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Testbericht

Jürgen Wolff, 28. November 2008
Der Name ist Programm: IQ steht normal für Intelligenz-Quotient. Toyota nennt seinen neuen Kleinstwagen so. Viel Hirnschmalz haben die Japaner in seine Konstruktion gesteckt - aber nicht alle Ansprüche erfüllt.

Toyotas Marketingabteilung durfte sich anscheinend so richtig austoben. "Das neue Auto für die nachhaltige Gesellschaft von Morgen" sei der kleine iQ. Der "kleinste Viersitzer der Welt". Und die personifizierten Beispiele für die iQ-Zielgruppe der "New Yuppies" entsprechen wohl eher einer Selbstbeschreibung: Die typischen iQ-Kunden leben demnach im 2-Personen-Haushalt, sind knappe 30 Jahre jung, sie arbeitet als erfolgreiche Rechtsanwältin, er als nicht minder erfolgreicher Manager einer Event-Agentur. Kein Wunder, dass Toyota bei dieser Zielvorgabe die angepeilte Verkaufszahl des iQ in Deutschland mit 10.000 Exemplaren pro Jahr eher bescheiden ansetzt. Anspruch und Wirklichkeit klaffen denn auch nicht nur bei der Kundenbeschreibung in weiten Teilen ziemlich auseinander.

Technisch ist der iQ zum großen Teil in der Tat ein kleines Wunderwerk. Um ihn so kurz zu halten, dass er dem Smart Konkurrenz machen kann und dennoch innen deutlich mehr Platz bietet, haben die Ingenieure um den iQ-Chefkonstrukteur Hiroki Nakajima viele neue und durchaus zukunftsweisende Ideen umgesetzt. Das Lenkgetriebe etwa ist im Motorraum ganz nach oben gewandert und lässt so einen kompakteren Motoreinbau zu. Das Differenzial, gewöhnlich hinter dem Getriebe eingebaut, liegt im iQ vor Motor und Rädern. Der Tank ist nur zwölf Zentimeter hoch und befindet sich nicht wie üblich hinten sondern unter den Vordersitzen. Die Klimaanlage wurde um rund 25% geschrumpft, das sorgt für eine ausgesprochen schlanke Mittelkonsole. Die Sitzlehnen sind deutlich weniger dick als üblich und bieten dennoch ausreichend Halt und Stabilität. Schließlich verpassten die Designer dem Armaturenbrett einen asymmetrischen Schwung und ersetzten das Handschuhfach durch eine Falttasche - das bietet dem Beifahrer mehr Beinfreiheit nach vorne. Die gedrungene Karosserie des iQ wurde um diese Innovationen herum gebaut - und gibt ihm mit ihren Ecken, Kanten und Sicken einen unverwechselbaren Charakter.

Die Räder sitzen so weit wie möglich außen. Das verschafft ihm bei 2,985 Metern Gesamtlänge einen vergleichsweise extrem langen Radstand von zwei Metern. Der knapp 30 Zentimeter kürzere Smart muss mit 1,867 Metern auskommen. Zusammen mit der aufwändigen Radaufhängung (MacPherson Federbein vorne, Torsionslenkerachse hinten) sorgt dieser Radstand beim iQ für sehr ordentlichen Fahrkomfort. Während der Smart auf schlechter Straße gelegentlich hoppelt wie ein Osterhase, rollt der iQ selbst dann noch ab wie ein deutlich größeres Fahrzeug der Kompaktklasse. Der größeren Länge und dem Radstand geschuldet ist auch der im Vergleich zum Smart üppiger bemessene Innenraum. Nur: Ganz so komfortabel, wie Toyotas Werber glauben machen, ist er dann doch nicht. Der iQ als Zweisitzer - bestens. Jeder Passagier mehr ist allenfalls ein Kompromiss. Ein Trick, mit dem Platz für die zusätzlichen Passagiere geschunden wird, ist der nahezu vollständige Verzicht auf Laderaum. Voll bestuhlt bietet der iQ nur noch 32 Liter Köfferchenraum - genau so groß ist auch sein Benzintank. Hinter die Rücksitze passt damit nicht einmal eine Aktentasche. Den Smart mit seinen 220 Litern Laderaum dagegen aufzurechnen, wäre unfair - denn der schafft das auch nur als dezidierter Zweisitzer. Legt man beim iQ die Rücksitze um, erweitert sich die Ladekapazität auch auf 238 Liter.

Selbst als Dreisitzer für Erwachsene geht der iQ nur mit viel Wohlwollen und Leidensfähigkeit durch. Der Fahrer hat es zwar durchaus bequem - die beiden Passagiere neben ihm hocken aber reichlich gequetscht und eng gefaltet hintereinander. Wirkliche Beinfreiheit hat keiner der beiden. Und hinten hat man auf dem relativ unbequemen Gestühl mit zu kleinen Sitzauflagen schnell steife Knochen. Zudem sorgt Gepäck, dass sich dann ja nur auf dem umgeklappten Sitz hinter dem Fahrer verstauen lässt, für ein sehr beengtes Raumgefühl. Mögen Kinder hinten ihren Spaß haben - für Erwachsene taugen diese Sitze allenfalls als Notbehelf und auf kurzen Strecken. "Der kleinste Viersitzer der Welt" ist der iQ vielleicht im juristischen Sinne - aber nicht für vier Erwachsene. Ehrlicher wäre die Deklaration als 2+2-Sitzer. Zwiespältig ist auch die Sache mit der "Nachhaltigkeit". Den iQ wird es zunächst in zwei Motorisierungen geben. Wirklich nachhaltig ist keine davon. Der 1,0-Liter Benziner mit seinen 50 kW/68 PS ist nicht neu - seine drei Zylinder treiben schon den Aygo an. Dort liegt der Verbrauch bei 4,6 Liter Super. Im iQ, der nur 20 Kilogramm weniger Gewicht auf die Waage bringt als der Aygo, sind es 4,3 Liter. Das ist wenig - aber in der Klasse der Mikroautos keineswegs herausragend wenig. Der Smart liegt mit "micro hybrid drive" auf gleichem Niveau, schluckt in der normalen Benzinversion einen halben Liter mehr.

Ähnlich der Diesel. Auch das ist ein - leicht modifizierter - alter Bekannter, diesmal aus dem Yaris. Der Diesel kommt auf 66 kW/90 PS und verbraucht im iQ durchschnittlich 4,0 Liter. Der deutlich schwerere Yaris liegt bei 4,5 Liter Verbrauch. Smart ist da in Sachen "Nachhaltigkeit" deutlich besser: Der Fortwo mit CDI-Motor verbraucht 3,3 Liter Diesel auf 100 km. Wohlbemerkt: Es geht dabei nur um den grünen Touch - der iQ ist keineswegs das ökologisch korrektere Auto. Eine ökologiefreie Wertung lässt den iQ bei den Fahrleistungen dagegen deutlich besser weg kommen als den Smart. Vor allem mit Diesel. Der kleine Toyota lässt sich deutlich agiler und komfortabler fahren als ein Smart. Die 90 PS des Selbstzünders treiben ihn ausgesprochen flott voran. 11,9 Sekunden braucht er von 0 auf 100 km/h, Schluss ist erst bei 170 km/h. Da kommt der Smart aus gutem Grund nicht ran - selbst beim Brabus-Smartie ist bei 155 km/h der Ofen aus. Im iQ hat man auch bei Top Speed zu keiner Sekunde ein ungutes Gefühl - im Smart wird einem ab 140 km/h vor allem in Kurven doch mitunter mulmig.

Als Fahrer fühlt man sich im iQ durchaus wohl. Der gefühlte Platz ist mehr als ausreichend, Pedale, Lenkrad, Instrumente liegen gut in Griff- und Sichtweite, ein Hinweis im Display rät spritsparend zum Gangwechsel, das Lenkrad ist griffig, die Lenkung präzise. Mit sechs Gängen lässt sich der Diesel jederzeit bei optimaler Drehzahl halten. Der geradezu mickrige Wendekreis von 7,8 Metern ist in engen Gassen eine dauernde Freude. Das Navi (Aufpreis 959 Euro) liegt blickgünstig, hat einen großen Bildschirm, reagiert manchmal aber etwas träge. Und die schmale Mittelkonsole verschafft dem rechten Knie viel Platz. Zu zweit macht der iQ Spaß. Wenig Spaß macht dagegen die Preisgestaltung. 12.700 Euro will Toyota mindestens für einen iQ mit Benzinmotor und 5-Gang-Handschaltung haben. Wer sich einen schon serienmäßig sehr gut ausgestatteten iQ in der Plus-Version mit Diesel zulegt, der muss mindestens 16.300 Euro hinblättern. Mit ein paar Extras sind 18.000 Euro durchaus drin. Einen als Stadtfahrzeug nicht weniger geeigneten Smart bekommt man ab 9.850 Euro. Und selbst beim Diesel-Smart wird man Mühe haben, ihn über 16.000 Euro zu treiben. Auch im eigenen Haus gibt es durchaus Alternativen. Der Aygo mag zwar nicht so "stylish" aussehen wie der iQ - dafür hat er den gleichen Benzinmotor, deutlich mehr Platz und kostet mit allen Extras nicht mehr als der iQ.
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Quelle: press-inform, 2008-11-28

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