Testbericht

Jürgen Wolff, 23. November 2014
Alles neu beim neuen Vitara. Suzuki modelt den urigen Geländegänger zum Lifestyle-SUV um. Dem ist nicht nur das Reserverad auf der Hecktür zum Opfer gefallen.

Suzukis neuer Vitara ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine kleine Revolution: Das neue SUV der Japaner ist deutlich kürzer als sein Vorgänger und knüpft so eher an den Vor-Vorgänger an, Suzuki beugt sich den modischen Design-Vorlieben und verpasst dem Vitara ein Äußeres, das nicht mehr viel mit einem Geländewagen, aber um so mehr mit einem Lifestyle-SUV für die Boulevards dieser Welt zu tun hat. Glänzte der Vitara bisher nicht gerade mit Extras und Assistenzsystemen, so bieten die Japaner jetzt eine ganz beachtlich Liste. Und schließlich: Es gibt nur noch einen - viertürigen - Vitara und keine kompakte Version mehr mit drei Türen.

Mit 4,17 Metern Länge ist der neue Suzuki Vitara 13 Zentimeter kürzer als der SX4 S-Cross, auf dessen Baukasten der neue Vitara aufbaut. Auch die Maße von 1,77 Meter für die Breite und 1,61 Meter für die Höhe klingen nicht gerade imposant. Beim Radstand kommt der Vitara auf 2,50 Meter - immerhin das sind zehn Zentimeter mehr als der SX4 S-Cross. Selbst beim Laderaum schlägt der S-Cross mit 430 Litern den Vitara deutlich - der kommt mit seinen 375 Litern Packraum gerade mal knapp an den VW Golf heran. Der Laderaum kann wie üblich durch das Umklappen der im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen erweitert werden - allerdings ist der Ladeboden dann nicht eben. Anders als bisher öffnet sich die rechts angeschlagene Heckklappe nicht mehr zur Seite, sondern schwingt nach Oben. Vorteil: Beim Parken entlang des Bürgersteiges ist die Tür nicht mehr im Wege. Nachteil: Da nun das Reserverad nicht mehr außen auf der Tür montiert werden kann, verliert die von vielen Grand Vitara-Kunden so sehr geschätzte rustikale Optik ein weiteres Element.

Als Offroader mag Suzuki den neuen Vitara denn auch gar nicht mehr gelten lassen - eher als urbanes Alltags-SUV. Wer es "rugged" haben will, für den bietet Suzuki gerade mal eine Ausstattungsvariante, bei der die Chromteile in mattem Grau lackiert sind. In vielen Bereichen hat der Vitara gegenüber dem Vorgänger zweifellos gewonnen. Bei der Beleuchtung zum Beispiel. War der Frontscheinwerfer des Grand Vitara eher ein Funzelchen, so hat Suzuki bei den Lichtwerfern nun deutlich aufgerüstet - auf Wunsch gibt es sogar LED-Scheinwerfer. In Maßen läßt sich der neue Vitara individualisieren: Das Dach ist in einer eigenen Kontrastfarbe zur übrigen Karosserie bestellbar. Noch mehr verändert hat sich innen. Alles macht einen etwas wertigeren Eindruck als beim Grand Vitara, in dem - allerdings unempfindliches - Hartplastik fröhliche Urstände feierte. Unaufgeräumt war das Cockpit auch bisher nicht. Nun aber wirkt es noch einen Schlag klarer und funktionaler. Nett: die analoge Uhr im Zentrum des Armaturenbretts. Die Sitze sind griffig und lassen sich auch für größere Mitmenschen weit genug nach hinten verschieben. Dann allerdings wird es für die Frontpassagiere doch recht eng.

Das Lenkrad läßt sich nach wie vor nur in der Neigung, nicht aber in der Tiefe verstellen. Die Lenkung selber ist ausreichend direkt und bietet eine ordentliche Rückmeldung von der Straße. Die manuelle 5-Gang- (Benziner) oder 6-Gang-Schaltung (Diesel) ist exakt geführt. Vom Fahrwerk her ist der Vitara deutlich komfortabler ausgelegt als sein Vorgänger. Lange Bodenwellen nimmt er lässig, nur gelegentlich quittiert er allzu schlechte Straßen mit einem unwilligen Poltern der Hinterachse. Den Vitara wird es als Fronttriebler und mit Allradantrieb geben. Über einen Drehschalter beim Gangwahlhebel läßt sich bei den 4x4-Vitara einer von vier Fahrmodi auswählen: Auto, Sport, Snow und Lock. Im Auto-Modus wird der Vitara normalerweise über die Fronträder angetrieben. Fehlt dort der nötige Grip, schaltet das System auf Allradantrieb um. Der Sportmodus steuert den Kraftfluss an alle vier Räder, um die Kurvenfahrt zu optimieren. Der Snow-Modus ist für glatte Untergründe gedacht und soll die Traktion verbessern. Und der Lock-Modus sorgt schließlich dafür, dass bei schwierigem Untergrund die Kraft von einem durchdrehenden Rad auf die Räder verlagert wird, die noch genügend Grip haben.

So gut wie nichts mehr zu tun mit dem alten Grand Vitara hat der neue Vitara in Sachen Extras und Assistenzsysteme. Für den Vorgänger waren zwar auch schon Dinge bestellbar wie ein Regensensor, eine Alarmanlage oder eine akustische Einparkhilfe. All das wirkte allerdings nicht nur wie nachträglich eingebaut - das war auch der Job der Händler-Werkstatt.

Der neue Vitara bietet dagegen von vorne herein eine längst überfällige Vielzahl von Assistenzsystemen. Ein Navigationssystem von Bosch etwa, das zwar nicht die optischen Spielereien vieler aktueller Systeme bietet, dafür aber einfach zu bedienen ist und klar in den Anweisungen. Oder eine ebenso einfache wie schnelle Bluetooth-Anbindung. Oder Rückfahrkamera, Tempomat, Bergabfahrhilfe, Abstandswarner, (Not)bremsassistent - alles Hilfen, die es beim Grand Vitara nicht für Geld und gute Worte gab. Auch bei der Wahl der Motoren bedient Suzuki sich für den neue Vitara beim SX4: Es gibt einen Benziner und einen Diesel. Beide liefern aus 1,6 Litern Hubraum 88 kW/120 PS. Einen Unterschied gibt es immerhin beim maximalen Drehmoment: Der Benziner bietet mit 156 Nm deutlich weniger Antritt als der Selbstzünder mit 320 Nm.

Zumindest was den Diesel betrifft, war ein Update für den Vitara mehr als überfällig: Der alte 1,9-Liter-Diesel sorgte dank seiner schüttelnden Ruppigkeit und Geräuschkulisse zuverlässig für das Gefühl, in einem Traktor zu sitzen. Im neuen Vitara ist der kultivierte 1,6-Liter-Diesel nun die einzige ernst zu nehmende Option. Der Benziner verlangt mit seinem erst bei 4.400 U/min. anliegenden maximalen Drehmoment von 156 Nm nach drehfreudigem Treten. Das Beschleunigen wird - etwa auf der Autobahn im fünften Gang - zu einer schier unendlichen Geschichte. Ganz anders der Diesel: Ein Kick aufs Gaspedal - und der Suzuki geht willig ab.

Wie viel die neuen Vitara an Kraftstoff verbrauchen, mag man bei Suzuki noch nicht endgültig sagen. Die Benziner sollen - je nach Antriebsart und Schaltung sowie dank der sehr gut funktionierenden Start-/Stopp-Automatik - im Schnitt zwischen 5,3 und 5,7 Liter auf 100 Kilometer schlucken, geben die Japaner als "Zielvorgabe" an. Noch gar keine Liter-Zahl gibt es beim Diesel. Nur soviel: Der CO2-Ausstoss soll beim Fronttriebler 106 g/km und bei der Allradversion 111 g/km betragen - das entspräche umgerechnet rund 4,2 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Ein Geheimnis machen die Japaner auch noch um den Preis für den neuen Vitara, der Ende des ersten Quartals 2015 bei den Händlern stehen soll. Der Vorgänger kostete zuletzt ab knapp unter 20.000 Euro. Der neue dürfte schon angesichts seiner Wettbewerber preiswerter werden und auf einer Linie liegen mit dem Skoda Yeti (ab 18.650 Euro) oder dem Opel Mokka (ab 18.990 Euro).
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2014-11-23

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