Testbericht

28. August 2009
Haar, 28. August 2009 - Das waren noch Zeiten, damals, vor inzwischen 24 Jahren: Als Siebenjähriger schlich ich mich 1985 in unsere Garage, um den nagelneuen VW Passat Variant anzuschauen, den mein Vater frisch vom Händler geholt hatte. Die Eckdaten dieses Autos waren mager: Ein 75-PS-Benziner unter der Haube, ein kantiges Ladeabteil mit viel Platz sowie Fensterkurbeln. Und heute? Da tritt bei Kombis das Platzangebot gegenüber dem Design zurück, in Sachen Ausstattung sind Klimaanlage und elektrische Fensterheber schon lange Standard. Die 23.000 Mark, die Vater damals hinlegen musste, sind inzwischen zu Euros geworden und selbst dafür gibt es nur mit viel Glück einen neuen Passat Variant. Kein Wunder also, dass viele Familien sich einen einfachen Kombi mit viel Platz ohne viel Schnickschnack wünschen. In diese Bresche springt die rumänische Renault-Tochter Dacia seit 2006 mit dem Logan MCV. Was taugt der Preisbrecher? Verzicht ohne Reue Auf den ersten Blick scheint der Kombi-Logan das passende Modell für die Wirtschaftskrise zu sein. Nirgendwo sonst gibt es 4,47 Meter Auto bereits ab 8.500 Euro. Zugegeben, dafür gibt s dann auch "nur" 75 Otto-PS, unlackierte Stoßfänger und auch keine Servolenkung. Unser Testwagen, der Logan MCV 1.5 dCi mit 86 PS, kommt in der Top-Ausstattung Laureaté daher. Zum Grundpreis von 13.050 Euro gibt es hier schon Nebelscheinwerfer, eine Dachreling sowie elektrische Fensterheber vorne plus Zentralverriegelung. Immerhin, das ist schon mehr Serienausstattung als im elterlichen VW anno 1985. Neue Optik Seit dem leichten Facelift im Herbst 2008 macht der Dacia Logan richtig was her. Die modifizierte Frontpartie mit schwarzem Lamellengrill lässt das Fahrzeug deutlich erwachsener wirken. Positiv sind fallen die neuen, großen Außenspiegel auf. Auch im Innenraum gibt es Änderungen: Das geschwungene Armaturenbrett stammt aus dem Sandero. In Verbindung mit neuen Türverkleidungen und einer Aluminiumoptik wirkt das Ambiente wesentlich freundlicher und moderner als bisher. Allerdings macht der hohe Anteil von Hartplastik deutlich, dass der günstige Preis nicht von ungefähr kommt. Ergonomisch ist am Cockpit mit Ausnahme der zu tief sitzenden Lüftungsregler nichts auszusetzen. Besonders gut gefallen hat uns die Tatsache, dass die Bedienung keine Rätsel aufgibt, schließlich ist auch nur das Wichtigste an Bord. Trotzdem ist es mittlerweile fast schon ein Glücksgefühl, nach zwei Minuten ohne Betriebsanleitung das Wesentlichste begriffen zu haben.

Was braucht man als Autofahrer? Unser Testwagen ist zusätzlich mit einem Radio, Seitenairbags vorne, 15-Zoll-Alufelgen und einer Klimaanlage ausgestattet. Das Erstaunliche daran: Als verwöhnter Autotester lässt einen der Dacia daran zweifeln, was man eigentlich zur Fortbewegung braucht. Plötzlich wünscht man sich Fensterkurbeln herbei und die Klimaanlage weg. Letzteres liegt auch daran, dass das Kühlaggregat bei kaltem Motor hässliche Geräusche abgibt, was laut diversen Foren kein Einzelfall ist. Der Verzicht fällt nicht schwer, denn die Lüftung macht ihre Sache tadellos, zudem heizt sich das kantige Äußere des Dacia nicht so schnell auf. Sehr zu empfehlen ist die Anschaffung einer Mittelarmlehne aus dem werkseigenen Zubehörangebot für 102 Euro. Großzügiger Innenraum Auf dem straffen Mobiliar des Logan MCV sitzt man etwas zu hoch, aber völlig ausreichend. Einzig die Sitzfläche ist für groß gewachsene Personen etwas zu kurz geraten. Die Rückbank ist höher postiert als die vorderen Sessel und bietet viel Platz. Für 500 Euro extra gibt es zusätzlich eine dritte Sitzbank im Kofferraum. Auf ihr sitzen auch Erwachsene vergleichsweise gut, zudem kann sie einfach zusammengeklappt und entfernt werden, weil sich das Gewicht in Grenzen hält. Gleiches gilt für die zweite Reihe, allerdings sollten sich um ihren Ausbau zwei Personen kümmern. Unendliche Weiten In Verbindung mit den asymmetrisch teilbaren Rücklehnen ergeben sich wahrhaft großzügige Staumöglichkeiten: Während bei Belegung mit sieben Personen immerhin noch 198 Liter übrig bleiben, sind es als Fünfsitzer 700 Liter und bei zweisitziger Auslegung gewaltige 2.350 Liter. Die Zuladung beträgt beim Siebensitzer 540 Kilogramm, womit der Logan MCV immerhin sechs 80-Kilo-Personen plus Gepäck und Fahrer wegziehen kann. Gut gefallen haben uns die seitlich öffnenden Hecktüren, die für stets ausreichende Kopffreiheit und eine niedrige Ladekante sorgen. Sie können in Winkeln von 40 oder 90 Grad geöffnet werden, einziger Nachteil ist, dass der kleinere Teil der Heckscheibe nicht vom Scheibenwischer bestrichen wird.

Kraft unter der Haube Antriebsseitig kommt bei unserem riesigen Rumänen ein neuer 86-PS-Diesel zum Einsatz, der den bisherigen Selbstzünder mit 68 PS abgelöst hat. Beim Blick auf den recht großen Dacia kommen zunächst Zweifel, ob die Leistung für das Fahrzeug ausreichen wird. Doch das Gegenteil tritt ein, der Motor zieht den Kombi überraschend spritzig vorwärts, sodass man zügig die Gänge der etwas teigigen Fünfgang-Schaltung wechseln kann. Dadurch ist es möglich, bereits früh in den höchsten Gang zu wechseln. Ein Blick in die technischen Daten erklärt das flotte Temperament: Schon bei 1.900 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 200 Newtonmeter an, zudem wiegt der Siebensitzer unbeladen nur 1.330 Kilogramm. Auch auf der Autobahn bleibt das Fahrzeug agil, allerdings lässt der fehlende sechste Gang in Verbindung mit der eher sparsamen Dämmung den Geräuschpegel steigen. Als guter Kompromiss zwischen Lautstärke und Geschwindigkeit stellt sich ein Tempo von 130 km/h heraus. Wo ist das ESP? Ein weiterer Kritikpunkt in Sachen Motor ist der fehlende Rußpartikelfilter, der auch nicht gegen Aufpreis erhältlich ist. Dies überrascht, zumal die Mutter Renault sich in dieser Hinsicht gerne mit einer weißen Umweltweste zeigt. Noch schwerwiegender wiegt allerdings das nicht vorhandene ESP. Zwar gibt sich das komfortorientierte Fahrwerk absehen von einer leichten Polterneigung bei Querfugen unspektakulär, doch gerade aufgrund der Tatsache, dass im Logan MCV häufig mehrere Personen transportiert werden, sollte der Schleuderschutz serienmäßig oder zumindestens gegen Aufpreis vorhanden sein. Billig ohne Ende? Eine besondere Bedeutung kommt dem Verbrauch zu, schließlich möchte der preisbewusste Dacia-Kunde keinen Schluckspecht vor der Tür stehen haben. Gerade die Benzinversionen des Logan gelten als nicht gerade sparsam. Der von uns getestete 1.5 dCi ist werksseitig mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Liter auf 100 Kilometer gelistet. Wir kamen auf Werte zwischen 6,1 und 6,8 Liter, im Testmittel stehen 6,5 Liter zu Buche. Dieser Wert kann sich angesichts der Größe des Fahrzeugs sehen lassen, auch eine Fünf vor dem Komma erscheint bei entsprechender Fahrweise realistisch. In Verbindung mit einem Grundpreis von 13.050 Euro steht der Logan MCV 1.5 dCi sehr gut und praktisch konkurrenzlos da. Selbst unser fast voll ausgestatteter Testwagen liegt mit 16.330 Euro noch unter annähernd vergleichbaren Angeboten. Die Suche erweist sich als schwierig: Den neuen Lada Priora gibt es noch nicht als Kombi, andere Gegner bieten weniger Platz oder eine geringere Leistung. Hierzu zählen der Skoda Fabia Combi 1.4 TDI mit 70 PS für 13.820 Euro oder der 90 PS starke Hyundai i30cw 1.6 CRDi Classic mit Partikelfilter für 17.240 Euro.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Diesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung
Hubraum:1.461
Anzahl Zylinder:4
Leistung:63 kW (86 PS) bei UPM
Drehmoment:200 Nm bei 1.900 UPM
Preis
Neupreis: 13.050 € (Stand: August 2009)
Fazit
Der Dacia Logan MCV 1.5 dCi passt optimal in die aktuelle Lage. In Zeiten von schrumpfenden Einkommen und hohen Fahrzeugpreisen bietet er viel Platz in Verbindung mit einem spritzigen Motor für wenig Geld. Wem Image oder ein schnittiges Design egal sind, der aber dafür viel transportiert, wird mit dem Dacia glücklich. Hauptkritikpunkte sind die Abwesenheit von Partikelfilter und ESP. Gerade an der Sicherheit sollte nicht gespart werden. Trotz alledem stellt der Logan MCV automobile Bedürfnisse auf den Prüfstein gemäß der Frage: Wieviel Auto braucht der Mensch?
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-08-28

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