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Testbericht

Stefan Grundhoff, 18. Januar 2008
Vor einem Jahr hat Nissan seine eher konservative Stammkunden überrascht: Der kompakte SUV mit Namen Qashqai löste den müden Almera ab. Wem dieser Crossover zu innovativ ist, kann nun zum Tiida greifen.

Mit dem innovativen Qashqai landete Nissan in der heiß umkämpften Golf-Klasse einen der wenigen Volltreffer der letzten Jahre. 2007 werden allein in Deutschland mehr als 16.000 Kompakt-SUV verkauft werden und die Wartezeiten sind lang. Die Kundennachfrage bei dem neuen, recht hausbackenen Tiida dürfte dagegen deutlich zurückhaltender verlaufen. Der 1,3 Tonnen schwere "Japaner" ist ein Weltauto und wird im mexikanischen Civac produziert. Ganz nebenbei ist er der meistverkaufte Nissan weltweit: In den USA und in Japan ist er seit mehreren Jahren auf dem Markt. Und selbst in Dubai ist er ein fester Bestandteil des Straßenbildes. Hierzulande will man nach dem Händlerstart im Januar jährlich gut 6.200 Fahrzeuge vor allem an traditionsbewusste Kunden verkaufen. Und so präsentiert sich der 4,30 Meter lange Fünftürer als zwar solide, aber wenig emotionsvolle Alternative zu Golf, Astra, i30 oder Bravo.

Die Formen sind gefällig, aber wenig innovativ. Und die leichten optischen Anleihen von 350Z und Murano bringen ebenfalls wenig Charisma in den Tiida. Doch Nissan legt Wert darauf, dass man mit ihm in erster Linie konservative Kunden abgreifen will, die bereits seit Jahren einen Nissan fahren und sich bei Almera und Co. besser aufgehoben fühlten als im Qashqai.

Gut aufgehoben fühlt man sich auch im Innenraum des mexikanischen Japaners. Er gehört zu den geräumigsten Fahrzeugen seinen Klasse und glänzt mit viel Bein- und noch mehr Kopffreiheit. Auch vorne hat man üppig Platz. Wenig überzeugend präsentieren sich allein die unwillige Sitzverstellung am Mitteltunnel, das nur in der Höhe zu verstellende Steuer und die geringe Beinauflage. Im Fond sieht es Dank des 2,60 Meter langen Radstandes noch geräumiger aus. Die verschiebbare und in der Neigung verstellbare Rückbank bietet Passagieren alle Möglichkeiten. Leider sind die hinteren Kopfstützen viel zu kurz und die Sitze dürften auch hier gerne etwas üppiger dimensioniert sein. Der Kofferraum schluckt je nach Stellung der Rückbank zwischen 300 und 425 Liter, die maximale Innenlänge liegt bei 1,84 Metern. Noch mehr Laderaum gibt es in der 4,48 Meter langen Stufenheckversion des Tiida – hier stehen eindrucksvolle 500 Liter zur Verfügung.

Ebenso unspektakulär wie das Styling präsentiert sich das Fahrverhalten des vier- und fünftürigen Nissan-Doppels, dass in den USA und Japan unter dem Namen "Versa" unterwegs ist. Ebenso wie Modus/Grand Modus oder Nissan Note ist der Tiida auf der zusammen mit Renault entwickelten B-Plattform unterwegs. Die McPherson-Vorderachse sorgt zusammen mit der Verbundlenkerhinterachse für ein gutes und vor allem komfortables Fahrverhalten. Die Schaltung ist ebenso leichtgängig wie die elektrische Servolenkung. Sechs Airbags, ABS und ESP verhindern im Notfall das schlimmste.

Nissan erwartet, dass sich die meisten Kunden für das 110 PS starke Basismodell entscheiden. Der 1,6 Liter große Vierzylinder mit 81 kW/110 PS und 153 Nm maximalem Drehmoment ist eine solide Basis. 0 auf 100 km/h in 12,6 Sekunden und 186 km/h Spitze liegen ebenso auf dem Niveau der Konkurrenzmodelle wie ein Durchschnittsverbrauch von knapp sieben Litern Super auf 100 Kilometern. Ein Sparangebot ist der Tiida 1.6 selbst in der Basisausstattung Visia jedoch nicht. Ohne Klimaanlage kostet er 15.990 Euro. Das erwartete Volumenmodell Tiida 1.6 Acenta startet bei 18.590 Euro. Dafür gibt es neben einer Klimaautomatik Nebelscheinwerfer, Soundsystem und eine Bluetooth-Schnittstelle.

Interessant wäre eigentlich der gleichermaßen gut ausgestattete wie sparsame Diesel Tiida 1.5 dCi Tekna. Der 106 PS starke Diesel fällt jedoch nicht nur durch seinen kraftvollen Durchzug von 240 Nm und einen ungewohnt lauten Motor auf, sondern auch durch einen straffen Basispreis von 21.540 Euro. Angesichts des harten Preiskampfes zwischen den Konkurrenten dürften sich die Nachfragen in dem sonst starken Dieselsegment also in Grenzen halten. So dürfte der variablere Note oder der multifunktionale Qashqai für viele doch die interessantere Wahl sein: Der gleich motorisierte Diesel-Qashqai zum Beispiel ist glatte 400 Euro preiswerter als der Tiida.
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Quelle: press-inform, 2008-01-18

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