Testbericht

16. Februar 2004
Malaga, 13. Februar 2004 – „Einen Kombi müsste man haben...“ Dieser Stoßseufzer geplagter Mütter und Väter, die ihren weltneuen Nachwuchs im dreitürigen Kleinwagen durch die Gegend karren, hallt oft über die Parkplätze. Längst sind Kombis vom Lieferwagen zum Lifestyle-Gefährten avanciert. Es ist hip geworden, seinen Hipp-genährten Familienanhang im großen Raum zu chauffieren. Allerdings soll ein bisschen Spaß auch dabei sein, ein bisschen Sport, ein bisschen Lust auf Umweg, viel Sicherheit... und vor allem ein niedriger, für junge Leute erschwinglicher Preis.

Die Lösung könnte aus dem Pippi-Langstrumpf-Land kommen: Dort baut Volvo seit 50 Jahren seine Kombis, die weltweit einen guten Ruf genießen. Das neueste Auto dieser Art heißt V50 und wird ab April 2004 den bisherigen Einsteiger-Kombi V40 ablösen. „Sportkombi“ nennen die Schweden nun ihre Antwort auf BMW 3er Touring und Audi A4 Avant. Wir haben den Skandinavier mit der großen Klappe getestet.

Basis: Limousine S40 Der V50 basiert auf der neuen Volvo-Limousine S40, die noch im Februar 2004 in den Verkauf gehen wird. Der Kombi ist von vorn an den „Wasserfall“-Streben des Grills zu erkennen, die Limousine hat an dieser Stelle ein Wabenmuster. Außerdem wurde die Einfassung der Scheinwerfer leicht geändert und rechteckige anstelle runder Nebellampen verwendet.

Heck vom XC90 Das Heck des V50 erinnert stark an den Gelände-Bullen XC90 und fällt besondes durch die markanten Heckleuchten auf. Das Top-Modell T5 macht mit zwei Auspuffrohren darauf aufmerksam, dass weiter vorn 220 Pferdchen galoppieren.

Dachreling gegen Aufpreis Insgesamt wirkt der V50 wie eine geschrumpfte und kantengeglättete Version des V70. Seine Form lässt ihn kompakt und zugleich sportlich wirken. Mit schicken Sportschuhen und Dachreling sieht er noch dynamischer aus. Beides kostet Aufpreis.

Vier Designs für die Mittelkonsole Der Innenraum gleicht im Wesentlichen dem des S40. Ebenso auffällig ist hier die filigrane, scheinbar frei schwebende Mittelkonsole, die auf der Rückseite Stauraum bietet. Diese Konsole lässt sich nun in vier Designs ordern: In der Farbe des Interieurs, aus Holz, aus Aluminium oder als „Iced aqua“. Letztere Konsole besteht aus transparentem Plastik, zeigt Teile des Elektronik-Innenlebens und wirkt leider etwas billig.

Keyless Drive: Ohne Schlüssel öffnen und starten A propos Elektronik: Auch hier hat der V50 eine Reihe neuer Optionen bekommen. So kann jetzt Keyless Drive geordert werden. Das System ermöglicht, den Wagen zu öffnen und zu starten, ohne den schlüsselähnlichen Sender aus der Hosentasche nehmen zu müssen. Bis jetzt waren solche Systeme nur aus den größeren Klassen bekannt.

Größer geworden Im Vergleich zum V40 hat der V50 in den wesentlichen Maßen zugelegt: Er ist rund 5,5 Zentimeter breiter, drei Zentimeter höher und hat einen um zirka acht Zentimeter gewachsenen Radstand. Nur die Länge ist um zwei Zentimeter auf 4,52 Meter geschrumpft. Die große Klappe, die zum Einladen einlädt, hat einen größeren Ausschnitt bekommen.

Laderaum fasst 417 Liter Gepäck Der Laderaum des V50 fasst, wie schon beim V40, 417 Liter Gepäck. Die Rückbank kann ein Drittel zu zwei Drittel nach vorn geklappt und anschließend die Rücklehne ebenso geteilt umgelegt werden. Es entsteht ein nahezu ebener Laderaumboden. Das gesamte Ladevolumen beträgt 1.307 Liter.

Lehne des Beifahrersitzes klappbar Die Lehne des Beifahrersitzes ist ebenfalls klappbar, sodass längere Gegenstände verstaut werden können. Die Umgestaltung des Innenraumes geht relativ schnell und mit wenigen Handgriffen vonstatten, nur die Anbringung des Trennnetzes zwischen Gepäckteil und Fond ist etwas fummelig.

Starke Benziner und ein Diesel Am 17. und 18. April 2004 wird der kleine Volvo-Kombi seinen großen Auftritt bei den Händlern haben. Zu diesem Zeitpunkt werden ein 2,4-Liter-Benziner mit 140 oder 170 PS sowie der 220 PS starke T5 angeboten. Auf der Diesel-Liste steht zunächst ein Zweiliter-Common-Rail-Selbstzünder, der 136 PS auf die Straße schickt. Ab dem Sommer 2004 soll diese Maschine über einen Rußpartikelfilter verfügen und die Euro-4-Norm erfüllen. Weitere, kleinere Motorisierungen werden folgen.

Spritziger Selbstzünder Der Selbstzünder ist eine Maschine, die Spaß macht: Laut Datenblatt sprintet der V50 mit diesem Motor in 9,6 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 210 km/h. Bei 2.000 Umdrehungen liefert das drehmomentstarke Aggregat seine höchste Kraft von 320 Newtonmetern. Es lässt sich bei mittleren Touren spritzig und druckvoll fahren.

Knackiges Sechsgang-Getriebe Der 2.0 D wird mit einem neuen, knackigen Sechsgang-Getriebe kombiniert. Der sechste Gang ist als Spargang für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt und auch nur für diesen Zweck zu verwenden. Den Verbrauch gibt Volvo mit durchschnittlich 5,7 Litern an. Ab 24.950 Euro ist der V50 2.0 D zu haben.

220 PS im T5: Satte Fahrleistungen Wer den Familien-Kombi zum Kinder-Sportwagen machen will, sollte den T5 mit Allradantrieb AWD ordern. Satte 220 PS und ein Drehmoment von ebenso satten 320 Newtonmetern belohnen für den doch recht saftigen Anschaffungpreis von mindestens 30.850 Euro plus 2.500 Euro für den ab Sommer 2004 lieferbaren Allradantrieb. Aber mit dieser Maschine wird der Kombi zum Zombi: 6,9 Sekunden auf Hundert und eine Spitze von 240 km/h sind Werte, die für einen mit einer großen Klappe schon beachtlich sind.

Drehmoment liegt lange an Der T5 fährt sich übrigens auch, wie seine Zahlen klingen: Er kommt druckvoll von unten heraus und hängt faktisch bei jeder Drehzahl satt am Gas. Das maximale Drehmoment liegt zwischen 1.500 und 4.800 Touren an. Das aus den Volvo-S-Modellen bekannte Sechsgang-Getriebe passt mit kurzen Wegen und fingerleichten Schaltvorgängen zum starken Motor. Bloß die Lenkung wünscht man sich beim Kurven-Flutschen ein wenig direkter.

Fahrwerk angenehm straff Das eher straffe Fahrwerk und der Allradantrieb, dessen Kraft per Haldex-Kupplung hydraulisch auf die Räder verteilt wird, animieren dazu, die Pferdchen um die Wegbiegungen galoppieren zu lassen. Serienmäßig verfügt jeder V50 über das Volvo-Stabilitätsprogramm DSTC, das beim Allrad-Kombi aber nur bei viel Mutwillen des Fahrers eingreifen muss.

Ab 21.750 Euro Der Volvo V50 kostet im Grundpreis 21.750 Euro und ist damit 1.500 Euro teurer als die Limousine S40. Dieser Preis gilt allerdings für den 1,6-Liter-Benziner, dessen genaues Start-Datum noch im Sommer 2004 liegen soll. Der V50 ist rund vier Prozent teurer als der V40, aber auch ein Fünftel preiswerter als der größere V70. Auch im Vergleich mit seinen Konkurrenten punktet der V50 beim Preis. Beispiel Dieselmotor: Der Audi A4 Avant 1.9 TDI kostet mit Sechsgang-Getriebe immerhin 29.050 Euro, ein BMW 320d Touring ist erst ab 29.650 Euro zu haben.

2005: 19.000 Stück bei uns verkaufen Volvo plant, etwa 11.000 Stück noch 2004 in Deutschland zu verkaufen, 2005 sollen es dann 19.000 Stück sein. Dabei wird erwartet, dass etwa 45 Prozent aller verkauften Kombis durch den Zweiliter-Diesel angetrieben werden.
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Technische Daten
Motor Bauart:Reihen-Vierzylinder, Turbo-Diesel
Hubraum:1.998
Leistung:136 kW (100 PS) bei UPM
Drehmoment:320 Nm bei 2.000 UPM
Fazit
Schaut man sich den V50 genauer an, scheint der Plan aufzugehen: Einen schicken, dynamisch aussehenden Kombi für junge Leute zu bauen. Doch nicht nur das: Das Auto ist im Vergleich zu den deutschen Konkurrenten erschwinglich und bietet eine ebenso gute Komfort- wie Sicherheitsausstattung.

Hinzu kommen zum Marktstart starke Benziner sowie ein spritziger und sparsamer Diesel. Das Fahrwerk, die Getriebe und das Handling des V50 passen zu einem sportlichen Kombi. Wer allerdings nicht zu tief in den Sparstrumpf greifen will, muss sich ein wenig gedulden, bis die kleineren Motorisierungen bei den Händlern stehen.

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss: Trotz aller Dynamik beim sportlichen Kurven-Ausflug sollte man nicht vergessen, dass vielleicht im Fond der Nachwuchs im Kindersitz isofix-gesichert sein Bäuerchen macht und ...hipp, hipp, hoppsala, naja..., Papas Begeisterung nicht ganz teilen will. (hd)

Quelle: auto-news, 2004-02-16

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