Testbericht

18. April 2011
Whitley (England), 18. April 2011 - "Ein großartiges Erbe und Schönheit reichen nicht, um erfolgreich Autos zu verkaufen", so Adrian Hallmark, Global Brand Director bei Jaguar. Unser Wagen ist mit lustig gemusterter Folie getarnt. Eigentlich machen die großflächigen Aufkleber an Front und Heck den Jaguar XF nur noch auffälliger. Die britische Limousine der oberen Mittelklasse hat ein dezentes Facelift bekommen. Außerdem ist sie jetzt erstmals mit einem Vierzylinder-Motor zu haben - von Tradition geprägte rote Linien gibt es in der Autoindustrie immer weniger. Zum in dreifacher Leistungsabstufung verfügbaren Dreiliter-Sechszylinder-Diesel gesellt sich jetzt noch ein kleiner Selbstzünder mit 2,2 Liter Hubraum. Wir haben mit einem Prototypen des XF 2.2 i4D erste Runden am englischen Jaguar-Entwicklungsstandort Whitley gedreht.

Ein Endrohr bleibt Äußerlich wird die XF-Modellreihe dezent modernisiert. Die bei unserem Prototypen abgeklebten Frontlichter werden um 2,5 Zentimeter schmaler und gucken ein bisschen angriffslustiger auf die Straße. Außerdem werden der Grill und die Lufteinlässe größer. Am Heck fallen vor allen Dingen die neu gestalteten LED-Rückleuchten mit ihren weit greifenden Leuchtbögen auf. Das Vierzylinder-Dieselmodell unterscheidet sich äußerlich in einem Punkt von seinen Sechs- und Achtzylinder-Geschwistern: Es hat nur ein Endrohr. Dieses guckt auf der rechten Seite aus dem Heck - bei allen anderen XF-Versionen gibt es jeweils rechts und links ein Auspuffende.

Noch vier Ebenen Die Jaguar Ingenieure weisen uns eindringlich darauf hin, dass unser Testwagen noch "vier Level" vom Serienzustand entfernt ist. Wir steigen ein und erleben den vertrauten Innenraum mit den sich beim Motorstart öffnenden Lüftungsdüsen und dem großen Drehknopf für die Automatik, der ebenfalls erst beim Motorstart aus seinem Versteck herausfährt. Vom optischen Eindruck her ist der Wagen fertig. Durch Druck auf den Startknopf erwecken wir das neue XF-Triebwerk zum Leben. Der Motor klingt nur sehr gedämpft nach Diesel, beim Geräuschkomfort haben sich die Ingenieure Mühe gegeben.

Bekannt aus dem Freelander Das für den XF neue Antriebsaggregat entspringt einer Kooperation mit PSA Peugeot Citroën. Es wird unter anderem im Land Rover Freelander 2.2 SD4 S eingesetzt. Und in der Konfiguration mit 190 PS kommt das Triebwerk jetzt auch im XF zum Einsatz. 450 Newtonmeter liegen bei 2.000 U/min an - im Freelander sind es nur 420 Newtonmeter. Und ähnlich wie im Freelander, muss auch der Jaguar mit einem echten Turboloch kämpfen - bis 2.000 U/min passiert nicht viel und die Gasannahme ist etwas ungleichmäßig. Der einzelne Turbolader des Vierzylinders kann nicht die Arbeit des Doppelturbos im Sechszylinder-Diesel leisten. Ab 2.000 U/min geht dann aber ein Ruck durch den Wagen, als würde dem XF ein Elektroschock verpasst werden - zumal der Vierzylinder-Jaguar auch noch 60 Kilogramm leichter ist als sein Modellbruder mir sechs Zylindern. Unbändig zieht der feine Brite jetzt nach vorne, nach 8,5 Sekunden fällt die Tempo-100-Marke. Maximal sind 225 km/h drin. Im Schnitt soll sich der XF 2.2 i4D mit 5,6 Liter Diesel pro 100 Kilometer zufrieden geben - womit der neue Vierzylinder zum effizientesten Triebwerk in der gesamten Jaguar-Motorenpalette wird. Zur Sparsamkeit trägt auch ein reaktionsschnelles Start-Stopp-System bei.

Acht Gänge mit Start-Stopp Gekoppelt ist der sparsame Kraftdiesel im XF an eine Achtgang-Automatik von ZF. Und diese kann auch Start-Stopp: Beim Halt geht der Motor mit leichtem Zögern sanft aus und springt dafür sensationell schnell wieder an, wenn wir den Fuß von der Bremse nehmen. Laut Jaguar reagiert das Start-Stopp-System um 40 Prozent schneller als bei manchem Wettbewerber - deutlich schneller als beim Land Rover Freelander 2.2 SD4 S tut es das allemal. Klimaanlage und Radio werden im Stopp-Betrieb von einer zweiten Batterie mit Strom versorgt. Rekuperation, also die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen, ist hier noch nicht vorgesehen. Beim Fahren macht die Automatik einen ausgezeichneten Job, Ruckeln oder Verschalten kennt sie nicht. Einen netten Gag hat sich Jaguar für das Ende der Fahrt aufgehoben: Geht beim Anhalten der Motor in den Stopp-Modus und der Fahrer löst seinen Gurt, dann geht der Bildschirm aus, die Lüftungsdüschen schließen sich und der Gangwahl-Knopf verschwindet in seinem Loch - der Wagen schaltet sich selbstständig ab.

Wann kommt der Kombi? Markenchef Adrian Hallmark ist nicht nur von der Notwendigkeit eines Vierzylinder-Diesels für den XF überzeugt - schließlich gibt es die Mercedes E-Klasse schon seit Jahren mit vier Zylindern. Selbst in die S-Klasse hat der Vierzylinder-Diesel in Form des S 250 CDI BlueEfficiency Einzug gehalten. Ein vergleichbarer XJ ist nicht geplant, höchstens ein XJ mit sparsamerem und leistungsschwächerem V6-Diesel. Aber Hallmark kündigt Allrad-Jaguars genauso an wie ein Einstiegsmodell unter dem XF - es wird also mit einiger Verspätung einen Nachfolger für den X-Type geben. Zu einer für den deutschen Markt ganz besonders interessanten Kombi-Variante des XF äußert man sich offiziell nicht. Hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren, dass ein Estate definitiv kommen wird, die Designer haben ihn schon fertig und sind von ihrem Werk begeistert. In der Diskussion ist noch, ob es den XF-Kombi auch in einer brachialen R-Version mit 510-Kompressor-PS geben wird. Wie zu hören ist, setzen sich dafür im Konzern starke Stimmen ein. Den neuen XF 2.2 i4D können Kunden jedenfalls ab sofort bestellen, die Preise beginnen bei 44.000 Euro, ausgeliefert wird ab September 2011.
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Technische Daten
Antrieb:Hinterradantrieb
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Reihen-Turbodiesel
Hubraum:2.179
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:140 kW (190 PS) bei UPM
Drehmoment:450 Nm bei 2.000 UPM
Preis
Neupreis: 44.000 € (Stand: April 2011)
Fazit
Schon als noch unfertiger Prototyp macht der Jaguar XF 2.2 i4D was her: Der günstigste XF im Portfolio ist auch noch der sparsamste und nach Überwinden des Turbolochs haut er zudem manierlich los. Die etwas ungleichmäßige Gasannahme im unteren Drehzahlbereich wird sich bis zum Verkaufsstart im September 2011 noch geben, das Turboloch nicht.

Schön sind der Geräuschkomfort, das blitzartig reagierende Start-Stopp-System sowie die sanft und sauber schaltende Achtgang-Automatik.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2011-04-18

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