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Testbericht

15. Juli 2015
Barcelona (Spanien), 16. Juli 2015 - Ein origineller Einstieg in einen Artikel ist wichtig, um das Interesse des Lesers zu wecken und ihn dazu zu bringen, den Text auch wirklich zu lesen. Klappt das mal nicht mit dem fesselnden Anfang, dann nennt man das Schreibblockade, Kreativitätsmangel ... oder Seat Alhambra. Was soll man auch zu einem Auto sagen, das optisch und technisch zu großen Teilen dem VW Sharan entspricht? Vielleicht: "Lesen Sie doch den Sharan-Artikel, wenn Sie wissen wollen, wie sich der Seat Alhambra macht"? Dann wäre der Drops eigentlich gelutscht. Aber jetzt hat Seat am Look-alike-Van Hand angelegt. Zeit, sich das frisch geliftete spanische Pendant zum deutschen Van-Segment-Anführer aus Wolfsburg doch einmal näherer anzusehen. Zeit für eine Testfahrt. Zwillinge, die einmal Drillinge waren Wie gesagt, seit fast 20 Jahren können wir froh sein, dass es so etwas wie Firmenlogos und Markenembleme gibt. Sie machen es leichter, den VW Sharan und den Seat Alhambra auseinanderzuhalten. Zuerst waren die Van-Zwillinge übrigens Drillinge. Bis sich Ford mit der zweiten Galaxy-Generation im Jahr 2006 dazu entschied, wieder eigene Wege zu gehen. So sind die folgenden Generationen des Ford-Vans wieder ein optischer Segment-Gegner der VW-Seat-Riege geworden. Dazu kommen der neue Renault Espace, der Opel Zafira oder auch der neue 2er Gran Tourer. Alle gebaut und entwickelt, um vornehmlich Familien an den Kunden-Haken zu bekommen. Formales Design ohne Schnick-SchnackBeginnen wir mit den Formalitäten: Die Lifiting-Maßnahmen und Veränderungen beschränken sich im Außenbereich auf neue Seat-Logos an Front und Heck, einen neuen Kühlergrill sowie LED-Rückleuchten und neue Felgendesigns. Gestaltungs-technisch blieb der Alhambra damit ein grundsolides Auto, ohne Schnörkel und ohne Schnick-Schnack. Man könnte behaupten "ein Großraum-Van eben", aber das würde dem Segment nicht gerecht werden. Renault, Opel und BMW haben nämlich deutlich aufregendere Designs im Angebot.
Funktionaler und flexibler Innenraum Wie bei der namensgebenden spanischen Festung zählt das Äußere eines Vans nicht so sehr wie die inneren Werte. Da beweist der Alhambra funktionale Größe. Er ist 4,85 Meter lang, 1,90 Meter breit und 1,72 Meter hoch. Mit optionaler dritter Sitzreihe haben in dem Auto mit 9,2 Quadratmeter Grundfläche bis zu sieben Passagiere bei einem guten Raumangebot Platz. Ohne Fahrgäste an Bord lassen sich die beiden hinteren Sitzreihen kinderleicht und schnell zu einer ebenen Ladefläche umfunktionieren. Es entsteht bis zu 2.430 Liter Gepäckvolumen (mit optional dritter Sitzreihe werden es maximal 2.297 Liter). Damit unterscheidet sich der lang gestreckte Familienwürfel nur marginal von Espace und Galaxy. Zafira und 2er Gran Tourer sind bei den äußeren Abmessungen allerdings etwas kompakter gebaut. Technisch am Zahn der Zeit Optisch schafft es der Alhambra-Innenraum zu überzeugen - aber nicht zu begeistern. Neue Leisten und Verkleidungen sowie neue Stoffe und Materialien wie Plastik in Carbon-Optik frischen den Innenraum zwar auf, aber bis zum avantgardistischen Cockpit eines Renault Espace oder eines sportlich anmutenden Innenraums à la BMW 2er Gran Tourer fehlt es. Dafür hat man technisch (zumindest teilweise) den Anschluss gefunden: Das neue Infotainment-System spiegelt jetzt die gekoppelten Smartphones und integriert eine hauseigene App mit Funktionen wie Fahrstreckenaufzeichnung, Kraftstoffverbrauch-Verlauf oder Reisetipps. Und sogar die nächste Inspektion ließe sich über das System buchen. Bei den elektronischen Helfern gibt es einen automatischen Parkpiloten, Spurhalteassistenz, einen Abstandstempomat und ein Tote-Winkel-Warner. Gerade für lange Autobahnfahrten mit quengelnden Kindern im Fond entspannende Komponenten. Außerdem massiert der Alhambra auf Wunsch jetzt den Fahrerrücken. Zwar etwas plump, aber dennoch empfehlenswert. Motorenpalette und Volumen-Diesel Die Motorenpalette wurde komplett überarbeitet und der Euro-6-Norm angepasst. Fünf Aggregate stehen weiterhin zur Wahl: Die Zweiliter-TDI-Motoren werden in Leistungsstufen mit 115, 150 und 184 PS angeboten. Die TSI-Benzinerherzen leisten 150 und 220 PS. Die meisten Bestellungen entfallen laut Seat auf das 150-PS-Diesel-Derivat. Mit 340 Newtonmeter ausgerüstet, eine Allzweckwaffe für komfortables und sparsames Mitschwimmen genauso wie für angstfreie und zügige Überholmanöver. Stichwort "zügig": Für 2.050 Euro tauscht Seat die gute manuelle Sechsgang-Schaltung gegen ein noch besseres Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Genauso wie der Allradantrieb für 1.950 Euro Aufpreis (die Kombination beider Optionen ist übrigens nicht möglich), eine sinnvolle Investition. Das adaptive Fahrwerk für 1.020 Euro bleibt dagegen nur eine nette Spielerei - wenn man zwischen komfortabel, komfortabel und komfortabel hin und her regeln möchte.
VW stets teurer, BMW überrascht Bleibt die Frage nach dem Preis: Für den in drei Ausstattungslinien (Reference, Style und Style Plus) angebotenen Van verlangt Seat mindestens 29.965 Euro. Das 150-PS-Diesel-Volumenmodell schlägt ab 32.710 Euro in die Haushaltskasse ein. Das Topmodell mit 184-Selbstzünder-PS und Sechsgang-DSG steht für mindestens 40.640 Euro im Katalog. Wer auf das VW-Logo am Familien-Auto verzichten kann, spart schnell zwischen 2.000 und 2.500 Euro. So groß ist die Durchschnittsdifferenz zwischen Alhambra und Sharan. Der deutlich schickere Renault Espace ist mit 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel und 130 PS ein Quäntchen teurer und kostet mindestens 33.550 Euro. Wirklich überraschend kommt dagegen die BMW-Preisvorstellung für das 150-PS-Diesel-Modell: Mit einem Grundpreis von 32.350 Euro ist der von BMW-Enthusiasten so verteufelte 2er Gran Tourer 360 Euro günstiger als das Seat-Pendant. Mit 26.250 Euro bleibt der 136-PS-Diesel-Zafira der preislich am besten positionierte Van-Ableger.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Diesel-Reihenmotor
Hubraum:1.968
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:110 kW (150 PS) bei UPM
Drehmoment:340 Nm bei 1.750 - 3.000 UPM
Preis
Neupreis: 37.060 € (Stand: Juli 2015)
Fazit
Wer viele Passagiere und viel Gepäck zu transportieren hat, kommt auch in Zukunft nicht um das Konzept des Großraum-Vans herum. Das optische Lifting des Seat Alhambra muss man zwar mit der Lupe suchen, das Technikupdate hat dem Spanier aber gut getan. Assistenz, Konnektivität und Motoren sind auf dem aktuellen Stand der Zeit und dabei bleibt der multifunktionale Spanier stets günstiger als der nahezu baugleiche VW Sharan. Wer sich ein aufregenderes Design wünscht, sollte zum neuen Espace greifen. Das bessere Fahrerlebnis gibts bei BMW und am meisten Auto fürs Geld bekommt man weiterhin bei Opel. Der Alhambra bedient dagegen den Durchschnitt. Das ist sein Erfolgsgeheimnis. + Raumangebot, Funktionalität, sparsamer und ausgewogener Diesel, hohe Konnektivität, viele Assistenzsysteme - langweiliges und uneigenständiges Design, der Durchschnitt vom Durchschnitt
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-07-15

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