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Testbericht

29. Juli 2004
München, 29. Juli 2004 – Einst waren Autos von Citroën extravagante Aufsehenerreger. DS, SM und CX sind jedoch Ikonen einer vergangenen Ära. Citroën-Neuheiten der 80er und 90er Jahre mangelte es an Faszination und Kult. Erst mit dem C3 Pluriel ist wieder ein frischer Franzose auf den Straßen, der vor allem jungen Leuten den Kopf verdreht.

Gruß von der Ente Das gelingt ihm mit Retro-Anleihen an die legendäre Ente und einem einzigartigen Variabilitäts-Konzept: Ob Pick-up, Cabrio, Roadster – der Pluriel zeigt sich für alles offen. Neben dieser wunderbaren Welt der Wandelbarkeit bietet er einen besonders günstigen Einstiegspreis und seit neuestem einen sparsamen Diesel. Wie sich der innovative Pluriel 1.4 HDi im Alltag bewährt, klärt unser Fahrbericht.

Runde Sache Etwas eigenwillig mutet die neuzeitliche Interpretation der Ente schon an. Einigen Auto-Ästheten ist der Pluriel eine Spur zu rundlich. Nun, Geschmack ist halt so eine Sache. Obwohl keine Diva, ist die offene C3-Variante dennoch ein Blickfang – eben auf ihre sehr eigene, schnuckelige Art.

Schickes Kombiinstrument Ein Hingucker ist das Cockpit mit übersichtlichem Kombiinstrument, welches elegant eine digitale Geschwindigkeitsanzeige und einen mechanischen Drehzahlmesser vereint. Ansonsten wirkt der Innenraum aufgeräumt und sauber verarbeitet, ohne jedoch mit hochwertigen Materialien zu beeindrucken. Alles ist leicht bedienbar und gibt keine Rätsel auf. Zum Sicherheitsgurt müssen die vorderen Passagiere jedoch unangenehm weit nach hinten greifen.

Großzügiger Innenraum Dafür haben sie viel Platz. Die Sitze sind sehr bequem, könnten aber mehr Seitenhalt bieten. Nicht ganz so gemütlich geht es auf den hinteren Plätzen zu: Der Einstieg ist unkompliziert, doch mit Kniefreiheit geizt der Viersitzer im Fond. Für lange Strecken zu viert ist der Frischluft-C3 also nicht unbedingt zu empfehlen. Wer auf Reisen geht, wird zumindest zu zweit keine Platzprobleme haben. Der Kofferraum fällt mit 260 Litern sogar recht üppig aus. Bei umgeklappter hinterer Sitzbank sind sogar 660 Liter Stauraum möglich.

Faszinierende Vielfalt Die innovative Dachkonstruktion bietet viele Variationsmöglichkeiten. Zunächst lässt sich das elektrische Stoffdach per Drehschalter bis weit nach hinten öffnen. Die nächsten Schritte sind jedoch deutlich komplizierter. Vor dem ersten Vollstrip studiert der Pluriel-Neuling unsicher die Gebrauchsanleitung wie beim Zusammenbau eines Ikea-Möbels. Doch mit etwas Routine geht der Umbau schnell von der Hand.

Kleiner KraftaktWer mehr Offenheit verlangt, muss aussteigen und die Heckscheibe samt Faltdach im Kofferraumboden versenken. Danach lassen sich die beiden, je zwölf Kilogramm schweren Dachholme abnehmen. Erst dann ist der Pluriel ein Vollcabrio. Oben ohne sieht der Pluriel eindeutig attraktiver aus, wird jedoch zum Spielball von Petrus Gnaden. Die sperrigen Dachholme müssen nämlich in der Garage bleiben. Vor einem holmfreien Ausflug also unbedingt die Wetterkarte studieren.

Pick-up oder Speedster Die Wandelbarkeit geht übrigens noch weiter: Ohne Dach und mit umgelegter Rücksitzbank wird aus dem Pluriel eine Art Pick-up mit großer, offener Ladefläche. Im Kofferraum befindet sich außerdem noch eine Plastikhaube fürs Heck. Mit dieser Kunststoff-Abdeckung erhält das Cabrio noch eine leichte Speedster-Optik.

Quietsche-Entchen Störend an der offenen Dachkonstruktion ist das hohe Geräuschniveau. Während das Dieselnageln noch halbwegs dezent bleibt, wird es bei hoher Geschwindigkeit unter dem Softdach wirklich laut. Wer auf langen Strecken unterwegs ist, wird sich eine ruhigere Dachkonstruktion wünschen. Auf holprigen Straßen mutiert der Pluriel außerdem zum Quietsche-Entchen. Trotz seiner massiven Holme ist die Karosserie keineswegs verwindungssteif. Tatsächlich ist der Pluriel eben ein Cabriolet. Und diese Konstruktion ist von Natur aus lauter als ein geschlossenes Blechdach.

Keine lahme Ente Gegenüber der Ur-Ente 2CV ist der Pluriel 1.4 HDi natürlich ein echter Renn-Erpel. Wirklich flott ist man mit dem kleinen Diesel im Pluriel jedoch nicht unterwegs. Im Zeitalter drehmomentstarker Turbodiesel sind seine 68 PS und 150 Newtonmeter Drehmoment keineswegs berauschend. Die Fahrleistungen sind entsprechend: Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 158 km/h und der 100-km/h-Sprint ist erst nach 17,3 Sekunden zuende.

SpritsparerWer flott fahren will, wird ordentlich das Gaspedal treten und viel im leichtgängigen Fünfgang-Schaltgetriebe rumrühren. Besonders wenn der Diesel-C3 an Steigungen Schwung verliert. Doch ansonsten bietet der 1.4 HDi in allen Verkehrssituationen ausreichend Leistung. Für den Diesel spricht vor allem der bemerkenswert günstige Verbrauch. Bleifußetappen quittiert der HDi-Motor mit höchstens sieben Litern. Bei zurückhaltender Fahrweise begnügt er sich mit fünf Litern Diesel.

Sanft und sicher Beim Fahrwerk des Pluriel ist noch viel von der traditionell weichen Auslegung eines Citroëns zu spüren. Entsprechend komfortabel geht’s im Enten-Enkel dahin. In scharfen Kurven neigt sich die Karosserie dafür deutlich zur Seite. Beängstigend wirkt das trotz der etwas gefühllosen Lenkung nicht. Die Straßenlage ist sicher und selbst bei engagierter Fahrweise sorgen das Fahrwerk und die Bremsen stets für ein gutes, wenn auch nicht überragend stabiles Fahrgefühl. Zusammen mit dem 375 Euro teuren Stabilitätsprogramm ESP und der Traktionskontrolle ASR geht es stets gefahrlos ums Eck.

Günstiger Preis Beim Preis schlägt die große Stunde des Pluriel 1.4 HDi. Es handelt sich um ein viersitziges Cabiolet mit elektrischem Dach und Dieselantrieb für nur 17.140 Euro. Vergleichbar sind am ehesten wohl der VW Beetle 1.9 TDI für mindestens 22.975 Euro und der Renault Mégane C-C 1.9 dCi für 24.200 Euro. Zwar ist der Pluriel kleiner und schwächer als die genannten Mitbewerber. Dafür ist der Abstand im Preis schon erheblich.

Gute AusstattungAußerdem ist die Serienausstattung des Pluriel bereits sehr umfangreich. Und selbst voll ausgestattet mit den wenigen noch verfügbaren Extras wie Lederausstattung, Klimaautomatik und ESP sind nur knapp über 20.000 Euro fällig. Seit Frühjahr 2004 wird der Pluriel 1.4 HDi übrigens in der so genannten Gold-Edition für nur 16.260 Euro inklusive Metallic-Lackierung angeboten.
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Technische Daten
Motor Bauart:Vierzylinder-Reihen-Dieselmotor, acht Ventile
Hubraum:1.389
Leistung:50 kW (68 PS) bei UPM
Drehmoment:150 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 17.140 € (Stand: Juli 2004)
Fazit
Der Citroën Pluriel 1.4 HDi ist der derzeit billigste Einstieg in die Welt der viersitzigen Vollcabrios. Er bietet neben vier vollwertigen Sitzen einen großen Kofferraum, das derzeit variabelste Fahrzeugkonzept und darüber hinaus eine gehörige Portion Kult. Es handelt sich also gleichermaßen um ein Spaßauto für Individualisten und um eine in vielen Punkten vernünftige Alternative.

Vernünftig ist der Pluriel dank des neuen HDi-Motors. In Sachen Leistung kann der Motor zwar nicht begeistern. Dafür ist er sparsam – bei Cabrios immer noch die Ausnahme. Abgesehen vom gemütlichen Antrieb leistet sich der C3 Pluriel keine wirklich größeren Schwächen. (mh)

Quelle: auto-news, 2004-07-29

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