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Testbericht

3. Februar 2006
Bergisch-Gladbach, 3. Februar 2006 – In Deutschland gibt es einige leidenschaftliche Liebhaber der Marke Citroën. Neben den puristischen 2CV-Nostalgikern sind es vor allem die Freunde der avantgardistischen Oberklasse-Limousinen DS und CX, die der französischen Marke einen besonderen Stellenwert einräumen. Speziell der DS, häufig auch als Göttin bezeichnet, gilt als technischer Meilenstein des Autobaus und große Design-Ikone. Doch ob 2CV, DS oder CX – alle drei gehören längst zum alten Eisen. Während sich die Enten-Liebhaber mit dem Pluriel über eine nicht mehr puristische aber dafür zeitgemäße 2CV-Interpretation freuen können, fiebert der andere Teil der Citroën-Fangemeinde seit vielen Jahren einem göttlichen Nachfolger entgegen. Langes Warten Hoffnung keimte bereits 1999, als die Franzosen auf dem Genfer Autosalon mit der Studie C6 Lignage einen würdigen Erben der Göttin präsentierten. Doch hat man bei Citroën der Entwicklung anderer Modelle zunächst den Vorrang gegeben. Erst 2005 ging der sehnlichst erwartete C6 in Serie und erlebt Anfang 2006 seine deutsche Markteinführung. Was der neue Charismatiker taugt und ob er an die alte Herrlichkeit anknüpfen kann, lesen Sie in unserem Test mit dem Dreiliter-V6-Benzinmotor. Wie einst der CX so schön Obwohl der C6 dem revolutionären Geist des DS verpflichtet sein soll, sind die stilistischen Anleihen zumeist beim CX zu finden. Lang, breit und flach liegt die abgesenkte Franko-Flunder auf dem Asphalt, strahlt kühle Avantgarde und Noblesse aus. Vor allem die lange Motorhaube sowie die coupéhaft in weitem Bogen nach hinten abfallende Dachlinie dürfte CX-Schwärmern leichtes Herzflimmern bescheren. Auch das kurze Heck mit großer, nach innen gewölbter Scheibe und kleiner Kofferraumklappe gab es in ähnlicher Form schon beim Vorgänger CX. Neu beim C6 sind die rahmenlosen Fenster der Türen und der riesige Doppel-Winkel in der Front, das vom alten und neuen Selbstbewusstsein der Marke kündet.

Hightech und klassischer Luxus Ebenfalls selbstbewusst präsentiert sich der großzügige Innenraum. Unser Testfahrzeug – in der Topversion Exclusive – verwöhnt mit zweifarbigen Ledersitzen, die sehr bequem sind und ordentlich Seitenhalt bieten. Standesgemäß aufgehübscht wurde das Interieur mit Applikationen aus Chrom und Holz. Unkonventionell und damit typisch für einen Citroën ist das kleine rechteckige Farbdisplay hinterm Lenkrad. Die Digitalanzeige informiert unter anderem über Motordrehzahlen und Geschwindigkeit. Zusätzlich wird die km/h-Zahl elegant per Headup-Display in die Windschutzscheibe genau ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Für deutlich weniger Übersicht sorgen die vielen, recht willkürlich verstreut wirkenden Tasten in der Mittelkonsole. Bedienfreundlicher ist das am oberen Ende in der Mittelkonsole integrierte Farbdisplay des GPS-Navigations- und Audiosystems. Dieses 2.650 Euro teure Extra ist zwar mit einem MP3-fähigen CD-, jedoch nicht mit DVD-Laufwerk ausgestattet. Erst in den kommenden Jahren will Citroën auf Festplatte umstellen und damit europaweite Navigationsdaten nur noch auf einem Datenträger bereithalten. Prestige inklusive Im Fond begeistert der Retro-CX wiederum mit historischen Tugenden. Auf der Rückbank bietet der C6 trotz seines nach hinten abfallenden Dachs für Passagiere bis 1,80 Meter ausreichend Kopf- und zudem viel Kniefreiheit. Besonderen Komfort genießen die Fondgäste unter anderem dank einer separat regulierbaren Mehrzonen-Klimaautomatik. Eine Sitzheizung sorgt außerdem für angenehme Wärme von unten. Und über einen Knopf in der hinteren Mittelarmlehne der Rückbank ist sogar der Beifahrersitz in Fahrzeuglänge verschiebbar. Eine Langversion wie einst der CX Prestige – in dem sich viele Staatsmänner chauffieren ließen – wird es vom C6 allerdings nicht mehr geben. Der Radstand der Neuauflage ist identisch mit dem des Vorgängers. Auch den Bau einer Kombi-Version mit viel Platz für Gepäck schließt Thomas Albrecht, Pressesprecher von Citroën Deutschland, aus. Apropos Gepäck: Die 421 Liter sind für eine 4,90 Meter lange Limousine kein sonderlich guter Wert. Immerhin ist die Rückbank im Verhältnis 60 zu 40 umlegbar und ermöglicht so den Transport auch größerer Gegenstände.

Ein göttliches Fahrvergnügen Unterm Kofferraumboden befindet sich noch ein Notrad. Um dieses zu wechseln, lässt sich der C6 dank seiner hydropneumatischen Federung per Knopfdruck hochfahren. In dieser Servicestellung wird das traditionell komfortabel ausgelegte Fahrwerk knüppelhart und empfiehlt sich nicht für den Fahrbetrieb. In der Normalstellung hingegen gleitet der C6 sanft schaukelnd dahin wie ein Segelboot in leichter See. Lange Wellen werden kaum spürbar weggeschluckt. Jedoch bekommt das Fahrwerk bei kurz aufeinander folgenden Unebenheiten etwas Verdauungsprobleme. Hinzu kommt dann ein leichtes seitliches Zittern der gesamten Karosserie. Zum ansonsten sehr komfortablen Gleiten passt auch die leichtgängige, jedoch etwas indirekt wirkende Lenkung. Zusammen mit dem äußerst niedrigen Geräuschniveau bietet der C6 Exclusive damit eben genau jenes Fahrerlebnis, für das DS und CX so legendär waren. Wer hingegen die derzeit bei vielen Autofahrern beliebten dynamischen Talente sucht, wird vom Fahrverhalten des großen Franzosen nur mäßig begeistert sein. Per Knopfdruck kann man in den Sportmodus wechseln, der mit verhärtender Lenkung und einer sportlicheren Dämpfer-Kennung mehr Agilität bieten soll. Dennoch kann der sanft untersteuernde C6 auch hier nicht mit athletischen Talenten beeindrucken.

Kultivierte Sechszylinder Auch der Dreiliter-V6-Benziner ist kein Wunder in Sachen Vortrieb. Die immerhin 211 PS brauchen in Kombination mit der sanft schaltenden Sechsgang-Automatik glatt zehn Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Dieser nicht sonderlich beeindrucken Performance steht ein zu hoher Verbrauch gegenüber: Laut Citroën liegt der Durchschnittsverbrauch bei 11,2 Litern pro 100 Kilometer. Im Stadtverkehr wächst dieser auf 16,3 Liter an. Auf unserer zügigen Testfahrt zeigte der Bordcomputer gar einen Durchschnittsverbrauch von 20,2 Liter an.

Starker V6-Diesel Wer sparsamer und zugleich flotter unterwegs sein will, kann alternativ den 2,7-Liter-V6-Diesel ordern. Obwohl nominal sechs PS weniger als mit Benzinmotor, sprintet der Diesel-C6 in 9,3 Sekunden auf Tempo 100 und konsumiert dabei im Schnitt nur 8,7 Liter. Zwar ist das Dieselaggregat bereits sehr kultiviert, kommt an die seidige Laufkultur des V6-Benziner jedoch nicht heran.

Preis und Ausstattung Ob Diesel oder Benziner: Der C6 ist in beiden Fällen kein besonders günstiges Angebot. Für den 3.0 V6 werden mindestens 42.500 Euro fällig, der Diesel kostet ab 45.500 Euro aufwärts. Zum Vergleich: Den Chrysler 300C mit dem 248 PS starken 3,5-Liter-V6-Motor bekommt man bereits für 39.100 Euro. Immerhin bietet der C6 eine umfangreiche Ausstattung, die sich noch aber vielseitig erweitern lässt. Für das Ausstattungspaket Pallas verlangt Citroën 3.000 Euro, für die sehr umfangreiche Version Exclusive werden 9.400 Euro auf den Einstiegspreis aufgeschlagen. Zu den teuren Extras der Topversion gehören das Navi-Audio-System und die Lederausstattung. Dafür bewegt sich der C6 hinsichtlich der aktiven und passiven Sicherheit auf hohem Niveau. Neben dem guten Abschneiden beim EuroNCAP-Crashtest und der stattlichen Airbagausstattung sorgen außerdem ABS, EBV, ESP und ASR für eine hohe aktive Sicherheit. Die von uns gestestete Top-Ausstattung Exclusive ist außerdem mit mitlenkenden Scheinwerfern und dem AFIL-Spurassistent serienmäßig bestückt.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Ottomotor
Hubraum:2.946
Anzahl Zylinder:6
Leistung:155 kW (211 PS) bei UPM
Drehmoment:290 Nm bei 3.750 UPM
Preis
Neupreis: 42.500 € (Stand: Februar 2006)
Fazit
Keine Frage: Der neue C6 versprüht außen wie innen in überzeugender Weise Oberklasse-Flair und bietet dabei außerdem einiges von diesem eigenwilligen Stil, der so typisch für einen großen Citroën ist. Très bien! Vermisst haben wir jedoch das schicke Digitaldisplay und das Lenkrad mit feststehender Nabe aus dem C4. Schade, denn mit diesen Details könnte der C6 noch überzeugender an den legendären Innovations-Nimbus der Marke anknüpfen.

In bester Citroën-Tradition bewegt sich dafür der C6 dank seiner weiterhin sehr komfortablen, hydropneumatischen Federung. Diese qualifiziert den großen Franzosen jedoch nicht zum Dynamiker. Auch mit seinem V6-Benzinmotor fährt der C6 der meist druckvolleren Premium-Konkurrenz aus Deutschland hinterher und ist dabei keineswegs sparsam beim Spritverbrauch.

Vor allem Autofahrer, die vornehmlich gediegenes Gleiten bevorzugen, finden im C6 eine spannende Alternative. Der Preis scheint zudem angesichts des Gebotenen angemessen. Ein besonders günstiges Angebot ist der C6 jedoch nicht. (mh)

Quelle: auto-news, 2006-02-03

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