Testbericht

8. September 2006
Stockholm, 8. September 2006 – Quo vadis Jeep? Lange Zeit war die Marktausrichtung für die Chrysler-Tochter als Offroad-Spezialist klar definiert. Doch andere Hersteller laufen mit zum Teil breit gefächerten Allrad-Divisionen der Chrysler-Tochter mehr und mehr den Rang ab, während die Jeep-Flotte beim Bergrennen um Marktanteile eher orientierungslos umherkraxelt. Vor allem im Boom-Segment der Kompakt-SUVs fehlt ein richtungsweisendes Modell. Der Compass soll es richten und die Amis auf den Weg zu mehr Wachstum führen.

Stadt, Land und Fluß Die aktuell fünfte Jeep-Baureihe empfiehlt sich dabei als vielseitiges Mobil für Stadt, Landstraße und Schlammpiste. So gerüstet, kommt der Compass im Herbst 2006 auch zu uns. Wir haben beim ersten Fahrtermin den Neuling einem Vielseitigkeitstest unterzogen.

Kein Hingucker Das Außendesign des Compass dürfte wohl nur Wenigen Herzrasen bescheren. Trotz einiger Exterieur-Akzente aus Chrom und eigenwilliger Rafinesse im Blechkleid, bleibt die Aura doch recht reizlos. Das markante Jeep-Gesicht will mit dem barocken Rest nicht in überzeugender Weise harmonieren.

Gutes Platzangebot, variabler Fond Der Hartplastik-Innenraum wirkt ebenfalls nur mäßig attraktiv. Bei Übersichtlichkeit und Funktionalität gibt es hingegen nichts zu mäkeln. Der Fünftürer hat ordentlich Platz für fünf Passagiere und einen durchschnittlich variablen Gepäckraum: Die Rückbank-Lehne lässt sich im Verhältnis 60 zu 40 in der Neigung verstellen oder umklappen. Dachhoch variiert das Stauraumvolumen zwischen 436 und 1.277 Liter. Ein abwaschbarer und herausnehmbarer Kofferraumboden betont Freizeitmobil-Ambitionen. Dazu sollen dem Compass außerdem eine herausnehmbare Taschenlampe und aus der Hecktür ausklappbare Lautsprecher verhelfen.

Gute Serienausstattung Über diese Details hinaus bietet der Compass bereits serienmäßig viel Schnickschnack, der das Autofahren angenehmer macht. Außerdem finden sich in der Zubehörliste noch Leckereien wie ein Navisystem mit Farbmonitor, ein Premium-Soundsystem oder eine Teil-Lederausstattung.

Ein Diesel und ein Benziner Im November startet der Compass zunächst nur mit dem 170 PS starken 2,4-Liter-Benzinmotor. Erst im April 2007 wird es den 2.0 CRD mit 140 PS starkem Zweiliter-Pumpe-Düse-Diesel von VW geben. Bei den Testfahrten standen uns beide Motoren zur Verfügung. Vor allem der ruhige Lauf macht den Benziner zum eindeutig attraktiveren Antrieb. Der Otto gibt sich kultiviert und – abgesehen von einer kleinen Anfahrschwäche – auch spritzig. Die Benzinvariante benötigt 10,7 Sekunden für den 100-km/h-Sprint. Der Vortrieb endet bei 183 km/h. Nicht ganz so antrittsstark ist der mit einem leichtgängigen Sechsgang-Schaltgetriebe kombinierte Diesel mit 11,0 Sekunden. Dafür ist seine Endgeschwindigkeit mit 189 km/h höher. Obwohl er ein rauer Geselle ist, dürften sich die meisten deutschen Compass-Käufer angesichts seines Verbrauchs von 6,8 Litern für den Diesel entscheiden. Obzwar der Benziner mit 8,7 Litern kein Schluckspecht ist.

Ordentliche Asphalt-Performance Insgesamt schlägt sich der Compass im Fahrbetrieb respektabel. Trotz Allradtechnik wirkt er dank Einzelradaufhängung ausreichend wendig und agil. Wirklich sportlich ist das jedoch nicht, denn ohne Seitenneigung in schnellen Kurven geht es eben doch nicht. Außerdem könnte er noch schneller ausfedern, eine direktere Lenkung und zupackendere Bremsen bieten. Bei normaler Asphaltfahrt geht die Kraft übrigens auf die Vorderachse, erst bei Schlupf wird über eine elektronisch gesteuerte Kupplung auch Leistung an die Hinterräder geleitet. Vernetzt ist der variable Allradantrieb mit ABS, Antriebsschlupfregelung und ESP.
Behände im Gelände Trotz seiner Asphalt-Tauglichkeit marschiert der Compass auch wacker durchs Gelände. Ein beinharter Extrem-Kletterer ist er jedoch nicht. Dafür fehlt ihm unter anderem die nötige Bodenfreiheit. Aber der Allradantrieb mit sperrbarem Zentraldifferential und die elektronischen Helferlein lassen ihn durchaus geschickt durch Schlamm und über Unebenheiten kraxeln.
Viel Auto fürs Geld Ausstattungsbereinigt ist der Compass-Preis eine Kampfansage. So bekommt man den 170 PS starken Benziner in der Ausstattung Sport für 23.990 Euro mit Klimaanlage, 17-Zoll-Alus, ESP und Allradantrieb. Für 2.000 Euro mehr gibt es die Ausstattung Limited zusätzlich mit Teil-Lederausstattung, Sitzheizung, Lederlenkrad, getönten Heckscheiben, 18-Zoll-Alus und einem Tempomat. Außerdem bietet Jeep attraktive Ausstattungspakete zu ebenfalls recht günstigen Konditionen.(mh)
Technische Daten
Antrieb:permanter Allradantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Benzinmotor, DOHC
Hubraum:2.359
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:125 kW (170 PS) bei UPM
Drehmoment:220 Nm bei 4.500 UPM
Preis
Neupreis: 23.990 € (Stand: September 2006)
Fazit
Jetzt hat auch Jeep ein Kompakt-SUV im Portfolio. Im Gelände und auf Straßen schlägt sich der Allradler wacker. Die Sicherheits- und Komfortausstattung ist umfangreich. Außerdem bietet der Neuling einige praktische und pfiffige Details. Unterm Strich bekommt man viel Auto fürs Geld. Doch das dröge Design und das billig anmutende Interieur trüben den ansonsten guten Eindruck.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-news, 2006-09-08

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