Testbericht

Jürgen Wolff, 12. Februar 2010
Im März kommt der Nachfolger des Hyundai Tucson. Der ix35 folgt der neuen Nomenklatur der Koreaner - bringt er auch das Potenzial mit, um erfolgreich den Spuren seines Vorgängers zu folgen?

Hyundai ist auf dem i-Trip: Tschüss, Getz, Atos, Accent & Co.. Hallo i10, i20 und i30. Auch bei den SUV, dem Herzstück der Hyundai-Palette, hat das große Umtaufen schon begonnen: Über Tucson und Santa Fe wird man künftig wohl wieder mehr in Wildwest-Romanen stolpern als beim Lesen der Hyundai-Prospekte. Den großen ix55 gibt es bereits seit Mitte 2009, jetzt folgt der kompaktere ix35. Der soll Nachfolger des erfolgreichen, aber auch optisch in die Jahre gekommenen Tucson werden, von dem die Koreaner seit Herbst 2004 in Europa jährlich über 60.000 Stück verkauft haben. Das Wort "billig" haben die Koreaner nicht nur bei Hyundai längst aus ihrem Wortschatz gestrichen. Und auch der ix35 ist keineswegs ein billiges Auto - weder beim Preis noch in der Erscheinung. Mit einem Einstiegspreis von 20.990 Euro für den 2.0-Liter-Benziner mit Frontantrieb ist man gut, aber nicht ausgesprochen preiswert bedient. Škoda etwa verlangt für einen in etwa vergleichbaren frontgetriebenen Yeti 17.990 Euro. Der hat zwar nur einen 1,2-Liter-Benziner mit - dank TSI - nur 105 PS statt der 163 PS des Hyundai. Doch mit 177 km/h Spitze ist der Yeti nur wenig langsamer als der ix35 mit 184 km/h, schluckt dafür aber auch nur 6,4 Liter Super statt der 7,6 Liter des ix35.

Bei den Selbstzündern mit Allradantrieb sieht das Bild schon anders aus. Der 2.0-Liter-Diesel 4WD kostet bei Hyundai in der 136 PS-Version 25.890 - Škoda ruft für den halbwegs vergleichbaren 2.0 TDI dagegen bereits 27.590 Euro auf. Toyota RAV4, Suzuki Grand Vitara - sie alle spielen ein paar hundert Euro mehr oder weniger in der gleichen Preisklasse. Billig ist Hyundai auch längst nicht mehr im Look & Feel. Der Tucson, mit dem Hyundai auf dem europäischen SUV-Markt seine Erfolge vor allem eingefahren hat, wirkt mit seinen rundgelutschten Formen mittlerweile ziemlich altbacken. Sein Nachfolger ix35 kommt nun wieder in einer Optik daher, die auf der Höhe der Zeit ist. Verantwortlich dafür ist ein Deutscher: Thomas Bürkle, Chefdesigner im Hyundai Motor Europe Designstudio in Rüsselsheim. Da das Kind einen Namen haben muss, nennt er die neue Hyundai-Designlinie "fluidic sculpture". Das Auto sei für ihn "eine Art dreidimensionale Skulptur: Flüssige Formen, die Licht und Schatten erzeugen, lassen den Fahrzeugkörper lebendig erscheine."

Konkret heißt das beim ix35: Die Front wird beherrscht von einem sechseckigen Grill und zwei markanten Powerdomes auf der Motorhaube. "Dieses Layout", sagt Bürkle, "steht für das zukünftige Hyundai-Markengesicht aller Modelle." Dazu kommt beim ix35 eine charakteristische Seitenansicht, geprägt von einer bogenförmig gespannten Sicke, die vorne und hinten in einem gespiegelten doppelten Z ausläuft. Die Fensterlinie ist coupéartig geschwungen, die schlanken Heckleuchten bilden den optischen Abschluss nach hinten. Die Qualität des Außendesigns hat Hyundai innen leider nicht so konsequent durchgehalten. Das betrifft nicht das Design selbst - sondern mehr die Auswahl der verwendeten Materialien. Von der reinen Optik her haben die Koreaner auch innen große Fortschritte gemacht. Längst vorbei die Zeiten, als bei der Ankunft in Bremerhaven Supermarkt-Radios in die Allerwelts-Mittelkonsole geklatscht wurden und fertig war die Laube. Das Cockpit im ix35 ist durchdacht und durchgestylt, alles ist stimmig, einfach zu bedienen und aus einem Guss. Bis auf die Wahl der Materialien: gutes altes Hartplastik. Aber ein bisschen was muss ja auch noch übrig bleiben für das erste Facelift in ein paar Jahren. Der Innenraum selbst ist großzügig bis in die zweite Reihe. Eine Länge von 4,41 Metern, 1,82 Meter Breite und 1,67 Meter Höhe sorgen zusammen mit dem langen Radstand von 2,64 Metern für ein deutlich gewachsenes Raumangebot. Die vielfach verstellbaren Sitze sind bequem und geben für einen SUV einen guten Seitenhalt - auch längere Strecken werden in ihnen nicht zu einer ermüdenden Tor-Tour. Der Einstieg hinten ist bequem, Heckpassagiere haben trotz der leicht coupéartig absteigenden Dachlinie angemessen viel Platz über dem Kopf.

Platz genug für das Gepäck von vier Passagieren bietet auch der Kofferraum. Mit 591 Litern ist er nur ein paar Liter knapper als beim großen Bruder ix55 (598 Liter) und deutlich größer als beim Vorgänger Tucson (325 Liter). Die meisten Mitbewerber im Segment der kompakten SUV bieten weniger (Yeti 405 Liter) oder ähnlich viel (VW Tiguan 505 Liter) Ladevolumen wie der ix35. Bei umgelegter Rückbank schafft der ix35 dann 1436 Liter - auch das ein guter Mittelwert in seinem Segment. Unter der Fronthaube bietet Hyundai zum Verkaufsstart im März 2010 einen Benziner und einen Diesel, letzteren in zwei Leistungsstufen. Der neue 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel ist eng mit dem im Santa Fe verwand und arbeitet mit einem Common-Rail-System der dritten Generation. In der Top-Version schafft er 135 kW/184 PS und ein Drehmoment von 383 Nm. In den meisten Fällen völlig ausreichend ist aber schon die gedrosselte Version mit 100 kW/136 PS und 320 Nm Drehmoment. Bereits der kleine Diesel zieht den 1,5-Tonner ordentlich und sorgt dafür, dass man auch beim Überholen und am Berg angemessen voran kommt. Er läuft kultiviert und leise, nagelt allenfalls mal beim Kaltstart. Die Diesel gibt es serienmäßig mit einer präzisen 6-Gang Handschaltung, den Benziner mit 5-Gang-Handschaltung. Eine 6-Gang-Automatik ist optional. Der 136-PS-Diesel braucht laut Werksangaben in der Allrad-Version 6,0 Liter Diesel auf 100 km, in der frontgetriebenen Version sind es laut Hyundai 5,8 Liter. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von rund 150 g/km und ist in etwa Normalmaß in dieser Klasse. Der 2.0-Liter-Diesel-Tiguan etwa kommt bei 140 PS als BlueMotion mit 5,3 Litern Diesel aus, in der Normalversion braucht er 6,4 Liter. Den Suzuki Grand Vitara gibt es nicht unter 7,0 Liter, der Ford Kuga liegt über 6 Litern.

Ob Frontantrieb oder Allrad wird immer mehr zu einer Option - bei Hyundai schon beim Vorgänger. Und das ist gut so: Die meisten SUV werden nie im Gelände gefahren sondern wegen ihres Platzangebotes, ihrer Übersicht oder der gefühlten Sicherheit gekauft. Allrad muss da nicht unbedingt sein. Eine Vergleichsfahrt in beiden Autos zeigt dann auch: Mit dem Fronttriebler kommt man im Alltag bestens klar. Die Antriebskräfte im Lenkrad sind kaum zu spüren, allenfalls das Popometer registriert leicht, dass der Wagen nicht mit allen vier Rädern anfährt, sondern vorne gezogen wird. Der Vorteil des 4WD-Antriebes zeigt sich in extremen Situationen: Bei Schnee, Nässe, in flotter Kurvenfahrt. Dann lässt sich auch der ix35 mit Allradantrieb merkbar besser beherrschen. Ob einem das 1700 Euro Mehrpreis wert sind, muss man selbst entscheiden. Unsere Empfehlung wäre: ja, der Aufschlag lohnt sich. Ansonsten kommt der ix35 wie von Hyundai gewohnt schon als Basispaket sehr ordentlich bestückt an. Zu den mehr oder wichtigen Extras gehören allenfalls Automatik (1450 Euro), Navi (1720 Euro) oder Panoramadach (1100 Euro).
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Quelle: press-inform, 2010-02-12

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