, der Panda ist nicht gerade eine schwere Oberklasselimousine. Aber eine Sprintzeit von 17 Sekunden für die Beschleunigung auf Tempo 100 ist einfach ziemlich traurig. Im Gasbetrieb dauert dasselbe sogar 19 Sekunden. Zum Vergleich: Selbst der schwächste VW Golf braucht für den Standardsprint nur knapp 14 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt im Erdgasbetrieb bei gemütlichen 140 km/h. Damit kann man eigentlich nur noch LKWs und gelegentlich einem Smart Fortwo mit Dieselmotor davonfahren. Hoher Benzinverbrauch Aber wer sich einen Erdgas-Panda kauft, will wohl primär Geld und Sprit sparen. Im Benzinbetrieb braucht der Winzling laut Hersteller 6,2 Liter auf 100 Kilometer. Das ist kein Grund zum Jubeln, wenn man bedenkt, dass ein BMW 1er mit 122 PS nur 5,8 Liter braucht. Und es sind rund zehn Prozent mehr, als die Benzinvariante mit 60 PS benötigt. Grund: Der Natural Power ist fast 200 Kilo schwerer als die Benzinversion und sein Motor ist auf den Erdgasbetrieb ausgelegt. Bei unseren Testfahrten benötigten wir 6,9 Liter.

Spritkosten halbiert Mit Compressed Natural Gas (CNG), also Erdgas, betrieben, liegt der Verbrauch laut Hersteller bei 6,4 Kubikmeter oder 4,2 Kilo pro 100 Kilometer. Auf unseren Testfahrten benötigten wir durchschnittlich 5,0 Kilo. Da diese Zahlen wohl nur CNG-Fahrern etwas sagen, rechnen wir den Herstellerverbrauch in Euro und Cent um: Erdgas kostet derzeit etwa 86 Cent pro Kilogramm, Super etwa 1,36 Euro pro Liter. Für 100 Kilometer im Benzinbetrieb zahlt man demnach mit unserem Erdgas-Panda rund 8,50 Euro, während es im Erdgasbetrieb nur etwa 3,60 Euro sind, also noch nicht einmal die Hälfte. Da freut sich das Schottenherz. Aber auch die Umwelt hat was davon: Die CO2-Belastung ist mit 114 Gramm pro Kilometer rund 14 Prozent niedriger als bei der Benzinvariante. Erdgastankstellen noch immer selten Doch Geld spart man natürlich nur im Gasbetrieb. Und da hakt es, denn Erdgastankstellen sind immer noch recht selten. Gerade mal 758 Tankstellen gibt es in Deutschland. Das bedeutet in der Praxis, dass man schon genau wissen muss, wo die nächste Station liegt – einfach die Augen aufzuhalten, hilft nichts. Und es heißt, dass man auch in einer Großstadt mal quer durch die City zur nächsten Tankstelle fahren muss. Was in der Heimat noch funktioniert, wird bei längeren Fahrten zu einer logistischen Herausforderung. Eine Hilfe sind mobile Navigationssysteme. Die lassen sich mit Zusatzprogrammen aufrüsten, sodass man auch nach Erdgastankstellen suchen kann. Geringe Erdgasreichweite Die geringe CNG-Tankstellendichte ist umso problematischer, als die Erdgas-Reichweite nicht eben groß ist. Gerade mal 270 Kilometer sind drin. Wer wie wir täglich 35 Kilometer zur Arbeit und 35 Kilometer nach Hause fährt, muss alle drei oder vier Tage nachtanken – nicht gerade praktisch, vor allem, wenn keine Tankstelle auf dem Weg liegt. Gut also, dass man auch mit Benzin fahren kann.

750 Kilometer Reichweite Der Panda Natural Power besitzt einen Benzintank mit 30 Liter Kapazität, der kaum kleiner ist als beim normalen Panda 1.2 8V. Hinzu kommen noch die Erdgastanks, die unterflur angebracht sind und zusammen 72 Liter fassen. Insgesamt erhöht sich so die Reichweite deutlich gegenüber dem Benzinmodell. Legt man den vom Hersteller angegebenen Verbrauch zugrunde, schafft man 480 Kilometer im Benzinmodus und 270 Kilometer im Erdgasbetrieb, zusammen also 750 Kilometer. Die Benzinversion fährt trotz etwas größerem Tank und geringerem Benzinverbrauch ohne Tankstopp nur etwa 550 Kilometer. Schwer zu findender Gasschalter Das Handling der Erdgasversion bereitet keine großen Probleme. Der Umschalter zwischen Benzin- und Gasbetrieb links unten am Armaturenbrett ist allerdings für Neulinge etwas schwer zu finden. Da die Füllstandsanzeige für Gas ebenfalls dort angebracht ist, verrenkt man sich den Hals, wenn man wissen will, wie viel Gas man noch an Bord hat. Ist der CNG-Vorrat aufgebraucht, schaltet der Fiat automatisch auf Benzin um. Umgekehrt klappt das nicht, denn zum Anlassen braucht der Erdgas-Panda Benzin. Deshalb ist es keine gute Idee, den Benzinvorrat mit dem Gedanken an den noch vollen Erdgastank restlos aufzubrauchen. Das Erdgas-Tanken geht einigermaßen einfach von der Hand. Allerdings muss der Tankrüssel ohne Verkanten mit dem Tankstutzen verbunden werden. Bei uns war das einmal nicht möglich, sodass der Tankwart helfen musste, und auch der fummelte fünf Minuten herum. Die Tankrechnung von unter zehn Euro entschädigte uns für den Ärger.

Über 3.000 Euro teurer als vergleichbarer Benziner Den Panda Natural Power gibt es ausschließlich in der Ausstattung Panda Panda. Sie ist identisch mit der Version Dynamic, hat aber keinen Drehzahlmesser. Die Erdgasvariante kostet 13.340 Euro, während ein 1.2 8V Dynamic für 10.140 Euro zu haben ist. Der Preisunterschied beträgt also über 3.000 Euro. Kann man diesen happigen Aufpreis durch niedrigere Spritkosten wieder hereinfahren? Der Kenner runzelt die Stirn. Rechnen wir also nach: 100 Kilometer sind beim Natural Power Gasbetrieb um 4,12 Euro günstiger als beim normalen 60-PS-Panda. Damit braucht man rund 80.000 Kilometer, um die 3.300 Euro Preisunterschied wieder hereinzufahren. Der Erdgas-Panda kann sich also amortisieren, aber nur wenn man ausschließlich im Gasmodus fährt, und auch dann erst nach etlichen Jahren. Allerdings geben einige Energieversorger einen Zuschuss zum Anschaffungspreis von Gas-Autos. Basis: Panda 4x4 Was die Karosserie angeht, so basiert der Erdgas-Panda auf dem Panda 4x4. Die rund fünf Zentimeter höher als beim normalen Panda liegende Karosserie ermöglicht die Anbringung der Erdgastanks unter dem Fahrzeugboden. Mit der sehr harten Federung des Panda Natural Power fühlt man sich auch auf vergleichsweise guten Straßen wie ein Cowboy auf einem Wildpferd. Vor allem die Nickbewegungen bei jeder kleinen Bodenwelle stören. Auf kurvigen Strecken neigt sich der mit 1,58 Meter recht hohe Kleinstwagen außerdem stark nach außen. Wie alle Panda-Modelle ist der Natural Power ein Viersitzer mit fünf Türen. Der Innenraum ist im Wesentlichen identisch mit dem des normalen Panda. Im Fond gibt es gerade noch ausreichend Kniefreiheit für Erwachsene, dafür aber eine gute Kopffreiheit – der Panda ist ja ausreichend hoch. Die Rückbank-Lehne lässt sich bei der Erdgasversion symmetrisch geteilt umklappen, nicht jedoch die Sitzpolster. Dadurch lässt sich der Kofferraum nach dem Umklappen nicht optimal nutzen. Er ist auch etwas kleiner als beim normalen Panda: 190 bis 840 Liter Stauvolumen stehen zur Verfügung.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Otto-Reihenmotor, quer, SOHC, MPI
Hubraum:1.242
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:44 kW (60 PS) bei UPM
Drehmoment:102 Nm bei 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 13.340 € (Stand: August 2007)
Fazit
Der Beiname Natural Power klingt bei diesem Erdgas-Panda fast wie Hohn, denn Power hat dieses Auto nun wirklich keine. Die 52 PS rauben auch wenig verwöhnten Autofahrern zuweilen die Geduld. Wenn man fast 20 Sekunden warten muss, bis die 100 km/h erreicht sind, geht das schon mal an die Nerven. Die arg harte Federung mag man bei einem Stadtauto verschmerzen. Beim Tanken trocknen eventuelle Tränen rasch, denn die Erdgas-Kosten liegen nur halb so hoch wie bei Benzin. Wenn man denn eine Erdgastankstelle findet, denn die sind immer noch rar. Und da man nur 270 Kilometer weit mit einer Erdgasfüllung kommt, muss schnell eine gefunden werden. Der Aufpreis gegenüber der Benzinversion ist mit über 3.000 Euro sehr hoch. So kann sich der Erdgas-Panda kaum amortisieren. Insgesamt hat uns der Panda Panda Natural Power nicht überzeugt.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2007-08-07

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