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Testbericht

Stefan Grundhoff, 12. November 2008
Als der schwarz-rote Donnervogel durch die beschauliche Landschaft zwischen Marktredwitz und Bad Berneck brüllt, sind die Ruhe der bunten Laubwälder und das Vogelgezwitscher vergessen. Kourosh Mansory geht auf Probefahrt – in einem Ferrari 599 GTB Stallone.

Kaum ein Autoveredler hat in den letzten Jahren für derart viel Aufsehen gesorgt wie Kourosh Mansory. Wenn um Nobelkarossen geht, fürchtet der Geschäftsmann weder Tod noch Teufel. An die Autos, die er tunt, traut sich sonst fast niemand. Rolls Royce Phantom, McLaren Mercedes SLR, Ferrari 599 oder Bentley Continental GT sorgen bereits als Serienmodelle bei den gut betuchten Kunden für schweißnasse Hände. Wenn Edeltuner Mansory und sein Team jedoch erst einmal Hand anlegen und ihnen ein neues Karbonkleid verpassen, ist so manche Edelkarosse kaum noch wieder zu erkennen. Gerade die Nobelfirmen sehen ein Tuning an dem hauseigenen Automobilgeschmeide zumeist nicht gerne. "Daher sollte man sich keine Feinde bei den Herstellern machen", so Kourosh Mansory, "wird sind eben ein Veredler und kein Hersteller. Deshalb tragen unsere Fahrzeuge auch das Logo des originalen Herstellers auf der Haube." Bei den meisten Modellen gab es jedoch eine kräftige Leistungsspritze. Daher prangt zumindest auf dem Triebwerk selbst der Name Mansory. Anbau- und Lederteile produziert Mansory seit Jahren selbst; in zwei eigene Werken in Marienbad.

Die Kunden sind die reichsten der Reichen und die schönsten der Schönen. Eben solche, die bereits einen riesigen Wagenpark ihr Eigen nennen können und sich für einen gewöhnlichen Ferrari, Porsche oder Bugatti längst nicht mehr begeistern lassen. "Unsere Kunden haben bereits alles. Geld spielt da keine Rolle", so Mansory, "eine Krise wie jetzt auf dem Automarkt trifft uns daher nicht. Im Gegenteil. Wir können viele Aufträge gar nicht annehmen, weil wir maximal an drei oder vier Fahrzeugen parallel arbeiten." In der Produktionshalle steht unter anderem ein schwarzer Rolls Royce Phantom mit Mansory-Spezialumbau. Schwarzes Leder, orangefarbene Nähte und der eingestickte Namenszug auf den Kopfstützen sorgen für ein extravagantes Gesamtbild. "Ist für einen 13jährigen Jungen aus Großbritannien, der den Wagen bald geschenkt bekommt – natürlich mit Fahrer", erzählt Kourosh Mansory als wäre es natürlichste Sache der Welt.

Der schwarze Rolls hat nicht nur eine neue Innenausstattung, einen Aerodynamik-Kit sowie eine ungewöhnliche Front mit Spoiler und LED-Scheinwerfern bekommen. Unter der Motorhaube sorgt ein wuchtiger Kompressor für eine Motorleistung von über 600 PS. Wenn Geld keine Rolle mehr spielt, wundert es auch nicht, dass die ursprünglich orangefarbenen Alufelgen kurz vor der Auslieferung noch auf eine schwarze Lackierung geändert werden. Allein die Umbaukosten dieses Phantoms liegen bei mehr als 400.000 Euro. "Wir haben alle Hände voll zu tun und arbeiten bereits auf vollen Touren", berichtet Mansory, "früher kamen die meisten Kunden aus Europa. Doch immer mehr Fahrzeuge gehen in den mittleren Osten, in die USA und auch in China wird es bald sehr viel zu tun geben."

Gerade kommt der Geschäftsführer zusammen mit einem seiner Ingenieure von einer Testfahrt in einem 815 PS starken Ferrari 599 GTB zurück. Die Abnahmefahrten macht er alle selbst während sein Techniker einen Computer mit den Leistungsdiagrammen auf den Knien hat. Bei Mansory trägt der rot-schwarze Italo-Bolide die Bezeichnung "Stallone" – kein Name würde besser passen. Stallone-Schriftzüge befinden sich unter anderem auf Leichtmetallfelgen und Armaturenbrett.

Wenn Kritiker den Mansory-Umbauten vorwerfen, dass sie mit der Eleganz der Originale Schindluder trieben, so scheint das bisweilen nicht aus der Luft gegriffen. "Unsere Kunden wollen Auffallen und mehr Leistung. Beides bieten wir ihnen", lässt sich Kourosh Mansory von der Kritik nicht beeinflussen, "unsere Autos sind echte Kunstwerke und alles bei uns ist ein bisschen verrückt." Paradestück der Modellpalette ist der Mansory Conquistador, eine scharf gemachte Version des mächtigen Rolls Royce Phantom. Kaum ein anderer Tuner hat sich getraut, die britische Nobelkarosse sportlich zu tunen. So stehen die Kunden bei Mansory in Brand, im Niemandsland zwischen Marktredwitz und Bar Berneck Schlange und lechzen nach dem mindestens 900.000 Euro teuren Conquistador.

Aus den Niederungen Bayerns geht es für die spektakulären Karossen hinaus in die ganze Welt. Bei den Automessen in Genf, Los Angeles oder Dubai darf Mansory daher nicht fehlen. Viele Kunden bestellen gleich mehrere Fahrzeuge. "Die deutschen Messen sind keine Prestigemessen, "so Mansory, "da sind wir im Ausland zumeist besser aufgehoben." Ehe sich der bayrische Spartentuner entscheidet, ein neues Modell in das sportliche Portfolio aufzunehmen, sind ein bis zwei Jahre Entwicklungszeit nötig. So lange braucht es, bis die Fahrwerkskomponenten getestet, die Triebwerke angepasst und besonders das Interieur dem ebenso spektakulären wie extravaganten Mansory-Styling entspricht. Innen wie außen gilt: auffallen um jeden Preis. Da dürfen es wie beim Ferrari 599 GTB gerne eine Karbon-Motorhaube, ein paar Lederrennsitze und zwei Karbonfinnen am Heck sein.

In der Nebenhalle steht noch abgedeckt der erste Prototyp für den Genfer Salon im kommenden Frühjahr. Hier will Mansory einen extravagant gestylten Porsche Cayenne zur Schau stellen. "Ich mag am liebsten Geländewagen", erzählt Kourosh Mansory, "aber auch einen Ferrari fahre ich einfach gern." Zukünftig könnte auch Porsche zu seinen Favoriten gehören. Hier hat er jüngst das Tuning für den Schweizer Markt übernommen.

Quelle: Autoplenum, 2008-11-12

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