Testbericht

Sebastian Viehmann, 9. November 2008
Schwarz gewinnt – nicht nur im Weißen Haus. Gegen den SL 65 AMG Black Series haben wenige Sportwagen eine Chance. Mit zwölf Zylindern und 670 PS bringt das schwarze Geschoss Formel 1 auf die Straße. Vorausgesetzt, sie ist lang genug.

Ganz sachte windet sich der schwarze Wagen durch die Lombard Street in San Francisco. Wo in Filmen wie „Is was, Doc?“ wilde Verfolgungsjagden Kinogeschichte machten, bewegt man sich in der Realität natürlich nur im Schneckentempo voran. Ein paar Touristen machen hektisch Schnappschüsse, so als ob sie ahnen, dass sich diese Gelegenheit nie wieder bieten könnte. Denn das schwarze Ungetüm, das mit leisem Brabbeln aus dem Auspuff über das rote Pflaster schleicht, ist eines von nur 350 Exemplaren. Viele Sammler aus aller Welt werden sich um den SL 65 AMG Black Series balgen. 175 Stück gehen in die USA, nicht wenige davon dürften in Kalifornien landen. „Der Golden State ist der Booster für die Entwicklung von AMG“, sagt Firmenchef Volker Mornhinweg.

Ausgerechnet Kalifornien. Nirgendwo in den USA sieht man so viele Toyota Prius wie hier. Selbst auf den Autobahnen ist bei Tempo 100 Schluss, Abweichler werden von Motorrad-Cops mit quietschenden Reifen zur Kasse gebeten. Im schwarzen AMG-Boliden scheint bei den meisten der 12 Zylinder unter der Kohlefaser-Haube gepflegte Langeweile zu herrschen. Sie könnten sich mit den 670 Pferdestärken und 1000 Newtonmetern Drehmoment zu einer Skatrunde treffen, denn auch die werden kaum gefordert. Trotzdem begleiten auf dem Highway oft hochgereckte Daumen den SL. Wie zum Gruß lässt sich der Heckspoiler des Black Series per Knopfdruck ein- und ausfahren. Große Öffnungen in der Frontschürze fächeln der Sechsliter-Maschine Frischluft zu. Die Lufteinlässe in der Haube erinnern an die markanten „Power Bulge“-Hauben alter amerikanischer Musclecars.

Kurz bevor sich der Wagen dem Laguna Seca Raceway nähert, rütteln ein paar Gasstöße den Motor aus seinem Dornröschenschlaf. Das Asphaltband der Rennstrecke glänzt matt in der Sonne, und der Black Series scheint zuhause angekommen zu sein. Schließlich wurde er vom AMG Performance Studio konstruiert, das auch für das Safety Car und das Medical Car der Formel 1 verantwortlich zeichnet. Bei Vollgas fallen die 1000 Newtonmeter – ohne elektronische Begrenzung wären es gar 1200 - gnadenlos über die Hinterachse her, und zwei Turbolader schaufeln Abgasluft im Akkord. Trotz Traktionskontrolle und Sperrdifferenzial weiß die geballte Power nicht so recht, wie sie sich auf dem Asphalt einbringen soll. Erst mit ein bisschen Feingefühl am Pedal kann man das Monster zähmen.

Das Gebrüll des Zwölfzylinders versetzt die Nackenhaare in rhythmische Sportgymnastik und lässt einen fast vergessen, wie schnell 3,8 Sekunden vorbei sein können: So früh schon klatscht die Tachonadel die 100er Marke ab, bevor sie höheren Sphären entgegen strebt.

Vor der „Andretti Hairpin“-Haarnadelkurve erreicht der Wagen 220 Sachen. Jetzt sind die belüfteten und perforierten Verbundbremsscheiben gefordert, auch wenn sie sich nicht ganz so giftig anfühlen wie bei Porsche. Nach ein paar haarigen Kombinationen wirft sich die Rennstrecke in den „Corkscrew“ – der berühmte steile Korkenzieher, dessen Verlauf man aus dem Cockpit nicht sehen, sondern nur erahnen kann. Die plötzlichen Lastwechsel lassen das Gewindefahrwerk des Black Series allerdings kalt. Im Vergleich zum normalen SL 65 AMG verfügt die schwarze Serie über 115 Millimeter mehr Spurweite an der Vorder- und 103 Millimeter mehr an der Hinterachse. Der Wagen liegt nicht einfach auf der Straße, er klebt an ihr.

Für die Sortierung der Gänge sorgt eine Fünfgangautomatik mit verschiedenen Programmen und Schaltpaddles. In den manuellen Programmen schaltet das Getriebe auch bei Volllast nicht automatisch herunter, so dass man im gewählten Gang die Durchzugskraft des Motors nach Belieben auskosten kann. Nach ein paar Runden haben sich die Bremsen eine Abkühlphase redlich verdient.

327.250 Euro ruft AMG für den SL 65 AMG Black Series auf. Er könnte wahrscheinlich auch eine halbe Million kosten und wäre als Spielzeug für Superreiche damit nur noch begehrter. An Bord ist alles, worauf Lewis Hamilton in seinem Formel 1-Renner verzichten muss – ein bequemes Interieur in Nappaleder und Alcantara, Navigationssystem und Soundanlage. Wenn man die Zündung einschaltet, bewegen sich die Nadeln von Tacho und Drehzahlmesser schnell und erwartungsfroh bis zum Anschlag und wieder zurück, gestartet wird per Knopfdruck.

Man muss wohl davon ausgehen, dass die meisten Black Series-Modelle – die es übrigens auch in anderen Lackierungen gibt - wenig mehr zu sehen bekommen als palmenumsäumte Boulevards, Hotelvorfahrten und hin und wieder mal eine Autobahn. Nachts in der bewachten Tiefgarage werden sie dann vom Corkscrew, der Döttinger Höhe oder dem Hockenheimring träumen. Und von einer Geraden, die lang genug ist: Die Höchstgeschwindigkeit des Black Series wird erst bei 320 Km/h elektronisch begrenzt.

Quelle: press-inform, 2008-11-09

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