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Testbericht

Marc Ziegler, 11. April 2008
Nach der Stufenheck-Limousine folgt nun der zweite Streich: Der A4-Kombi kommt, bei Audi traditionell Avant genannt. Der schicke Lifestyle-Kombi ist größer, kräftiger und etwas sparsamer geworden.

Seit der Markteinführung im vergangenen Jahr ist die A4-Limousine mehrfach ausgezeichnet worden. Entsprechend zuversichtlich sehen die Ingolstädter die Zukunft des nun ebenfalls überarbeiteten Kombis. Ob der A4 Avant allerdings tatsächlich "der schönsten Kombi seiner Klasse" ist, das liegt wie immer im Auge des Betrachters. Gute Chancen für einen Schönheitspreis jedenfalls hat der Lifestyle-Laster aus Ingolstadt. Die geschwungenen LED-Tagfahrleuchten und der markentypische Single-Frame-Grill dominieren die Front. Aufsteigende Linien an den Fahrzeugflanken und eine nach hinten abfallende Dachlinie verleihen dem Avant eine sportliche Optik. Im Innenraum geht es gewohnt stilvoll zu. Positiv wirken sich die gewachsenen Außenmaße aus. Der neue Audi Avant ist fast zwölf Zentimeter länger als sein Vorgänger. Die kommen vor allem dem Gepäckraum und dem bisher doch recht schmal geschnittenen Fond zu Gute. So sitzt man nun auch in zweiter Reihe komfortabel.

So schön das coupéhaft abfallende Heck auch ist: Die sinkende Dachkante schränkt doch den Nutzwert des Kofferraums ein. Besonders bei sperrigem Ladegut ist ein gerader Abschluss nützlich, den der Avant nicht bietet - nicht immer folgt im modernen Automobildesign die Form der Funktion. Dennoch kann sich der Laderaum des A4 Avant mit 490 bis 1430 Litern Volumen durchaus noch sehen lassen. Der Audi-Kombi liegt satt auf der Straße. Großen Anteil daran hat die deutlich nach vorne gerückte Vorderachse. Dadurch verkleinert sich der vordere Überhang, der Radstand wuchs deutliche auf nun 2808 Millimeter. Die Folge: Der Wagen verliert seine Kopflastigkeit, die die Agilität der vorherigen Generation etwas einschränkte. Der Unterschied ist denn auch deutlich spürbar: Der neue Avant lenkt spontaner ein, die Neigung der frontgetriebenen Versionen zum Untersteuern ist nahezu verschwunden. Zunächst wird der neue Avant mit je vier Benzin- und Dieselmotoren erhältlich sein. Bei den Selbstzündern hat der Kunde die Wahl zwischen zwei Versionen des 2,0-Liter-TDI mit 120 PS (88kW) oder 143 PS (105 kW). Im Herbst folgt dann noch eine weitere Ausbaustufe mit 170 PS (125 kW). Darüber sind zwei Sechszylinder verfügbar: Der 2,7 TDI mit 190 PS (140 kW) und der überarbeitete 3,0-Liter-Spitzendiesel mit nun 240 PS (176 kW) Leistung.

Bei den Benzinern bildet zunächst der 1,8-Liter-TFSI mit 160 PS (118kW) den Einstieg. Der Vierzylinder mit Abgasturbo und Ladeluftkühlung sorgt mit einem maximalen Drehmoment von 250 Nm schon ab 1500 U/min für einen ordentlichen Durchzug und bringt die knapp 1,5 Tonnen Kombi binnen 8,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Schluss ist dann bei Tempo 218. Mit der 6-Gang Handschaltung kommt der TFSI laut Audi auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter - fast ein halber Liter weniger als die Version mit der stufenlosen Multitronic-Automatik im Sportprogramm. Spitzenmotor unter den Direkteinspritzer-Benzinern ist der neu entwickelte 3,2-Liter-V6 mit 256 PS (195 kW). Dazwischen werden zwei Versionen des neu entwickelten 2,0-Liter-Turbo-FSI angeboten. Aus 1.984 cm³ mobilisieren die Aggregate wahlweise 180 PS (132 kW) oder 211 PS (155 kW). Im Herbst folgt zudem eine zweite Version des 1,8-Liter TFSI mit dann 120 PS (88 kW) als günstige Einstiegsversion. Als Kraftpaket erweist sich der 2-Liter-Turbo-FSI in seiner leistungsstärksten 211 PS-Version. Das Aggregat stemmt schon bei 1500 Umdrehungen seine vollen 350 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle, was den leichten Ingolstädter vehement antreten lässt. In nur 6,7 Sekunden ist der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h erledigt - vorausgesetzt, man wählt den Quattro. Nur damit lässt sich die Leistung nämlich optimal in Vortrieb umwandeln.

Ohnehin ist der Allradantrieb bei den leistungsstarken Versionen dringend zu empfehlen. Nicht nur weil vier angetriebene Räder mehr Traktion und damit ein Plus an Sicherheit bieten, sondern weil der Antrieb mit der hecklastigen 60:40 Kraftverteilung dem Avant eine ungeahnte Agilität verleiht. Perfekt auf sportliches Fahren abgestimmt lässt einem das überarbeitete ESP reichlich Spielraum. Sogar leichte Drifts sind mit dem System möglich, ohne die rettende Elektronik gleich in eine Zwangspause zu schicken.

Wer es besonders sportlich mag, der ordert zudem das Audi drive select. Mit dem System kann der Fahrer aus drei Programmen wählen - einem komfortablen, automatischen oder dynamischen. Je nach Einstellung variiert die Elektronik die Gasannahme des Motors, die Fahrzeughöhe und die Servounterstützung der Lenkung. Hat man die Automatik gewählt, werden auch deren Schaltpunkte entsprechend angepasst. Ist zudem das Multi Media Interface MMI an Bord, steht eine vierte, frei programmierte Option zur Verfügung, mit der man die einzelnen Komponenten seinen Bedürfnissen entsprechend anpassen kann.

Trotz all der Sportlichkeit: 6,8 Liter gibt Audi für den 211-PS-TFSI im EU-Normverbrauch auf 100 km an. Ob sich das auch in der täglichen Praxis bestätigen lässt, darf allerdings getrost bezweifelt werden - zumindest dann, wenn man den A4 Avant so sportlich bewegt, wie er sich präsentiert.

Der Einstieg in die Ingolstädter A4-Kombi-Nation ist ab 30.600 Euro zu habe. Soviel kostet der 1.8-TFSI in der Basisversion "Attraction". Und wie es auch bei Audi üblich ist, sollte man den Begriff "Basis" wörtlich nehmen. Die Liste mit den Extras ist gewohnt lang und üppig in den Preisen. Wer Auf Den Diesel setzt, ist ab 32.050 Euro für den 2.0 TDI dabei.

Quelle: Autoplenum, 2008-04-11

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