Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. Januar 2008
Ein Auto der 130.000-Euro-Liga sieht für gewöhnlich anders aus. Mit Schiebetüren, sechs Sitzplätzen und hoch wie ein Fels stemmt sich das teuerste Exemplar aus der Wolfsburger Modellpalette gegen den Wind.

Der Multivan - das ist einer, mit dem die kinderreiche Familie am Samstag zum Auswärtsspiel und sonntags zu Oma und Opa reist. Was kaum einer weiß: Als Business-Modell ist der Wolfsburger ein rollender Konferenzsaal und eines der teuersten Serienautos auf dem Markt. Größer kann Understatement kaum sein: Wer an einer Luxus-Renn-Limousine wie dem Mercedes S 63 AMG das Typenschild entfernen lässt, der ist im Vergleich zum Fahrer des Edel-Multivans geradezu ein Aufschneider. Den Multivan gibt es nicht nur als günstige Startline-Version mit kargen 102 PS und für knapp unter 30.000 Euro. Es geht auch anders – und kaum einer merkt’s: Dunkle Seitenscheiben, Breitreifen, Xenonlicht und dunkle Rückstrahler – könnte alles auch aus dem gut sortierten Zubehörhandel stammen. Der VW Multivan Business dürfte bei kaum jemandem in Nachbarschaft Neidgefühle wecken. Selbst die Bezeichnung Business erinnert eher an ein müdes Ausstattungspaket mit Navigationssystem, Autotelefon und Sitzheizung. Dass alles und noch viel mehr bietet auch der T5 - für die oberen Zehntausend und für mehr als 133.000 Euro.

Doch was macht diesen Luxus-Bully so unglaublich teuer? In dieser Liga kauft man sonst bei Lamborghini, Maserati oder AMG ein. Der Multivan Business ist ein fahrender Konferenzsaal. Eine interaktive Kommandozentrale für all diejenigen, die sich nur das Beste gönnen. Im Fond einer S-Klasse oder eines Maybach 57S ist nur für zwei Personen Platz. Wer dagegen unter acht Augen und immer dynamisch unterwegs über die Geschicke von Firmen und die Strategien der nächsten Jahre konferieren möchte, der kommt an der norddeutschen Business-Line schwerlich vorbei.

"Der normale Multivan kommt vom Band und wird von unserer Individualisierungsabteilung in Handarbeit komplett umgebaut“, erklärt Volkswagen-Sprecher Jens Bobsien. Vom gewöhnlichen T5-Lastenträger bleibt kaum noch etwas übrig außer Hülle und Motor. Armaturenbrett, Sitze, Innverkleidungen und sogar die Kabelstränge werden ausgetauscht, mit edelstem Leder bespannt und auf Wunsch sogar noch in der Farbe des Leders angepasst. Die Fonttüren öffnen im Gegensatz zu Heckklappe elektrisch und eine eigene Klimaautomatik sorgt für angenehme Rahmenbedingungen selbst bei hitzigsten Diskussionen. Die Serienausstattung des Business-Geschosses lässt nach drei- bis vierwöchigem Umbau bei VW in Hannover kaum mehr Wünsche offen.

Elektrisch verstellbare Pullman-Einzelsitze im Fond, elektrisch ausfahrbare Tische, DVD-Entertainment, Faxgerät, Drucker, Scanner und Videoleinwand sorgen für eine Ausstattungsliste in Stuttgarter Dimensionen. Die integrierten LED-Spots in der Deckenverkleidung wären selbst für die meisten Immobilen eine Show. Und für lange Meetings zwischen Hamburg und München kommen die wohl temperierten Getränke aus der Kühlbox. Laut werden müssen die Diskutanten übrigens auch bei hohem Autobahntempo mit: Sechs Mikrofone im Dachhimmel und die integrierten Radiolautsprecher sorgen technisch für beste Beschallung. Eine Telefonkonferenz ist über die Mikrofone ebenfalls kein Problem.

Dass man in solchen Kreisen auch standesgemäß motorisiert sein möchte, versteht sich von selbst. Auf Hightech-Triebwerke wie sie die Volkswagen-PKW längst bieten, muss der Multivan-Chauffeur bis dato verzichten. Auch hier gibt es trotz 130.000 Euro solide Hausmannskost – nicht mehr und nicht weniger. Entweder man entscheidet sich für den kraftvollen, aber rauen Fünfzylinder-Diesel mit 128 kW/174 PS oder für den 3,2 Liter Sechszylinder-Benziner mit 173 kW/235 PS. Beide sind mit einer weich abgestuften Sechsgang-Automatik unterwegs, die allerdings einiges der Motorleistung schluckt. Mit dem Leergewicht von deutlich über 2,5 Tonnen haben beide Versionen íhre liebe Mühe. Den stimmigeren Eindruck vermittelt der Sechszylinder, der sich bei flotter Gangart aber auch als überaus durstiger Dauerläufer entpuppt.

Die zugesagten 12,5 Liter Super auf 100 Kilometer lassen sich kaum realisieren. Und so gehen die meisten Edellaster mit Benzinerherz in die kaufkräftige Schweiz als Shuttle- und VIP-Fahrzeuge. Die Höchstgeschwindigkeit des Sechszylinders liegt bei 205 km/h. Auf besonderen Wunsch kann man den Multivan Business nach erfolgter Auflastung sogar mit Allradantrieb ausstatten lassen. Neben ABS und Airbags sorgen unter anderem ESP sowie eine Gespannstabilisierung für die Sicherheit an Bord.

Das alles hat denn auch seinen Preis. Der Volkswagen Multivan mit dem unspektakulären, aber nachhaltig teuren Namen Business kostet als TDI-Automatik mindestens 133.000 Euro – der Benziner ist nochmals rund 1.000 Euro teurer. Dass bei einem solchen Preis das Multimedia-System nochmals 14.815 Euro extra kostet, mag einem ebenso perfide vorkommen wie die Radsschrauben mit Diebstahlsicherung für 21 (einundzwanzig) Euro Aufpreis, das Tagfahrlicht für 44 Euro oder anklappbare Außenspiegel für 151 Euro.

Wer ein paar Zehntausender sparen will, sollte mit dem identisch motorisierten VW Multivan Highline liebäugeln. Der ist bereits für rund 54.000 Euro zu bekommen. Da bleibt noch einiges für einen ausgiebigen Ausflug zum Tuner, um den Bus prächtig mit allen erdenklichen Extras auszustaffieren. Man lernt eben nie aus. Beim nächsten VW-Bus an der Ampel also einfach mal genauer hinsehen: Von wegen Großfamilienschaukel - er könnte glatt das Doppelte der eigenen S-Klasse kosten. Das ist wahres Understatement.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2008-01-27

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