Testbericht

21. Oktober 2015
Haar, 22. Oktober 2015 - Wo bekommt man so etwas heute noch? 6,2 Liter Hubraum und einen Kompressor - ganz nach dem Motto: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Wie recht doch diese alte Weisheit hat, die noch aus besseren Tagen des Motorbaus stammen muss. Gut, dass es Cadillac gibt. Die bringen nämlich entgegen aller Downsizing-Trends jetzt den gewaltigen CTS in der dritten Generation als V-Version nach Deutschland. Unter der Haube: ein sehr beeindruckender V8-Motor. Wir haben die Wuchtbrumme aus den USA getestet. Oder sollte man besser sagen "gebändigt"? Innenraum mit Carbon und Jetfighter-Anlehnung Die Bedingungen? Zwei Grad Außentemperatur und Nebel - es gibt berechtigte Sorgen um die Pneus auf der Hinterachse, werden doch in Kürze nicht weniger als 649 hungrige Pferde über sie herfallen. Wir machen es uns in den tief montierten optionalen Recaro-Sportsitzen bequem. Der Innenraum punktet mit einem Mix aus Mikrofaser-Velours und Leder. Kohlefaser-Verkleidungen in matter Optik spiegeln die Carbon-Komponenten außen am Fahrzeug wieder. Einen Knopfdruck später erwacht der V8 - übrigens bis auf kleine Details der gleiche wie in der aktuellen Corvette - mit einem lauten Grollen zum Leben. Der Schalthebel will mit Nachdruck in die "D"-Position gebracht werden, dann kann es losgehen. Witzige Idee: Wie der Feuerknopf auf dem Joystick eines Kampfjets ist der Schalter um in den manuellen Modus zu wechseln beim CTS-V oben auf dem Schaltknauf positioniert. Amerikanischer Riese mit gelegentlichem SchluckaufSchon im Stadtverkehr wird klar: Dieses Auto ist für höhere Zwecke gebaut. Zumindest die Landstraße, aber am ehesten die Autobahn ist das Revier des CTS-V. Fünf Meter Länge und knapp 1,86 Meter Breite muss man ja auch irgendwo unterbringen. Ansonsten wirkt der Riese sehr zivilisiert, jedoch ohne sich dabei langweilig oder gewöhnlich anzufühlen. Das beeindruckende Drehmoment ist omnipräsent, das Mikrofaser-Velours-Lenkrad erinnert jederzeit daran, dass man hier im Top-Modell des CTS sitzt. Nur manchmal haut das Achtgang-Automatikgetriebe - auch hier grüßt die Corvette - den ein oder anderen Gang etwas sehr ruppig rein, gerade beim langsamen Beschleunigen oder Dahinrollen ist der Gangwechsel ab und an etwas überhastet.
<b>Drehmoment bis zum Abwinken</b><br> Dieses Problem rückt in den Hintergrund, sobald man eine schöne Landstraße findet, den Sport-Modus und die manuelle Schaltung aktiviert und sich zum Abschuss bereit macht. Ortsausgang, dritte Welle und das Pedal durchtreten: Diesen Druck, diese Gewalt, das muss man erlebt haben. Ein tiefer Donnerhall kündigt den kompressorverstärkten CTS-V wahrscheinlich schon aus mehreren Kilometern Entfernung an. Aber was erwartet man auch von 649 PS und 855 Newtonmeter Drehmoment? Brutalität bei jedem Gasstoß, einfach Wahnsinn. Das Ansprechverhalten des Motors ist sehr direkt, die Leistung steht immer sofort zur Verfügung. <br><br> <b>Kurven mag der CTS-V auch </b><br> Die wirkliche Überraschung kommt dann bei der ersten etwas sportlicher gefahrenen Kurve: Er geht ums Eck! Man würde es bei einem Leergewicht von 1925 Kilogramm nicht vermuten, aber der CTS-V hat das beste Leistungsgewicht seiner Klasse. M5, RS6 und Co müssen sich hinten anstellen - und das merkt man. Aktiviert man den Sport-Modus, verändern sich die Kennlinien für das Gaspedal, die Dämpfer und das Getriebe und der CTS-V wird merklich fokussierter. Die Lenkung gibt im Sport-Modus mehr Rückmeldung, der Koloss lässt sich selbst auf engeren Landstraßen gezielt platzieren und durch die Kurven dirigieren. Am Kurvenausgang katapultiert einen der V8 - dank elektronischem Sperrdifferenzial sehr sauber - bis an die Grenzen der Legalität und weit darüber hinaus. <br><br> <b>Autobahn-Sprinter mit Rennsportanleihen </b><br> Auf der Autobahn zahlt sich die Entwicklungsarbeit am optionalen Carbon-Paket aus. Frontsplitter, Heckdiffusor und Spoiler unterbinden den beim Vorgänger noch erheblichen Auftrieb und generieren sogar ein klein wenig Abtrieb. Es ist nicht viel, aber bei Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h ist man froh, wenn man sich zumindest über Auf- oder Abtrieb keine Sorgen machen muss. Generell merkt man dem CTS-V an, dass in seiner Brust zwei gleichwertige Herzen schlagen: Das alltagstaugliche Langstrecken-Herz und das rennstreckentaugliche Sportfahrer-Herz. Die Motorhaube serienmäßig aus Kohlefaser gebacken, die Bremsanlage von Brembo mit riesigen zweiteiligen 390-Millimeter-Scheiben an der Vorderachse, die Michelin-Pilot-Super-Sport-Reifen, all das spricht eine deutliche Sprache: Der CTS-V ist eine besondere Limousine, die Einiges bieten will - und kann.
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Technische Daten
Antrieb:Heckantrieb
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatikgetriebe
Motor Bauart:Benziner mit Kompressor
Hubraum:6.162
Anzahl Ventile:16
Anzahl Zylinder:8
Leistung:477 kW (649 PS) bei UPM
Drehmoment:855 Nm bei 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 98.500 € (Stand: Oktober 2015)
Fazit
Wer aus der Menge von AMGs, M-Fahrzeugen oder Audi-RS-Modellen herausstechen will ohne Einbußen bei Verarbeitung oder Technik hinnehmen zu müssen, der sollte sich den CTS-V sehr genau anschauen. Ein unglaublicher Motor, ein souverän abgestimmtes Fahrwerk und eine schicke, nicht zu aufdringliche Optik: Wäre ich ein etwas extrovertierter Gangster und würde einen Bankraub samt Verfolgungsjagd planen, mein Fluchtfahrzeug wäre der CTS-V. + Drehmoment und Sound in jeder Lebenslage, luxuriöser Innenraum ohne überladen zu sein - Automatikgetriebe manchmal etwas ruppig
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2015-10-21

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