Testbericht

Sebastian Viehmann, 4. April 2009
Der 370 Z ist einer der letzten echten japanischen Sportwagen. Der neue Nissan-Renner ist nur marginal teurer als der 350 Z, hat aber deutlich mehr Alltagstauglichkeit zu bieten, Und natürlich das Wichtigste: mehr Power.

Es ist einsam geworden in der Reiskocher-Fraktion. Honda schickt seinen S2000 in Rente, Toyota hat schon lange keinen Sportwagen mehr im Programm und dem Mazda RX-8 fehlt einfach der Biss. Der Nissan 370 Z bleibt einer der wenigen Leuchttürme im Nebel – auch in der Wirtschaftskrise, die viele japanische Hersteller zu radikalen Sparmaßnahmen treibt. Nissan will weiter auf Sportlichkeit setzen: Die Roadster-Version des 370 Z werde 2010 anrollen, bestätigt Firmensprecher Michael Bierdümpfl. Zudem kursieren Gerüchte in der Branche, dass die Japaner einen weiteren Sportflitzer unterhalb des Z in der Pipeline haben sollen.

Im Juli kommt nun erst einmal das Z-Coupé - und dem hat Nissan reichlich Feinschliff angedeihen lassen. Die grundsätzliche Cockpitstruktur samt den drei Zusatzinstrumenten auf dem Armaturenbrett ist geblieben, doch eine neue Uhrensammlung und aufgefrischte Bedienungselemente fallen ins Auge. Auch in Sachen Alltagstauglichkeit hat der Z gewonnen. Die Zahl der Ablagen ist gestiegen und der Kofferraum kommt dank höherer Karosseriesteifigkeit nun ohne Domstrebe aus. Die hatte beim 350 Z das Beladen arg erschwert. Mit 235 Litern ist das Gepäckabteil immer noch recht mager – der Porsche Cayman fasst 410 Liter, der BMW Z4 310 Liter, der Mercedes SLK 300 Liter und der Audi TT 290 Liter. Unpraktisch bleibt im Nissan die Bedienkonsole des Navigationssystems in der Mitte des Armaturenbretts.

Die V6-Maschine des Nippon-Renners ist auf 3,7 Liter Hubraum gewachsen, als Front-/Mittelmotor hinter der Vorderachse platziert und 243 kW/331 PS stark. Der Drehmoment-Gewinn im Vergleich zum Vorgänger fällt moderat aus. Doch 366 Newtonmeter in Verbindung mit dem Hubraum-Plus sorgen dafür, dass man das Aggregat keineswegs immer besonders hoch drehen muss, damit es voran geht. Mit 1,5 Tonnen ist der Z kein Leichtgewicht, bringt dank mehr Aluminiumteilen aber 32 Kilogramm weniger auf die Waage als der Vorgänger. Der Nissan stürmt kraftvoll, aber kontrolliert vorwärts. Er beschleunigt in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h (Cayman S: 5,2 Sekunden Sekunden, Z4 sDrive 35i: 5,1 Sekunden, SLK 350 Sport: 5,4 Sekunden). Bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. Mit Automatik an Bord ist der Z drei Zehntel langsamer. Etwas enttäuschend ist der Sound des Sechszylinders – im Vergleich zum Cayman oder Z4 wirkt er ein wenig zu zahm.

Die Siebengang-Automatik lässt sich mit Schaltwippen am Lenkrad von Hand bedienen und ist reaktionsschnell. Es gibt ein leichtes, aber spürbares Rucken beim Gangwechsel, das zumindest Doppelkupplungsgetriebe-verwöhnten Fahrern auffallen dürfte. Die Sechsgang-Handschaltung hat gewohnt kurze Wege und ist optional mit einem System namens "Synchro Rev Control" kombiniert: Der Nissan gibt dann beim Herunterschalten automatisch Zwischengas. Das ist zu Beginn ungewohnt, bringt aber weniger Hektik in den Gangwechsel, so dass sich der Pilot mehr aufs Lenken und Bremsen konzentrieren kann – und außerdem wird das automatische Zwischengas zum ersten Mal bei einem Handschalter angewandt.

Dank des serienmäßigen Lamellen-Sperrdifferenzials hat der Z fast nie Probleme damit, seine geballte Kraft über die Hinterräder auf den Asphalt zu übertragen. Die Gewichtsverteilung (53 Prozent vorn, 47 Prozent hinten) ist ausgewogen, doch der Japaner fährt sich anders als zum Beispiel der Mittelmotor-Sportler Boxster. Der Porsche bleibt extrem lange neutral, der Nissan zuckt moderat, aber relativ schnell mit dem Heck. Allerdings kündigt sich das frühzeitig an, so dass der Pilot noch vor dem ESP-Eingriff Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Auch bei ausgeschaltetem ESP gibt das knackige Nissan-Fahrwerk rechtzeitige Warnsignale. Wer sich als Drift-Künstler versuchen möchte, hat mit dem Z wohl das optimale Trainings-Objekt gefunden. Für den nötigen Seitenhalt während der Kurvenjagd sorgen anschmiegsame Sportsitze.

Etwa 640-mal will Nissan den 370 Z in diesem Jahr in Deutschland verkaufen. In Europa war der Wagen schon immer ein Außenseiter, die meisten Autos gingen stets in die USA. Dabei fährt der Z der Konkurrenz beim Preis-/(PS)-Leistungsverhältnis davon: Das Basismodell "Base" kostet 38.690 Euro, mit "Pack"-Ausstattung sind es 41.190 Euro. Ein Audi TT Coupé 3.2 quattro (250 PS) ist ab 41.300 Euro zu haben, der TTS (272 PS) ab 45.400 Euro. BMW will für den Z4 sDrive35i (306 PS) 47.450 Euro sehen, Mercedes für den SLK 350 (305 PS) 47.689 Euro und Porsche für den Cayman S (320 PS) satte 61.493 Euro.

Der 370 Z Pack hat unter anderem Klimaautomatik, beheizte und elektrisch verstellbare Ledersitze, Tempomat, Xenon-Scheinwerfer und ein CD-Soundsystem an Bord. Das Thema Aufpreise ist bei Nissan im Gegensatz zur Konkurrenz schnell abgehandelt – 2100 Euro für die Automatik und 2300 Euro für das Navigationssystem sind die einzigen nennenswerten Extraposten.
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Quelle: press-inform, 2009-04-04

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