Testbericht

automobil-magazin.de, 10. April 2010
Nach 300 Kilometern zuckt der erste Balken der Tankanzeige. Ist der nur 80 PS starke 1.4 TDI-Motor im Seat Ibiza damit der Idealmotor für Realisten? Test: Seat Ibiza SC 1.4 Ecomotive.

Kann man in jeder Hinsicht sparen? Nicht als Wenig-Fahrer bei einem Grundpreis von 15.000 Euro, der 2.000 Euro über dem vergleichbaren 1,4 Liter-Benziner (85 PS) liegt. Und was werden seine Brennräumchen bei so wenig Hubraum vom satten Drehmoment, mit dem sich TDIs gemeinhin so schmücken, noch übrig lassen?

„Ecomotive“ steht für Sparen. Das geht eigentlich besonders gut mit sechs Gängen, aber die spart sich Seat. Der Hintergrund dieser Sparsamkeit liegt jedoch auf der Hand: Wenn man die Sparvariante eines schon verbrauchsarmen Kompakten zu teuer anbietet, kann man sie sich eigentlich sparen, weil durch einen zu hohen Aufpreis eben keiner mehr wirklich (bis auf ein paar Liter Diesel) sparen kann – siehe: Volkswagen 3 Liter Lupo.

Friedlicher Frontantrieb, niedriges Gewicht, gut abgestimmtes Fahrwerk, was soll da noch passieren? Deshalb ist Spaniens populärstes Automobil, dem Fahrer flott und und ohne große Umwege an den Po gewachsen. Die Sitze sind angenehm straff, die Fahrwerksabstimmung auch. Die Servolenkung rotiert leichtgängig, zwar etwas synthetisch, aber dafür präzise. Die Wintereigenschaften sind gut. Zudem rollt der Ibiza als Ecomotive selbst mit schmächtigen Winterreifen (Conti Wintercontact TS800 175/70 R14) gut und – typisch Eco-Variante – leichtfüßig ab. Von Vorteil ist auch, dass die Pneus mit 70er-Querschnitt und damit satt Gummi unter der Felge den Komfort nicht reduzieren – wie andere, oft hart und hölzern abrollende Sparmodelle.

Gewöhnungseffekt ist auch im Innenraum eine Sofortmaßnahme. Bedienung, Sitzkomfort und Verarbeitung … all das kennt man schon vom gut gemachten Fünftürer. Der Zustieg in den am Heckteil dynamischer gezeichneten Dreitürer, dessen Dachhimmel im Fond von großen Erwachsenen kontaktiert wird, geschieht leicht und locker, da die Vordersitze schön weit nach vorne fahren. Am Kofferraumvolumen (- 30 l im Vergleich zum Fünftürer) wird auch im Dreitürer nicht gespart: 285 Liter – mehr als jede (der drei) Ibiza-Generationen zuvor.

Je mehr man fährt, desto mehr spart er? Scheint so. Suggeriert wenigstens die Verbrauchsanzeige. Vorab zeigen die digitalen Ziffern noch „770“, nach 40 km Fahrt aber sind wie von selbst Kilometer gewonnen („780“), und nach 110 km hat man den Ecomotive gar auf eine Restreichweite von „800“ heruntergespart. Die Reichweiten-Verlängerer heißen: Autobahn, gleichmäßiges (nicht zu hohes) Tempo (dann wird der 1.4 TDI laut) und dazu etwas Gasfußintelligenz. Dann kommt man weit. Sehr weit. Dazu später mehr …
Harmonie? Nee. Leise? Nee. Kräftig? Aber dann. Unter 1.500 U/min steht das Drehmoment noch in der Warteschlange. Der Öko-TDI hängt ziemlich durch. Wer Kraftfluss in der Warteschlange erleben möchte, biegt im Zweiten naiv um eine enge Ecke. Dass der kleine Diesel noch bei Durchfahrten von Autobahnbaustellen mit 80 km/h vom Krafteindruck im letzten, fünften Gang taumelt, liegt daran, dass dieser zu lang und das Fünfgang-Getriebe insgesamt – wie ab und an bei Öko-Varianten – zu weit gespreizt abgestimmt ist. Den sechsten Gang einzusparen, war vielleicht doch nicht eine so gute Idee.

Aber dann. Bei 2.000 Umdrehungen haut der 1.4 TDI so erfrischend und hauruck auf den Putz wie die ersten TDI-Motoren. Damit ist er unharmonisch im durchaus anmachenden Sinn: Leistung ist intensiv und spürbar. Zudem ist der Motor (auch wegen seines überschaubaren Hubraums) einer der quirligsten Diesel auf dem Markt. Man muss ihn für seine zwei Seiten, die unforsche und vehemente, nicht mögen, aber man kann ihn dafür lieben. Leise ist er nicht, aber langweilig (wie viele in der kompakten Klasse) eben auch nicht.
Und der Realist und der Sparmensch schauen auch zufrieden. Denn der Ibiza SC 1.4 TDI Ecomotive ist es selbst: geizig. 1.693 mit 82,09 Liter Diesel zurückgelegte Kilometer. Testverbrauch: 4,8 L/100 km. Günstiger reisen geht kaum. Groß zu kritisieren gibt es wenig (Instrumentenablesbarkeit, Anfahrschwäche, Laufkultur). Man kann also in jeder Hinsicht sparen. Mit Lob sollte man es nicht.


(le)

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2010-04-10

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