Testbericht

30. September 2003
Im Frühjahr 2002 stellte Citroën den Kleinwagen C3 vor, im Frühjahr 2003 folgte der Cabrio-Ableger C3 Pluriel. Nun kommt der kleine Bruder C2 auf den Markt. Wir haben erste Fahreindrücke für Sie gesammelt.

Citroën zählt rückwärts: C3, C2, C1
Mit C3 und C2 ersetzt Citroën den Saxo. Der stets fünftürige C3 soll dabei der Nachfolger des Saxo-Fünftürers sein, der dreitürige C2 der Erbe des Dreitürers. Ab 2005 folgt noch ein C1, der in Kooperation mit Toyota in Tschechien hergestellt werden soll und dann wohl baugleich mit dem Yaris-Nachfolger sein wird.

13 Zentimeter weniger Radstand
Der C2 hat 15 Zentimeter weniger Radstand als sein großer Bruder und gehört mit 3,67 Metern Länge zu den großen Kleinstwagen. Konkurrenten sind etwa Peugeot 106 oder Ford Ka. Doch wie das bei kleinen Brüdern so ist: Nicht nur die Größe, auch das Aussehen differiert. So fällt der C2 im Vergleich zum feminin anmutenden C3 recht kühl und kantig aus. Von der Seite her gesehen ist die durchbrochene Gürtellinie auffällig - diesen Designkniff gibt es sonst nur noch beim Daihatsu YRV.

Vier Motoren
Der C2 wird mit vier verschiedenen Motoren angeboten: drei Benzinern mit 60, 73 und 109 PS sowie einem Diesel mit 68 PS. Alle vier sind als schadstoffarm nach D4-Norm eingestuft und sparen somit Steuern. Die Ausstattungen heißen X, SX, VSX und VTR. Bei VSX und VTR ist das automatisierte Schaltgetriebe Sensodrive Serie, die anderen Versionen werden über ein Fünfgang-Getriebe manuell geschaltet. Wir haben den 60- und den 109-PS-Benziner für Sie gefahren.

60-PS-Benziner mit Handschaltung
Das 1,1-Liter-Aggregat der Basismotorisierung reicht für das rund eine Tonne wiegende Auto aus. Man muss dann aber die Gänge schon ordentlich ausdrehen. Der Motor beschleunigt das Auto in 16,1 Sekunden auf Tempo 100 und bietet Vortrieb bis 158 km/h. Die manuelle Fünfgang-Schaltung ist angenehm zu bedienen, der Ganghebel hakelt nicht und wirkt stabil.  Dem Inneren haben die Citroën-Designer durch viel Farbe einen eigenen Touch gegeben. Bei unserem grasgrünen Auto waren auch die Sitzpolster und die Bespannungen der Türen froschfarben. Die farbenfreudige Umgebung mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, aber frisch wirkt sie - man hat das Gefühl, in einen grünen Apfel zu beißen. Die Serien-Sitze bieten akzeptablen Seitenhalt. 

109-PS-Benziner mit Sensodrive-Getriebe
Naturgemäß lässiger als mit 60 PS geht das Beschleunigen bei der Topmotorisierung mit 1,6 Litern Hubraum und 109 PS von der Hand. Auch hier werden Fahrer, die den Motor gern hoch drehen, zufriedener sein als weniger Sportliche. Der 1,6-Liter-Benziner wird immer mit dem automatisierten Schaltgetriebe Sensodrive kombiniert. Dabei kann das Schalten ganz dem Auto überlassen werden. Alternativ lässt sich über Schaltwippen am Lenkrad sequenziell herauf- und herunterschalten, wobei es nicht nötig ist, mit dem Fuß ein Kupplungspedal zu bedienen. Im Automatikmodus stören die Schaltpausen ein wenig, mit den Schaltwippen macht es mehr Spaß. Zu dieser sportlicheren Fortbewegungsart passen die in unserem Testwagen installierten Sportsitze: Sie geben guten Seitenhalt.

Fahrwerk vor schwierigen Aufgaben
Das Fahrwerk des C2 steht von einer schwierigen Aufgabe: Ein Auto mit nur 2,32 Metern Radstand und hohem Schwerpunkt vor allem in Kurven spurstabil zu halten, ist nicht ganz einfach. Auf der Autobahn ist der C2 nach einem Spurwechsel bei höherem Tempo nicht leicht wieder auf eine gerade Bahn zu bringen. Doch wesentlich besser schneiden da auch andere Kleinstwagen nicht ab. Stöße von Fahrbahnunebenheiten schluckt das Fahrwerk nur unzureichend, was bei längeren Autofahrten negativ auffallen könnte.

60 Prozent Gleichteile
Im Innenraum wirkt sich die Plattformstrategie aus: Im PSA-Konzern müssen 60 Prozent des Autopreises auf Gleichteile zurückzuführen sein. Die restlichen 40 Prozent dienen dazu, die Fahrzeuge gegeneinander abzugrenzen. In das Kapitel Gleichteile fällt vor allem das Armaturenbrett: Es sieht - bis auf die Farbe - genauso aus wie beim C3.

Kopf stößt hinten gegen Fahrzeugdecke

Vorne sitzt man gut. Ein 1,75 Meter großer Fahrer kann den höhenverstellbaren Fahrersitz leicht so justieren, dass er auf die Mitte der Frontscheibe sieht. Der C2 ist wie so mancher Kleinstwagen ein Viersitzer. Der Sitzkomfort auf der Zweier-Rückbank ist für einen 1,75 Meter großen Insassen auch nicht allzu hoch. Die Beinfreiheit ist zwar - wenn der Vordersitz für dieselbe Körpergröße eingestellt ist - mit rund drei Zentimetern gut. Doch versucht man, den Kopf an die Stütze zu lehnen, so kommt man stattdessen in Kontakt mit der Fahrzeugdecke. Das können andere kleine Autos - etwa der neue Daihatsu Cuore - besser. Ablagemöglichkeiten sind jedoch vorne wie hinten genug vorhanden. Bei keiner C2-Version lassen sich die hinteren Seitenfenster ausstellen. Wer öfter Fondpassagiere transportiert, sollte also den Kauf einer Klimaanlage erwägen.

Kofferraumklappe mit Sitzgelegenheit
Der Kofferraum weist ein besonderes Konzept auf. Dies beginnt bei der zweigeteilten Heckklappe: Man öffnet zunächst den oberen Teil, und dann mit einem zweiten Griff den unteren. Hintergedanke: So lässt sich der Kofferraum auch noch in der engsten Parklücke erreichen. Der untere Teil kann zum Absetzen von Gepäckstücken dienen. Oder man kann sich draufsetzen und eine Tail-Gate-Party feiern wie die Amerikaner mit ihren Pick-ups: Kartoffelchips und ein Träger Bier im Kofferraum, Klappe auf - und fertig ist die Picknick-Minimalausstattung für zwei. 

Verschiebbare und wickelbare Einzelsitze
Doch auch im Kofferraum selber ist der C2 anders als andere Kleinwagen. Die Basisausstattung X hat zwar eine konventionelle, symmetrisch umlegbare Rückbank. Doch ab der nächsthöheren Version SX besitzt der C2 zwei Einzelsitze im Fond. Diese lassen sich einzeln um zehn Zentimeter in Fahrtrichtung verschieben. Je nach Sitzposition ist der 104 Zentimeter breite Kofferraum dann 40 bis 50 Zentimeter tief und fasst 166 bis 224 Liter. Wird mehr Platz gebraucht, lassen sich die Lehnen auf die Sitzpolster klappen. Dann wird ein Stahlbügel betätigt, und die zusammengefalteten Sitze können in die Senkrechte bewegt werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Wickeln". Starke Gasdruckfedern halten die Sitze in Position. Nun steht eine Laderaumlänge von 102 Zentimetern zur Verfügung, das Laderaumvolumen steigt auf 879 Liter. Der ganze Umbau ist schnell und mit wenig Kraftaufwand erledigt - da dürften auch zarte Damen keine Probleme haben.

Der Fahrer muss sich krümmen 
Der Nachteil an dem Ganzen: Es klappt nur, wenn die Vordersitze weit nach vorn geschoben werden - so weit, dass ein mittelgroßer Fahrer nicht mehr vernünftig sitzen kann. Damit lässt sich der volle Kofferraum allenfalls auf kurzen Strecken nutzen. Auch beim Toyota Yaris kann man die Sitze verschieben und wickeln. In der Konfiguration mit maximalem Stauraum findet aber dort auch der Fahrer noch eine akzeptable Sitzposition.

Einstieg ab 9.995 Euro
Den C2 gibt es für begrenzte Zeit zu einem Einführungspreis von 9.995 Euro. Zur Serienausstattung gehören vier Kopfstützen, vier Dreipunktgurte, ABS, Fahrer- und Beifahrerairbag, Seitenairbags vorne, symmetrisch geteilt umklappbare Fondbank, elektrische Servolenkung, Zentralverriegelung ohne Fernbedienung und die zweigeteilte Heckklappe. Kopfairbags sind für alle Versionen gegen Aufpreis erhältlich, ESP kann für alle Motoren außer dem Einstiegsaggregat geordert werden.
 
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Technische Daten
Motor Bauart:Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum:1.124
Leistung:44 kW (60 PS) bei UPM
Drehmoment:94 Nm bei 3.300 UPM
Preis
Neupreis: 9.995 €
Fazit
Im Ganzen überzeugt der schicke kleine Franzose. Vor allem das Design ist zu loben - und das ist nach den Umfragen der Marktforscher immer noch Kaufgrund Nummer eins bei den Kleinwagen.  Enttäuschend ist jedoch die Kopffreiheit im Fond. Auch das Variabilitätskonzept überzeugt nicht. Ganz normal umklappbare Rücksitze wären uns lieber. Auf den ersten Blick wirkt das Sitzkonzept praktisch, aber wenn man nach dem Sitz-Wickeln als Fahrer nicht mehr sitzen kann, nutzt all das wenig. (sl)

Quelle: auto-news, 2003-09-30

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